Münnerstadt
Planung

Vorwurf: Schwere Versäumnisse

Warum in Münnerstadt auch politische Altlasten den Neubau des Feuerwehrgerätehauses gefährden.
In der historischen Zehntscheune ist die Münnerstädter Feuerwehr untergebracht. Es fehlt vor allem an Platz. Foto: Heike Beudert
In der historischen Zehntscheune ist die Münnerstädter Feuerwehr untergebracht. Es fehlt vor allem an Platz. Foto: Heike Beudert

Im Januar 1995 hatte die Feuerwehr Münnerstadt den Antrag auf Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses gestellt. Heute, mehr als 27 Jahre später, wartet die Wehr noch immer auf ihr neues Feuerwehrgerätehaus. Dieses ist nötig, um den Fahrzeugbestand zu erneuern. Denn die Löschfahrzeuge neuer Generation sind zu groß für die engen Tore im Feuerwehrgerätehaus. Jetzt steht das Projekt wieder auf der Kippe. Es sind vor allem die dramatisch gestiegenen Kosten, die die Stadt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Doch es wurde in der Sitzung des Stadtrates auch erklärt, dass Versäumnisse des damaligen Bürgermeisters Helmut Blank Mitschuld an der heutigen Situation tragen.

"Mit elf Millionen plus x" ohne die Erschließungskosten benennt Bürgermeister Michael Kastl aktuell die Baukosten. Ursprünglich war man von Baukosten in Höhe von sechs Millionen Euro ausgegangen. Die Verteuerung hängt einerseits mit den massiv gestiegenen Baupreisen zusammen, aber auch mit neuen Erkenntnissen zum nötigen Hochwasserschutz. Kommt der Bau am geplanten Standort, muss das Feuerwehrgerätehaus hochwasserfrei gebaut werden. Warum die Stadt erst jetzt, wo die Pläne schon fertig sind, davon erfährt, erläuterte Michael Kastl.Die Regierung von Unterfranken hatte die Stadt bereits 2018 dazu aufgefordert, eine Hochwasserunbedenklichkeitsbescheinigung beim Wasserwirtschaftsamt einzuholen. "Das ist nicht gemacht worden," so Michael Kastl. Mittlerweile hat die Verwaltung dies nachgeholt mit dem Ergebnis, dass es keine Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Standort gibt.

Stadtrat war nicht informiert

Außerdem hat die Planung einen Fahrzeug-Stellplatz mehr als die Regierung in ihren Förderkonzept vorsieht. Mit acht Plätzen hat die Stadt geplant, die Regierung hält maximal sieben für ausreichend, so eine Stellungnahme von Ende Juli aus Würzburg. Aber auch das soll bereits 2018 dem damaligen Bürgermeister Helmut Blank bekannt gewesen sein; der Stadtrat sei darüber ebenfalls nicht informiert worden. Damit muss die errechnete Zuschusshöhe deutlich nach unten korrigiert werden.

Finanziert werden muss der Neubau über Schulden. Eine Investition in dieser Größenordnung könnte die staatliche Stabilisierungshilfe gefährden, erläuterte Michael Kastl. Diese erhält die Stadt als finanzschwache Gemeinde seit Jahren und möchte sie nicht verlieren. Vom zuständigen Ministerium will man nun wissen, ob die Stabilisierungshilfe trotzdem fließen würde. Die Antwort steht noch aus. Michael Kastl rechnet damit bis zum November. Auch wenn man sich von den staatlichen Stellen Hilfestellungen in der Bau-Entscheidung erwartet, machte Kastl deutlich: "Am Ende müssen wir selbst Rückgrat zeigen und entscheiden, was wir machen können."

Zwischenzeitlich hat die Stadt Münnerstadt von der Regierung den Auftrag erhalten, sich nach Alternativen zum geplanten Standort umzusehen. Eine Möglichkeit: der Umbau bestehender Gebäude. Allerdings fehle es an Alternativen, stellte der Bürgermeister fest. Gleichzeitig soll das Bedarfskonzept der Wehr überarbeitet werden. "Wir müssen die Punkte sauber abarbeiten," stellte Michael Kastl fest.

Falsche Fährte

"Da liegen schwerwiegende Versäumnisse vor, die nicht sie, sondern ihren Vorgänger betreffen," sagte Stadtrat Leo Pfennig zu Michael Kastls Ausführungen. "Wir sind auf die falsche Fährte geschickt worden." Jetzt gehe es darum, dass die Feuerwehr möglichst schnell zu ihren neuen Fahrzeugen kommt, meinte Leo Pfennig. Michael Kastl ergänzte, dass die Situation für die Feuerwehr sehr unbefriedigend sei.

Kommandant Robert Müller erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Wehr bereits ihre Hausaufgaben erledige. Das neue Konzept müsse noch mit dem Kreisbrandrat abgestimmt werden. Die Zahl von acht Stellplätzen hält Müller dennoch weiterhin für nötig.

Sicherheit ist gewährleistet

Die Preiserhöhung bezeichnet er als "unglaublich", trotzdem hofft er, dass sich bezüglich des Feuerwehrgerätehauses doch noch eine langfristig und tragfähige Lösung findet. Denn die Zehntscheune sei noch nie ein richtiges Feuerwehrgerätehaus gewesen. Eines aber versichert er, egal was kommt: "Die Sicherheit der Bevölkerung ist jederzeit gewährleistet. Dafür stehen wir gerade."

Feuerwehr-Ehrenkommandant Hans Petsch verfolgt von Beginn an die Diskussionen um ein neues Feuerwehrgerätehaus. 1995 blieb alles beim Alten wie wie auch einige Jahre später, als es die Möglichkeit gegeben hätte, im Umfeld der Zehntscheune zu erweitern, berichtet Hans Petsch. Es habe dazu auf Initiative der Feuerwehrleitung auch ein Gespräch mit der Stadt Münnerstadt gegeben, bei dem er dabei war. Aber diese Option sei in der Stadt nicht weiterverfolgt worden. Petsch hätte es begrüßt, wenn die Feuerwehr ein stadtnahes, zeitgemäßes Domizil im Umfeld der Zehntscheune erhalten hätte.