Es ist eigentlich so wie immer. Eine Bühne, ein Rednerpult, davor das devote "Wahlvolk". Gewiss, modernistische Showgrößen der Politik lassen inzwischen Kreise auf den Bretterboden ziehen, stehen darin, gestikulieren was das Zeug hält und heben zu riesengroßen Sprüchen ab. So, wie es ihr Coach gezeigt hat. Dass es die einfachen, die klaren Wahrheiten sein können, ohne Verschwurbelung der Sätze, die gestern noch galten und heute passé sind, bewiesen die "starken" Bayern am Sonntag im Innenhof des Münnerstädter Deutschordensschlosses.

Hinter dem Rednerpult der weiß-blaue Himmel, davor die Alpha-Figuren bayerischer Landespflege, die auch mitunter Ausflüge ins Preußische wagten, von dort aber mehr gedeckelt in die Heimat zurückkehrten. Allen voran König Ludwig der Zweite, der wohl prominenteste Nichtschwimmer Bayerns. Ansonsten konnte der Kabarettist Wolfgang Krebs seine Lieblingsfiguren nach Herzenslust spielen, entweder sichtbar am Pult oder mit Stimmen aus dem Off, die jedermann/frau schnell erkennen konnte. Krebs war am Tag vorher im "Osten", in Meiningen. "Die wollten da unbedingt einen Bayern erleben!" Der Rückweg von dort führte eben über die Idylle des Deutschordensschlosses, über die dann der Edi Stoiber in einer "Dankesansprache" mit seinen ständigen Versprechern sehr kräftig gestolpert ist.

Die Alleinstellungsmerkmale gestandener Bayern und anderer "Preußen" das ist das Thema von Wolfgang Krebs. Funk und Fernsehen unterhalten ja ständig damit und so hätte der Veranstalter Kultur & Marketing Münnerstadt den Innenhof zweimal ausverkaufen können. Krebs hatte sich auf Münnerstadt vorbereitet, die 1251 Jahre, das nicht gebührend gefeierte Jubiläum und der Auftritt des derzeitigen Landesvaters als Schirmherr "der ja heute nochmal ins Schloss kommt", kündigt er noch in der Rolle des Märchenkönigs an. Zuvor setzt der "Monarch" Zeichen für die zwei sehr unterhaltsamen Stunden.

Wie kommt man in den Himmel?

Ihn interessiert, "warum immer weniger CSU-ler in den Himmel kommen." Dazu bemüht er vergangene und gegenwärtige Parteistrategen, wie Franz-Josef Strauß und Günter Beckstein, die ewigen Streithähne Hubert Aiwanger und Markus Söder sowieso und natürlich den derzeit im Abgang befindlichen ehemaligen Landeschef und jetzigen Bundesinnenminister Horst Seehofer. Externe Beratung liefern "die Angie" mit Liveauftritt, sowie in textlich köstlichen Variationen Politiker von der untergehenden SPD, Lauterbach, Scholz, Walter-Borjans und Eskens, die Grünen und ihre Baerbock mit Habeck. Sie alle werden im personalisierten Politikersprech' pointiert wiedergegeben, ihre Aussagen - nicht nur zur CSU - in ihrem Kern zerlegt und mit warmherziger Dialektik von Wolfgang Krebs serviert. Er hat aber auch einen Mann aus dem - oberbayerischen - Volk dabei. Der Schorsch Scheberl, der Vorsitzender in allen 30 (!) Vereinen des Dorfes ist und mit Rudi, dem 2. Vorsitzenden am Stammtisch in der Wirtschaft "zur toten Hose" der Landflucht Einhalt gebieten will. In Schriftform nicht wiederzugeben sind die baiuwarischen Pointen, die dem Schorsch so von der Leber rutschen. "Verstehn's" dieser Satzabschluss, öfter wiederholt, ist schon ein Kracher für sich, rausgehauen in entsprechendem Outfit als Urviech aus Altbayern.

Es gab Passagen bei allen Dargestellten, da blieben minutenlang die Augen nicht mehr trocken. Das verbale Zeichnen von Charaktereigenschaften hatte einen hohen Wiedererkennungswert, besonders beim "Engel" Edmund, dem Stoiber aus Wolfratshausen, eine Erscheinung in weißblauer Raute mit goldenen Flügeln. Der begrüßt das Publikum, insbesondere die Vertreter der Sponsoren in der ersten Reihe, sowie das Stadtoberhaupt Michael Kastl. Ehe er -"Stoiber" - zu einer Aussage kommt, ist die Verballhornung mit anfallartigen Satzschnipseln eine Kunst an sich. Die "Rotarmisten" entschuldigend wieder zu Rotariern (Sponsoren) werden zu lassen oder sich als die wahre CSU-Größe -"mit 60,4 Prozent ein Spitzenergebnis außerhalb einer Diktatur" - bei der Wahl 2008, er zeigt es seinen Nachfolgern Seehofer und Söder immer noch. Überhaupt die Beiden: Horst Seehofer will, wenn er im Himmel ist, nicht mit dem Markus auf einer Wolke sitzen, "der will immer was machen, als Oberwolkenführer!" Der aber sagt dann von sich: "Die Welt braucht nur eines - mich!" Es ist ein Glanzstück von Wolfgang Krebs, wie er den Söder macht.

"Der Kandidat der Herzen"

Alle seine Figuren kommen ja in entsprechender Kleidung ans Pult und geben sich entsprechend, dem "Söder" ist vorbehalten, den Lesetisch mal zu umrunden, aufs "Volk" zuzugehen und die politische Konkurrenz auch mal aufs Korn zu nehmen. Als "Obergrüner" findet er die Annalena ganz sympathisch, doch Frau Baerbock hat ihr Abitur in Hannover gemacht, "wo jeder Topflappen eins bekommt!" "Der Kandidat der Herzen" lässt sich weiter hochleben, behauptet, dass andere behaupten, er könne auch als Papst kandidieren, doch "erst wenn der Betersdom mit weichem P geschrieben wird" überlegt er es sich. Unter anderem sei er "Brotestand".

Aber auch die kommen in den Himmel, soweit sie in der CSU sind. Denn die tun schon Buße, wenn sie in der CSU sind. Für "Engel" Stoiber und Ludwig II. gehört der Himmel allen Bayern, doch um genügend Platz für die CSU-Fans zu schaffen, wurde mit Petrus ein geeigneter Türsteher vor dem Himmelreich postiert. Trotzdem lässt der Zulauf zu wünschen übrig. Da wären schon mal die "Maskenhändler", die nicht mal das Fegefeuer erreichen. Auch Hubert Aiwanger wird es schwer haben, an den "Schwarzen" vorbei in den Himmel zu kommen, schon weil die Niederbayern partout mit einem Vokal weniger auskommen wollen.