Nur wenige Menschen haben sie je gesehen, die Räume der Augustinerbibliothek Münnerstadt im ehemaligen Kloster St. Michael. Jahrhundertelang haben die Patres und Brüder sowohl geistliche als auch weltliche Literatur gesammelt und selbst die Säkularisation konnte der Bibliothek nichts anhaben. Jetzt haben die Leiterin der Bibliotheca Augustiniana in Würzburg, Dr. Carolin Oser-Grote, die auch die Münnerstädter Bibliothek betreut, und der Leiter des Münnerstädter Hennebergmuseums, Dr. Nicolas Zenzen, eine Sonderausstellung "Geschichte aus dem Buch - Zeitzeugen der Augustinerbibliothek Münnerstadt" zusammengestellt. 56 Werke, unterteilt in sechs Themenblöcke, sind bis Anfang nächsten Jahres im Deutschordensschloss zu sehen. Dazu ist jetzt auch ein Begleitband erschienen.

Zum Jubiläum geplant

"Ursprünglich war die Ausstellung als Beitrag zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 1250 Jahre Münnerstadt im Jahr 2020 geplant", sagt Nicolas Zenzen. Der Gedanke dahinter sei gewesen, nicht einfach die Bibliothek oder schöne Werke aus ihr auszustellen, sondern einen Einblick in die Geschichte Münnerstadts und der Augustiner anhand der Werke zu gewähren.

Carolin Oser-Grote kennt sich bestens aus in der Münnerstädter Augustinerbibliothek. Seit 2013 ist sie dort tätig, 2014 ist die Sammlung vom Münnerstädter Konvent St. Michael in die Trägerschaft der bayerisch-deutschen Provinz der Augustiner übergegangen. Seit 1279 sind die Augustiner in Münnerstadt, mit einer Unterbrechung von 1560 bis 1652, erinnert die Bibliotheksleiterin. Ganz bedeutend war das Jahr 1685, in dem die Augustiner die Leitung der Pfarrei und des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums übernahmen. Besonders in der Zeit der Aufklärung seien neue Konzepte im Schulbetrieb eingeführt worden, das Gymnasium habe eine große Ausstrahlung auf ganz Unterfranken gehabt, was auch die Beinamen "Münnerstädter Musentempel" und "Rhön-Universität" belegen.

Theologische und weltliche Werke

"Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert war die Münnerstädter Augustinerbibliothek neben der Universitätsbibliothek in Würzburg die bedeutendste in Unterfranken", hebt Carolin Oser-Grote hervor. Ganz wesentlich sei, dass die Bibliothek im Kloster während der Säkularisation nicht aufgelöst wurde. Sie ist bis heute am selben Ort geblieben und wird auch hier bleiben, ist die Bibliothekarin überzeugt. Das Besondere sei die hälftige Teilung in theologische Werke und weltliche Literatur, die ja durch die Lehrtätigkeit am Gymnasium benötigt wurde. Dabei seien die Werke sehr gut nachvollziehbar nach Schulfächern sortiert, beispielsweise nach Philosophie, alte Sprachen und so weiter.

Sogar Unikate dabei

Eine weitere Besonderheit der Münnerstädter Augustinerbibliothek sei die Qualität des Bestandes. "Es sind viele alte Drucke und Handschriften darunter", sagt Carolin Oser-Grote. Vor allem auch Inkunabeln, sogenannte Wiegendrucke, die in der Zeit nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern im Jahr 1454 bis zum Jahr 1500 entstanden sind. "Es sind sogar Unikate dabei, die anderswo nicht nachgewiesen sind."

Spannend seien aber nicht nur die Bücher selbst, sondern vor allem auch ihre besonderen Merkmale wie Besitzervermerke, Einbände und persönliche Notizen. Als Beispiel nennt Carolin Oser-Grote ein Buch von Hans Tucher, in dem der Besitzer Michael Fröber den Einfall der Schweden ins Frankenland im Jahr 1631 notiert hat. Auch den Tod von König Gustav Adolf hat er festgehalten und dass sein Töchterchen Christina jetzt Königin der Schweden ist.

In sechs Themenkomplexe ist die Ausstellung unterteilt: Münnerstadt, Region, Augustinerkloster, Gymnasium, Ordensgeschichte und: "Zu guter Letzt". Beim sechsten Komplex geht es um Bücher, die eine eigene Geschichte erzählen, bei denen beispielsweise alte Pergamente als Einband wiederverwendet wurden. Wichtig ist Carolin Oser-Grote auch die Geschichte der Bibliothek ab 2013, der Aufbruch ins digitale Zeitalter, um die Bibliothek zukunftsfähig und für die Fachwelt und die interessierte Öffentlichkeit nutzbar zu machen.

Begleitband erschienen

Die Ausstellung ist bereits seit Mitte Juli zu sehen. Weil jetzt der offizielle Begleitband eingetroffen ist, wird sie am Freitag, 30. Oktober, ab 19 Uhr offiziell eröffnet. Das Begleitbuch von Carolin Oser-Grote und Nicolas Zenzen ist im Echter-Verlag erschienen (ISBN 978-3-429-05818-0) und kostet 14,90 Euro. Darin gibt es Einblicke in die Geschichte Münnerstadts und der Augustiner, in die Augustinerbibliothek, und natürlich werden die ausgestellten Werke detailliert beschrieben.

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Henneberg-Museums besichtigt werden, also von Dienstag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Museumsleiter Nicolas Zenzen bietet zudem an den Sonntagen, 9. und 30. Oktober, 13. und 27. November, und am 8. Januar (Beginn jeweils 15 Uhr) sowie nach Absprache Führungen durch die Ausstellung an.