Maßbach
Kultur

Theaterbesucher suchen das Heitere

In der Zeit nach den Lockdowns sind ernste Stücke - welch Wunder - nicht so gefragt. Das Theater Schloss Maßbach entspricht in der neuen Spielzeit diesem Wunsch. Es wird wieder im Intimen Theater gespielt. Doch gibt auch größere Sorgen.
Das Bühnenbild ist fertig, die Proben für "Der Vorname" im Intimen Theater laufen. Theaterchefin Anne Maar und PR-Chef und stellvertretender Dramaturg Christoph Thein schauen mit großer Freude auf die neue Spielzeit. Aber es mischen sich auch eini...
Das Bühnenbild ist fertig, die Proben für "Der Vorname" im Intimen Theater laufen. Theaterchefin Anne Maar und PR-Chef und stellvertretender Dramaturg Christoph Thein schauen mit großer Freude auf die neue Spielzeit. Aber es mischen sich auch einige Sorgen dazwischen. Foto: Gerhild Ahnert

Am Freitag, 30. September, beginnt die Spielzeit 2022/2023 am Theater Schloss Maßbach: Im Intimen Theater hat die Komödie "Der Vorname" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière in der Inszenierung von Rolf Heiermann Premiere.

Ein besonderes Stück schon deshalb, so Theaterchefin Anne Maar, "weil des das letzte ,Coronastück‘ ist". Das heißt: Es war schon viel früher geplant, musste aber - wie andere Stücke auch, die mittlerweile "abgearbeitet" sind - wegen der Lockdowns und anderer Einschränkungen immer wieder verschoben werden. Jetzt heißt es: Rückkehr zur Normalität, zu Theater ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln - natürlich nur bis auf Widerruf aus München. Und auch die Rückkehr aus der Lautertalhalle in das Intime Theater, die Gewohnte und beliebte Umgebung.

Anne Maar sieht diesen Schritt mit sehr gemischten Gefühlen. Natürlich freut sie sich, wie ihre gesamte Truppe wieder ins Schloss zurückkehren zu können, ohne jedes Mal lästige, aber notwendige Hygieneformalitäten erledigen zu müssen. Aber es gibt noch einige mehr oder weniger große Fragezeichen.

Stammpublikum erstaunlich spendabel

Durch die pandemiebedingten Lockdowns erst mit der völligen Einstellung des Spielbetriebs und dann einer Wiederaufnahme und schwierigen, restriktiven Bedingungen ist die Maßbacher Truppe, abgesehen von ein paar blauen Flecken, recht gut durchgekommen. Alle Zuschussmöglichkeiten konnten genutzt werden, und auch das Stammpublikum zeigte sich erfreulich spendabel, unter anderem durch Verzicht auf Abo-Rückzahlungen oder direkte Spenden. Aber auch die Besucherzahlen in der vergangenen Spielzeit brachen nicht so stark ein wie befürchtet: 61 Vorstellungen gab es in der Lauertalhalle, die mit ihren 400 möglichen Plätzen genau die Platzzahl des Intimen Theaters bot. 3820 Zuschauer kamen, was einer Auslastung von 73 Prozent entspricht. 2018/19, in der letzten Spielzeit vor Corona, waren es 6053 Zuschauer in 79 Aufführungen und damit eine Auslastung von 89 Prozent. Anne Maar: "Viele haben sich halt nicht ins Theater getraut und sind lieber zu Hause geblieben." Auch die Freilichtbühne musste mit 70 Prozent Abstriche machen.

Vereinsfeste als Konkurrenz

Zwei Gründe waren entscheidend: Die Konkurrenz der (nachgeholten) Vereinsfeste in der Umgebung machte sich bemerkbar. Wenn sich die Leute ein Stück aussuchen, dann nehmen sie, vor allem in Zeiten wie diesen, lieber ein möglichst lustiges. Und "Cyrano in Chicago" war trotz vieler positiver Rückmeldungen, zu ernsthaft. Den Zug zur Heiterkeit dokumentiert auch die Publikumsumfrage, die zurzeit noch im Internet läuft. Bei allen üblichen Widersprüchlichkeiten kristallisiert sich heraus, dass die Leute vor allem auf der Freilichtbühne, das Heitere suchen. Die Botschaft ist bei den Programmplanern angekommen.

Aber echte Sorgen macht natürlich die finanzielle Situation, nicht nur wegen steigender Betriebs- und Materialkosten. Denn sämtliche Förderungen aus öffentlichen Mitteln und Stiftungen laufen natürlich aus. Zurzeit haben die Maßbacher noch einige Reserven. Aber im kommenden Jahr müssen sie jeden Cent zweimal umdrehen, so Anne Maar: "Wir können ja nicht nur Drei-Personen-Stücke spielen." Was die Maßbacher auch trifft, ist die gesetzliche Erhöhung der Mindestgagen. Sie sind zu einer Mehrzahlung zwar nicht verpflichtet, weil sie als Privattheater nicht tarifgebunden sind, aber sie können sich dem auch nicht entziehen.

Schimmelbildung im Fundus

Und dann wurde zu allem Überfluss im Fundus des Theaters eine Schimmelbildung und Ablagerung auf den 25.000 Kostümen und Requisiten festgestellt. Der Raum wurde zunächst gesperrt und darf im Moment nur mit FFP2-Masken betreten werden. Das Absaugen und Reinigen des Raumes und aller Teile und die Anschaffung eines Luftentfeuchtungssystems kosten 40.000 Euro. Deshalb soll in absehbarer Zeit ein Spendenaufruf veröffentlicht werden.

Aber es gibt natürlich auch gute Nachrichten. So kann zum Beispiel das Projekt "Theater-Lkw" dank der Zuwendungen der Raupach-Stiftung, des Bezirkes Unterfranken und der Leader-Förderung verwirklicht werden. Der Lkw hat in seinem Laderaum eine kleine Bühne mit einiger technischer Ausstattung und Sitzplätze für 20 bis 30 Kinder. Das "mobile Theater" wird zunächst Kindergarten und Grundschulen ansteuern, denn immer mehr Gruppen können sich die Busfahrt zum Theater nicht mehr leisten. Und es erweitert die Möglichkeiten der beiden Theaterpädagogen Dorothee Höhn und Uwe Gröschel erheblich.

Das Gastspielspektrum konnte erweitert werden. Neue Orte im Reiseplan sind Gerlingen, Bad Homburg, Winnenden und Siegen. Allerdings fallen auch zwei Spielstätten weg: In Ebern ließ sich kein Ersatz für due FT-Halle finden. Und in Mellrichstadt scheint man Theater nicht mehr zu brauchen.

Personeller Zuwachs

Auch personell gibt es Zuwachs: Tobias Wollschläger und Anna Katharina Fleck konnten jeweils für drei Produktionen gewonnen werden. Und das Team der Regieführenden konnte aus der Schauspielertruppe des Hauses erweitert werden mit Katja Ladynskaya und Jens Eulenberger. Und Susanne Pfeiffer ist unter die Theaterautoren gegangen. Sie wird ihre Fassung von Kleists Novelle "Michael Kohlhas" auch selbst inszenieren.

Jetzt kann Anne Maar im Moment nur warten, dass die Besucher auch wiederkommen: "Die Menschen haben sich daran gewöhnt, zu Hause zu bleiben und nicht ins Theater gehen zu müssen." Bei der Nachfrage nach Abos ist in den letzten Tagen ein bisschen Schwung nach oben entstanden. Aber es gibt natürlich immer noch Skeptische, die lieber noch etwas warten. Aber für das Theater ist es wichtig, das Publikum zurückzuholen, denn von den Einnahmen lebt es. Und Abonnements sind nun mal eine zuverlässige und kalkulierbare Einnahmequelle. Wie auch die Freilichtbühne. Da können die Leute künftig wirklich beruhigt kommen: Es soll heiter werden.

Der Spielplan 2022/2023

"Der Vorname"

Komödie von Matthieu Delaporte

und Alexandre de la Patellière

30. September bis 13. November 2022

Inszenierung: Rolf Heiermann

"Elling"

Schauspiel von Axel Hellstenius

18. November 2022 bis 8. Januar 2023

Inszenierung: Stella Seefried

"Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel"

Stück für junges Publikum ab 6 Jahren von Cornelia Funke

25. November bis 18. Dezember 2022

Inszenierung: Christian Schidlowsky

"Michael Kohlhaas"

Klassiker nach der Novelle von Heinrich von Kleist

20. Januar bis 5. März 2023

Text & Inszenierung: Susanne Pfeiffer

"4min 12sek"

Stück von James Fritz

10. März bis 23. April 2023,

Inszenierung: Ingo Pfeiffer

"Bromance"

Theaterstück für Jugendliche ab 12 Jahren von Joachim Robbrecht

21. April bis 26. Mai 2023

Inszenierung: Katja Ladynskaya

"Trennung frei Haus"

Komödie von Tristan Petitgirard

Intimes Theater &Freilichtbühne

28. April bis 21. Mai 2023

Inszenierung: Jens Eulenberger

"Emmas Glück"

Heiteres Stück nach dem Roman von Claudia Schreiber

Freilichtbühne

16. Juni bis 23. Juli 2023

Inszenierung: Augustinus von Loë

"An der Arche um acht"

Theaterstück für Kinder ab 6 Jahren von Ulrich Hub

Freilichtbühne

30. Juni bis 1. August 2023

Inszenierung: Daniela Scheuren

"Die Perle Anna"

Komödie von Marc Camoletti

Freilichtbühne

29. Juli bis 2. September 2023

Inszenierung: Ingo Pfeiffer