Mit dem Namen des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss (1949 bis 1959 im Amt) können viele Besucher der Kirchenruine auf dem Michelsberg vermutlich nur noch wenig anfangen. Geblieben von ihm ist unter anderem der "Tag des Baumes", der auf seine Mit-Initiative hin seit 1952 jedes Jahr gefeiert wird (siehe Info-Kasten). Der Landkreis Bad Kissingen beteiligt sich seit Jahren mit wechselnden Aktionen daran. Diesmal wurden auf dem Michelsberg neben der Ruine zwei Walnussbäume gepflanzt, die die beiden stark geschädigten Eschen aus dem Jahr 1900 ersetzen sollen.

Geschenke für die Kleinsten

"Dieser Michelsberg ist ein wirklich schönes Plätzchen, da ist sicher unter der Woche kaum jemand, sowas gibt es bei uns in der Großstadt nirgendwo" meinte Brigitte Wolny aus Köln, die zur Zeit Urlaub in der Umgebung macht und eher zufällig dabei war. Auch einige andere Besucher waren sehr angetan von der Feier und von der Örtlichkeit. Alle Kinder, die auf den Michelsberg gekommen waren, bekamen als Geschenk ein Töpfchen mit einer Frühlings-Anemone zum Einpflanzen daheim geschenkt. "Ich hab schon einen Platz dafür hinterm Haus in meinem Beet", freute sich die siebenjährige Mia.
Der ehemalige Kreisheimatpfleger Bertram Becker ging auf die Geschichte des Michelsberges und der Kirchenruine ein. Er erzählte, dass im Jahr 1900 ein neues Kreuz aufgestellt wurde und seinerzeit vier Eschen gepflanzt wurden. Zwei von ihnen mussten wieder entfernt werden, da sie zu nahe an der Ruine waren und ihre Wurzeln die Mauern beschädigten. Die beiden anderen stehen noch und sollen so lange wie möglich erhalten bleiben.
"Pflanzen und Bäume spielen von Anfang an in der Schöpfung eine wesentliche Rolle", sagte Stadtpfarrer Markus Reis OSA. Sein Gebet lautete: "Segne die Leute, die im Schatten dieser Bäume Schutz suchen". Die Buben und Mädchen des Kindergartens aus Reichenbach erzählten mit ihrem Tanz "Die kleine Walnuss" die Geschichte von der Nuss, die einfach nicht vom Baum fallen wollte, bis sie dann der Wind doch herunter blies. Später sangen sie auch noch das Liedchen "In der kleinen Walnuss". Ihnen war besonders viel Applaus sicher.

Lebensraum und Baustoff

Der Münnerstädter Bürgermeister Helmut Blank betonte, es sei ihm ein wichtiges Anliegen dass der städtische Wald gerade auch in der Bevölkerung den Stellenwert einnehme, den er verdiene. "Wenn ich heute Naturschutz sage, so meine ich selbstverständlich im wesentlichen den Fortbestand, den Erhalt und die Verbesserung unserer Wälder", sagt er. Bäume seien wesentlich mehr als nur Schattenspender, sie dienten auch als Sauerstoff-Lieferanten, als Filter für Staub und Schadstoffe aus der Luft, zur Kühlung, seien Bienenweide und Nahrungslieferant für Vögel und andere Tiere. Schließlich dienten sie als Feuerholz und kein Dachstuhl komme ohne Holz aus.

Wichtig für Erholung und Klima

Landrat Thomas Bold wies unter anderem darauf hin, dass der Bezirk Unterfranken zur Gestaltung des Platzes beigetragen habe. Bold rechnete vor, dass 48 Prozent (53 000 Hektar) der Landkreis-Fläche von Wald bedeckt sind. Alleine Münnerstadt hat 900 Hektar Wald. Der Wald werde als Naherholungsgebiet und im Zeichen des Klimawandels immer wichtiger. Die Zukunft der alten beiden Eschen vor der Kirchenruine sei ungewiss, deshalb habe sich der Landkreis entschlossen, zwei Walnussbäume zu spenden, die sich an diesem trockenen Standort gut entwickeln könnten.
Mit Bürgermeister Helmut Blank und Irmgard Heinrich, der Kreisvorsitzenden der 53 Gartenbauvereine im Landkreis mit über 5000 Mitgliedern, pflanzte er anschließend, assistiert von einigen Kindern, die Bäume, die von den Gartenbauvereinen Burghausen und Reichenbach gepflegt werden. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Trachtenkapelle Burghausen unter Leitung von Mario Schmitt.

Ursprung Der internationale Tag des Baumes geht auf den amerikanischen Journalisten Julius Sterling Morton zurück. 1872 beantragte er bei der Regierung von Nebraska (USA) die Arbor Day-Resolution, die binnen 20 Jahren in allen Bundesstaaten der USA angenommen wurde. Ursprünglich am 10. April werden seither Bäume gepflanzt.

Deutschland Der Tag des Baumes wurde 1951 von den Vereinten Nationen beschlossen. Der deutsche "Tag des Baumes" wurde erstmals am 25. April 1952 begangen. Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Minister Robert Lehr, pflanzten im Bonner Hofgarten einen Ahorn.

Bedeutung Der Tag des Baumes wird jedes Jahr im April mit Feierstunden begangen und soll die Bedeutung des Waldes für den Menschen und die Wirtschaft im Bewusstsein halten. In Deutschland wirbt der Naturschutzbund Deutschland am Tag des Waldes für seine Aktion "Wald-Pate", um Urwälder in Deutschland zu schützen.
Quelle: Wikipedia