Aus aktuellem Anlass können die Sitzungen des Gemeinderates Thundorf nicht im Rathaussaal stattfinden. Es ist nicht möglich, den derzeit vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Teilnehmern einzuhalten. Deshalb fanden die Sitzungen anfangs in der Festhalle und neuerdings in der Schulturnhalle Rothhausen statt. Diese Zeit wird genutzt, das Rathaus, vor allem den 1. Stock, einer Generalsanierung zu unterziehen. Der Sitzungssaal wird vergrößert, indem die Wand zum ehemaligen Bürgermeisterzimmer eingerissen wird. Diese Arbeiten sind derzeit in vollem Gange.

Das heutige Rathaus in Thundorf wurde 1848 als zweigeschossiges Gebäude auf Kosten der Regierung von Bayern als evangelisches Pfarrhaus erbaut. Vorangegangen war ein langjähriges Hickhack mit den Behörden. Doch nachdem ein Neubau genehmigt worden war, wurde ein vorhandenes Gebäude abgerissen und das neue Haus bis 1848 soweit fertig, dass es im August bezogen werden konnte. Nach Überlieferungen betrugen die Neubaukosten 14.000 Gulden. Errichtet wurde das Gebäude von Baumeister Reinhart von Lebenhan.

Bis 1972 stand das Haus als Pfarrstelle den evangelisch-lutherischen Pfarrern als Wohnung und Pfarramt zur Verfügung. Nach der Auflösung diente das Haus weitere fünf Jahre lang als Mietshaus, bis es 1979 die politische Gemeinde Thundorf unter Bürgermeister Felix Braun vom Freistaat Bayern erwarb. Nach umfangreichen Umbauten im Innern wurde es am 25. November 1979 als Rathaus der Gemeine Thundorf eingeweiht.

Als sich abzeichnete, dass die Thundorfer evangelisch-lutherische Pfarrei mit dem Wegzug vom letzten Pfarrer Radau im November 1972 nicht mehr besetzt wurde, fand Bürgemeister Felix Braun, dass es sich bestens als Rathaus eigenen würde und fuhr zur Bezirksfinanzdirektion nach Würzburg, wo er Dr. Helmut Göbig, der zuvor in Bad Kissingen Kurdirektor gewesen ist, sein Anliegen vortrug. Der war nicht abgeneigt, das Haus ohne große Ausschreibung zum günstigen Preis zu verkaufen. Der Thundorfer Gemeinderat war auch schnell überzeugt.

So kam es nach fairen Verhandlungen mit dem Freistaat und der evangelischen Kirchengemeinde schließlich zum Kauf. Der Kaufpreis betrug 80.000 D-Mark, die Kosten für den Umbau weitere 73.974 D-Mark. Jetzt, nach 42 Jahren, steht wieder einmal eine Sanierung an verbunden mit der Hoffnung, dass die neuen Räume bald genutzt werden können.