Die riesige Photovoltaikanlage westlich der Autobahn auf der Gemarkung von Poppenlauer ist seit Ende August fertig. Projektentwickler war die Firma Neue Energien Franken in Kulmbach, errichtet wurde sie von dem Hamburger Unternehmen Enerparc AG. Die 80 000 Solarmodule sind installiert, und die Anlage könnte nun bald Strom liefern. Doch noch fehlt die Zuleitung zum Einspeisepunkt, und die Trassenführung ist bisher nicht geregelt. Die Leitung soll zum größeren Teil auf Rannunger Gemarkung laufen. Dort ist man nicht hundertprozentig erfreut, wie sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates zeigte.


Anlage 25 Hektar groß

Die Planungszeit der 25 Hektar großen Anlage betrug bis zur Errichtung nur sechs Monate. Angesichts der großen Zahl neuer Anlagen waren die Regelungen für die Stromabnahme Ende August verschlechtert worden. Schon als die Anträge im Marktgemeinderat behandelt worden waren, hatte das Unternehmen mehrfach auf den hohen Zeitdruck aufmerksam gemacht. Alles hat tatsächlich geklappt: "Ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Markt Maßbach, dem Landratsamt und den beteiligten Behörden und Stellen, wäre dieses Tempo nicht umsetzbar gewesen", sagt Geschäftsführer Manuel Zeller Bosse (Neue Energien Franken).
Als Projektentwickler sei das Unternehmen für die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Maßbacher Bürgermeister Matthias Klement, dem Marktgemeinderat und den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft und des Landratsamtes sehr dankbar. Der Bürgermeister freut sich über die Anlage. Sie sei ein wichtiger Schritt für die Energiewende des Marktes Maßbach. Rein finanziell habe die Gemeinde nicht viele Vorteile, da sie hier kaum Grundstücke besitze. Etwas Geld gebe es für die Kabeltrasse, "und irgendwann mal auch etwas Gewerbesteuer".
Die Anlage wird von Enerparc betrieben. Ein Verkauf oder eine Beteiligung sei nicht geplant, hieß es. Der Rückbau in frühestens 20 Jahren sei durch Bürgschaften gesichert. Baubeginn war der 20. Juli. Innerhalb von nur 40 Tagen wurden insgesamt 20 MWp Leistung (Megawatt Peak, eine Maßeinheit für die mögliche Spitzenleistung) in Betrieb genommen.
Die Photovoltaikanlage soll jährlich rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Rechnerisch wird so (bei einem angenommenen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr) der Bedarf von 5000 Haushalten erzeugt. Rund 80 000 Solarmodule wurden entlang der Autobahn installiert, investiert wurden etwa 20 Millionen Euro.
Pächter und Grundstückseigentümer würden für entgangene Ernteerträge entschädigt. So werde der Wegfall von Ackerland kompensiert, damit sei kein Landwirt durch die Anlage wirtschaftlich schlechtergestellt. Neue Energien Franken plant, so Manuel Zeller Bosse, weitere Photovoltaikanlagen entlang der A71, zum Beispiel in Münnerstadt und Poppenhausen. Die Anlagen sollen innerhalb der nächsten 12 bis 15 Monate errichtet werden. Die Grundstücksverhandlungen seien weitgehend positiv abgeschlossen.


Eigenes Umspannwerk

"Netzanschluss und Stromeinspeisung der Anlage in Poppenlauer erfolgt voraussichtlich im ersten Quartal 2016", teilte Manuel Zeller Bosse noch mit. In Nüdlingen werde ein eigenes Umspannwerk für die Anlage zur Einspeisung in eine vorhandene 110 Kilovolt-Leitung errichtet. "Grundsätzlich wäre eine Trasse durch den Staatswald denkbar. Da enerparc die regionale Wertschöpfung stärken möchte, werden jedoch Kommunen und lokale Privateigentümer bei der Trassenführung bevorzugt, damit die Pacht in den Landkreis Bad Kissingen fließt und nicht nach München. "Der endgültige Trassen-Verlauf ist derzeit noch nicht endgültig festgelegt", sagte der enerparc-Geschäftsführer.
In der jüngsten Sitzung des Rannunger Gemeinderates stand dieses Thema einmal mehr auf der Tagesordnung. Dazu waren extra der Syndikus der enerparc AG, Dr. Peters und Projektentwickler Arne Radl angereist. "Der Gemeinderat kann die Leitung an sich nicht verhindern, aber es geht um die Führung der Trasse. Wir müssen eine Lösung finden, mit der wir alle leben können", sagte Bürgermeister Fridolin Zehner (CSU/FW).
Die Enerparc AG legte einen Plan für die Leitungsführung vor und wollte eigentlich schon in dieser Sitzung "grünes Licht" bekommen, um weiter zu planen, doch der Plan fiel nicht zur Zufriedenheit aller Gemeinderäte aus. "Die Poppenläurer haben die Photovoltaikanlage genehmigt und gewollt. Legt das Kabel dahin zu denen, die es wollen, nahe an der Autobahn", meinte einer der Gemeinderäte. "Wir wollten die Photovoltaikanlage nicht, wir haben große Bedenken wie bei den Windrädern. Was hat die Gemeinde denn davon? Eine Einmalzahlung von ein paar Tausend Euro. Sucht Alternativen auf der Gemarkung, die die Photovoltaikanlage hat", forderte Gemeinderat Harald Klopf (Rannunger Bürgerliste) und fügte an: "Ich bin zum Wohl der Gemeinde gewählt und nicht zum Wohl der Firma enerparc und der Energiewende." Bürgermeister Fridolin Zehner erinnerte: "Wir gehen mit den Leitungen unserer Anlage auch über Nachbargemeinden. Da gab es keine Probleme, also sollten wir auch keine machen."
Schließlich einigte sich der Gemeinderat dann doch darauf, dass die Firma auf der Grundlage des vorgelegten Plans nochmals einen neuen, geänderten Plan vorlegt. Auch die Entschädigung für die Gemeinde und für auftretende Schäden soll besser geregelt werden. Sieben Gemeinderäte stimmten zu, fünf waren dagegen.