Höchst zufrieden blickte Bürgermeister Fridolin Zehner in die Runde und kommentierte: "Der Saal ist voll, offenbar ist das Interesse auch der jüngere Leute an der Bürgerversammlung sehr groß". Etwa 150 der 1150 Bürger mit Hauptwohnsitz waren zur Bürgerversammlung in die Mehrzweckhalle gekommen.
Zehner begann mit dem Abwasserproblem. Es gebe eine "Schocknachricht, "die ich euch heute sagen muss", kündigte er an. Die Abwassergebühr soll ab 1. Januar nächsten Jahres von 2,46 Euro auf vier Euro erhöht werden. Rannungen ist seit einiger Zeit an die Kläranlage Geldersheim angeschlossen. Dort kommen etwa 150 000 Kubikmeter Abwasser aus der Gemeinde an, bisher war man von 90 000 Kubikmeter ausgegangen, die aus Rannungen abfließen. Dazu kommt, dass die US-Armee, die bisher ihr Abwasser auch in Geldersheim klären ließ, abgezogen ist. Deshalb fehlen eine Million Kubikmeter Abwasser pro Jahr und die Kläranlage verarbeitet nur noch drei Millionen Kubikmeter. Die Fixkosten allerdings bleiben. Der Lichtblick, so Bürgermeister Zehner: "Auch die Asylanten, die in die Kasernen einziehen, verbrauchen Abwasser". Wo der Unterschied zwischen dem in Rannungen abfließenden und dem in Geldersheim ankommenden Abwasser herkommt, ist bisher rätselhaft.


Neue Berechnungen

Im Frühjahr soll eine komplette Kanalüberprüfung mit Videokameras durchgeführt werden. Damit die Gebührenerhöhung nicht ganz so hoch ausfällt, soll der Straßenentwässerungsanteil von acht auf 12 Prozent erhöht werden. Das reduziert die Abwassergebühr um 7000 bis 8000 Euro, die dann aus der Gemeindekasse aufzubringen sind. In Zukunft soll die Gebühr nicht mehr nur nach dem Frischwasserverbrauch berechnet werden. Nun soll auch die versiegelte Fläche eines Grundstücks mit einbezogen werden. Mehr Versiegelung bedeutet höhere Abwassergebühr. Dazu soll es noch eine eigene Bürgerversammlung geben.


Wasserturm soll bleiben

Auch auf die Wasserversorgung ging der Bürgermeister ein. Die Kosten für die Sanierung der Brunnen I und II sind unter dem Ansatz geblieben. Der Wasserturm soll als Behälter mit einem Fassungsvermögen von 150 Kubikmetern bleiben. Im Brunnen II wurden geringe Rückstände eines Pflanzenschutzmittels gefunden, das seit vielen Jahren nicht mehr verwendet wird. Vermutet wird, dass das Pflanzenschutzmittel durch eine Putzaktion oder durch die Trockenheit in den Brunnen geraten ist. Obwohl die Menge weit unterhalb eines gefährlichen Grenzwertes liege, sei der Brunnen zurzeit abgeschaltet, so Fridolin Zehner.
Das Gelände zwischen der alten Schule, dem Rathaus und dem Kirchhof soll als Dorfmittelpunkt ausgebaut werden. Das Amt für ländliche Entwicklung in Würzburg, das über die Förderung entscheidet, legt Wert darauf, dass das ganze Areal überplant wird. Ob gefördert wird, richtet sich nach einem Punktesystem. Von der Diözese liegt eine mündliche Zusage vor, dass sie sich entsprechend der Fläche, die auf den Kirchhof fällt, beteiligen will.


Bauplätze nicht zu haben

Ein wichtiger Punkt ist die Innenentwicklung. Zwischen 2001 und 2015 hat die Bevölkerungszahl jedes Jahr um sechs Einwohner abgenommen und liegt zurzeit bei 1150 (Erstwohnsitz). Bürgermeister Zehner gab die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Umfrage bekannt: Zwar gibt es im Ort 50 private Plätze, auf denen gebaut oder die an Bauinteressenten abgegeben werden könnten, aber kaum ein Eigentümer ist zum Verkauf bereit. "Es gibt auch Verkaufswillige, die verlangen einfach unrealistische Preise.


Brandschutz ist teuer

Zum Thema "Sanierung der Mehrzweckhalle" teilte der Bürgermeister mit, dass ein Architekt beauftragt wurde, ein Konzept zu erarbeiten. Wenn die Halle in Zukunft eine reine Sporthalle sein solle, dann seien weniger Auflagen und damit weniger Kosten nötig. Eine Sanierung als Mehrzweckhalle erfordere höhere Investitionen, insbesondere in den Brandschutz und sei deshalb teurer. Die vorhandene Mehrzweckhalle sei auch das einzige Gebäude, in dem die Gemeinde Asylanten unterbringen könne. Doch das Thema stelle sich zurzeit nicht, da es genügend private Angebote gebe.