Der Blick ruht auf Münnerstadt. Nachdem die anderen betroffenen Nachbargemeinden im Landkreis Rhön-Grabfeld abgesagt oder gar nicht geantwortet haben, ist Münnerstadt die letzte Kommune, auf deren Gebiet Windräder im Vorbehaltsgebiet WK 28 (Rödemaier Heide) errichtet werden könnten. Das hat die Firma Altus AG in Zusammenarbeit mit der Energiegenossenschaft Münnerstadt auch vor. Bis zu vier Windräder könnten im äußersten nordöstlichen Zipfel Münnerstadts im Staatswald entstehen. Die negativen Auswirkungen hätten ausschließlich die Nachbargemeinden, hauptsächlich Rheinfeldshof.

Schon einmal ein Thema

Der Stadtrat hatte sich bereits 2018 mit dem Thema befasst, erinnerte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) bei der jüngsten Sitzung. Eine Entscheidung hatte das Gremium damals davon abhängig gemacht, was die Nachbarn im Landkreis Rhön-Grabfeld dazu sagen. Dort werde das Projekt nicht weiter verfolgt, so dass nun nur noch das Münnerstädter Gebiet übrig geblieben ist. Die Münnerstädter Energiegenossen sein bereits bei ihm vorstellig gewesen, so der Bürgermeister.

Er betonte aber, dass die Stadt die Stelle eines Klimamanagers ausgeschrieben hat und er sei sehr zuversichtlich, dass sie gut besetzt wird. "Wir werden heute keine Entscheidung treffen", schickte er voraus. Demzufolge seien die Sorgen mancher Nachbarn unbegründet. "Wir müssen uns aber mit dem Thema befassen", so der Bürgermeister. Denn es müsse geklärt werden, in welcher Form sich die Stadt an der Energiewende beteiligen will.

Thorsten Wehner und Oliver Brand stellten dann die Altus AG mit Sitz in Karlsruhe und das Projekt vor. Während teils Ablehnung aus den Nachbargemeinden kam, habe Rödelmaier zunächst durchaus Interesse gezeigt, aber bis heute gebe es keinen Gemeinderatsbeschluss, sagte Oliver Brand. "Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung."

245,5 Meter hoch

Möglich auf dem verbliebenen Münnerstädter Gebiet wären bis zu vier Windräder, die eine Nabenhöhe von 163 Meter haben und einen Rotordurchmesser von 164 Meter, was einer Gesamthöhe von 245,5 Meter entspricht. Nach der 10-h-Regelung müsste die Entfernung zum nächsten Ort rund 2,5 Kilometer betragen, in diesem Korridor liegen Rödelmaier und besonders nah Rheinfeldshof. Die Zahl der Windräder könnte sich in der Planungsphase noch reduzieren, sagte Oliver Brand. Die Altus AG würde einen Vertrag mit den Bayerischen Staatsforsten abschließen, aber das sei immer nur dann möglich, wenn die Gemeinde zustimmt, in diesem Fall also die Stadt Münnerstadt. Es habe auch schon Gespräche mit der Energiegenossenschaft Münnerstadt über Beteiligungsmöglichkeiten gegeben.

Die Firma braucht nun einen Stadtratsbeschluss mit den Ausnahmen von der 10-h-Regelung, dann müsste das Areal im Flächennutzungsplan als Sondergebiet für Windkraftanlagen eingetragen werden.

Das Gebiet sei im Regionalplan Main/Rhön für Windkraftanlagen vorgesehen, erinnerte der Bürgermeister. Wenn man über die 10-h-Regelung rede, dann rede man über Dörfer im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Rege Diskussion

Die Diskussion eröffnete Adrian Bier (PARTEI), der wissen wollte, ob es bereits ornithologische Untersuchungen in dem Gebiet gibt. Das sei noch nicht der Fall, bekam er zur Antwort. Arno Schlembach (CSU) konnte sich erinnern, dass das Thema schon einmal in der vorletzten Wahlperiode auf dem Tisch lag und dass damals abgewartet werden sollte, was die anderen Gemeinden sagen. Leo Pfennig (Freie Wähler) bat in diesem Zusammenhang die Verwaltung aufzulisten, welche Gewerbesteuereinnahmen die Stadt durch die Windräder hat. Bei dem neuen Projekt müsste man sich mit den Nachbargemeinden abstimmen. "Wir sind ja auch in einer Allianz", sagte der Bürgermeister dazu.

Er halte es für richtig, jetzt keine Entscheidung zu treffen, meinte Johannes Wolf (Grüne). Aber man sollte jetzt ein positives Signal senden, man sollte diese Chance wahrnehmen. "Dieses Thema hat viele Facetten" sagte Michael Kastl nach weiteren Wortmeldungen. Alle hätten das Bedürfnis an der Energiewende beteiligt zu sein. "Wir müssen wissen, was wollen wir." Klaus Schebler (Neue Wege) erinnerte an die vielen bereits bestehenden Windräder in Münnerstadt, unter anderem bei Windheim. "Früher hat niemand über eine 10-h-Regelung geredet." Aber die Nachbargemeinden seien bei dem neuen Projekt betroffen und er tue sich schwer, Entscheidungen zu treffen, die die Nachbarn verärgern.