Es war eine bittere Kröte, die die Mitglieder der Bau-und Umweltausschusses vor ziemlich genau einem Jahr schlucken mussten. Sie erteilten dem geplanten Umbau des früheren Jugendhauses am Dicken Turm zum betreuten Wohnen durch die Carl-von-Heß-Sozialstiftung das gemeindliche Einvernehmen, obwohl damit auch der Abriss des Nordflügels, der so genannten Arche mit einhergeht. Architekt Stefan Buttler hatte deutlich gemacht, dass die Arche mit ihren vier verschiedenen Ebenen zwar ideal für Jugendliche ist, für betreutes Wohnen, das ja eine gewisse Barrierefreiheit voraussetzt, ist sie aber völlig ungeeignet. Nicht zuletzt weil die alte Steinmauer, auf die die Arche aufgesetzt ist, erhalten und sogar erweitert werden sollte, stimmten die Kommunalpolitiker zu. Jetzt werden sich die Stadträte mit einem neuen Aspekt befassen. Die Carl-von-Heß-Sozialstiftung hat einen Bauantrag über den Neubau eines Praxis-und Wohngebäudes vorgelegt. Also soll nach dem Abriss der Arche an gleicher Stelle ein Neubau entstehen.

Saal bleibt erhalten

Die Arche ist auf keinen Fall behindertengerecht, bestätigt Marco Schäfer, Vorstand der Carl-von-Heß-Sozialstiftung auf Anfrage noch einmal. Daran hat sich nichts geändert, weswegen ja auch der Abriss und der Bau von Parkplätzen vorgesehen war. Allerdings haben die Stiftung in der Zwischenzeit mehrere Anfragen von Arztpraxen erreicht, die gerne in das Jugendhaus mit einziehen würden, sagt Marco Schäfer. Im eigentlichen Jugendhaus aber geht das nicht. Dort sind in den oberen Geschossen Wohnungen vorgesehen, der große Saal im Erdgeschoss soll erhalten bleiben. "Vor allem für die Bewohner, aber auch für andere Veranstaltungen", meint der Vorstand.

Ein Veranstaltungsraum wird auch dringend gebraucht. Früher hat der teilbare Raum im Haus St Michael (Kloster) völlig ausgereicht. Während die Bewohnerinnen und Bewohner in einer Hälfte ihre Mahlzeiten zu sich nehmen konnten, waren zeitgleich Veranstaltungen in der anderen Hälfte möglich. Durch die bereits erfolgte Erweiterung wird nun der gesamte Saal für die Mahlzeiten gebraucht, einen Veranstaltungsraum gibt es eigentlich nicht mehr. Deshalb wird jetzt der Fokus auf den Saal im früheren Jugendhaus gelegt.

Noch sei aber nicht alles in trockenen Tüchern. Denn ein Vertrag zwischen der Stiftung und einer Arztpraxis ist noch nicht unterzeichnet, sagt Marco Schäfer. Alles was mit Bauen zu tun habe, sei momentan sehr schwierig, weil die Kosten explodieren. "Ich hoffe sehr, dass wir da zu einem Ergebnis kommen." Seine Zuversicht zeigt sich auch darin, dass der Bauantrag bereits gestellt wurde und am Montag, 1. August dem Münnerstädter Stadtrat vorliegt. Die Baugenehmigung für das Projekt liegt noch nicht vor. Wenn die Zusage von der Arztpraxis kommt, soll diese im Erdgeschoss des neuen Nordflügels entstehen. Im Obergeschoss sind sechs weitere kleine Wohnungen für Alleinstehende vorgesehen, die vom Haupthaus her zugänglich sind. "Im ehemaligen Jugendhaus wird ein komplett neuer Aufzug eingebaut", so Schäfer. Den sollen auch die Mieter der Wohnungen im Nordflügel nutzen können.

Inzwischen ist das Jugendhaus leer geräumt worden, wenn die Baugenehmigung vorliegt, wird mit dem Umbau begonnen. Wenn die etwa 20 Wohnungen im Haupthaus fertig sind, werden dort vorübergehend die Bewohnerinnen und Bewohner des Juliusspital-Altbaus untergebracht, damit das historische Gebäude saniert und damit den heutigen Anforderungen angepasst werden kann. Ist der Altbau fertig, kehren die Heiminsassen zurück und ins Jugendhaus ziehen die Mieter des betreuten Wohnens ein.

Ein breites Angebot

In dem früheren Klosterkomplex wird es am Ende neben den Wohnungen zwei Arztpraxen, Tagespflege, Fußpflege und einen ambulanten Dienst geben, gleich daneben befinden sich das Juliusspital und das Seniorenzentrum St. Elisabeth. Damit seien die älteren Leute sehr gut versorgt, meint Marco Schäfer. Es sei schon sehr attraktiv, wenn die Arztpraxis im eigenen Haus untergebracht ist.