Mit einem ganzen Themenkomplex um Grünanlagen und Klimaschutz hat sich der Münnerstädter Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Dabei sorgte Stefan Richter für einen ersten Paukenschlag. Er will die Grünflächen der Stadt katalogisieren und je nach ihrer Einstufung unterschiedlich intensiv pflegen lassen. Im Idealfall, so sagte er während der Diskussion, können die Bürger anhand einer Liste ablesen, wann der Bautrupp zu ihnen kommt, ähnlich wie bei der Abholung der Gelben Säcke.

Stefan Richter habe sich Gedanken darüber gemacht mit einem Blick von außen, sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Er werde nun seine Ideen vortragen, inwieweit sie sich umsetzen lassen, müsse man diskutieren.

Das Thema Grünflächen stehe symptomatisch und repräsentativ für die Besonderheit der Stadt, die die Eingemeindung von zehn Orten bei der Gebietsreform als ständige bzw. immer wiederkehrende Herausforderung hat, sagte Stefan Richter. "Die Grünflächen können Münnerstadt trennen oder verbinden!" Mit seinem Konzeptentwurf solle erst einmal nur versucht werden, eine realisierbare und akzeptable, nachhaltige Unterhaltung der Grünflächen aufzuzeigen und daraus eine ausführliche Planung vorzubereiten. Dabei kam ihm unter anderem die Idee, den zehn Ortsteilen jeweils eine höchst repräsentative Grünfläche in und um die Altstadt herum exklusiv zur eigenen Darstellung zu übergeben, die sie individuell gestalten können und mit einer jeweiligen (Info)Tafel zum Ortsteil ausgestattet wird.

Sehr detailliert zeigte Stefan Richter auf, dass die vielen Grünflächen eine uneingeschränkte und vollständige Pflege gar nicht zulassen. Es gebe aber die Erwartungshaltung, dass der Bauhof sich um alles kümmert, und das wird häufig sofort eingefordert. Entscheidungen im Bereich der Grünflächenentwicklung würden von den Münnerstädtern sehr sensibel wahrgenommen. Planungsvorschriften, fehlende Kommunikation und unterschiedliche Ansprüche in Konzepte zu integrieren, stelle dabei eine große Herausforderung dar. Viele Münnerstadt wollen bei der Grünentwicklung beteiligt werden, so der Klimaschutzmanager.

Im Moment seien die Verantwortung und Kompetenzen für das Stadtgrün auf wenige Köpfe verteilt. "Im Interesse einer effektiven und und hohen Qualität der Planung, Entwicklung und Pflege sollte dies geöffnet und mit der Kompetenz der Bürger zusammengeführt werden." Stefan Richter sprach von einem "hybriden" Grünflächenamt aus Stadtverwaltung und engagierten Bürgern. Das wäre innovativ und ein erster Schritt für den großen Gesamtansatz von Beteiligungen und bürgerschaftlichem Engagement.

Fundament eines Grünflächenmanagements sei eine Bestandsaufnahme des öffentlichen Grüns im gesamten Stadtgebiet, also allen städtischen Grüns auf insgesamt 93 Quadratkilometern. Dazu zählen Spielplätze, Friedhöfe, Biotopflächen, Wald und vieles mehr. Zur Organisation der entsprechenden Betreuung der Grünflächen werden zunächst passende Kategorien definiert. Als Kriterien dienen die Lage, die Häufigkeit und Art der Nutzung sowie der Repräsentationswert der jeweiligen Flächen.

In der Kategorie A (höchste Priorität) sieht der Vorhaben im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) und des Gemeindeentwicklungskonzeptes (GEK) sowie die neuen Flächen der Stadtteile in der Kernstadt. In der nächsten Kategorie wären unter anderem Spielplätze,der Altstadtbereich, Bahnhof, also Flächen mit hohem Repräsentationswert. Flächen der nächsten Kategorie haben einen normalen Repräsentationswert usw. Für jede Kategorie müssen dann die konkreten Leistungen bestimmt werden. Dazu hatte der Klimaschutzmanager eine Tabelle erarbeitet.

Sein Fazit: "Die erfolgreiche Umsetzung eines Grünflächengesamtkonzeptes für Münnerstadt kann nur gelingen, wenn die Herausforderungen und Interessenskonflikte in dieser Stadt klar erkannt, beschrieben und berücksichtigt werden sowie der zentralen Aspekte/Fundamente der Kommunikation und Bürgerbeteiligung durch die Stadtverwaltung Münnerstadt angenommen und nachhaltig umgesetzt werden." Die Grünflächen seien ein essenzieller Bestandteil, der die Stadt so liebens- und lebenswert mache.

Den Bestand zu erfassen und Kategorien zuzuordnen, fand Leo Pfennig (Freie Wähler) eine sehr gute Idee. "Ich glaube, dass so etwas funktioniert, das trifft den Zeitgeist", meinte auch der Bürgermeister. Er sprach von einer Vorbildfunktion. Die Bürgerschaft werde ja ohnehin im Rahmen von ISEK und GEK beteiligt. Während der sehr angeregten Diskussion wurde klar, dass bei der künftigen Bepflanzung auf Stauden gesetzt wird.

Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag Richters zu den Grünanlagen in der Kernstadt, die von den Stadtteilen gestaltet werden, bei Manuela Fleischmann (CSU) "Es ist gefährlich, so etwas loszulassen", sagte sie. Stefan Richter entgegnete aber, dass es darum ginge, Münnerstadt zusammenzufügen. Man solle in der Kernstadt sehen, wer noch dazugehört. Klaus Schebler (Neue Wege) hatte da auch einen Vorschlag. Man könnte doch in jedem Stadtteil einen Baum der Sorte "Mürschter Apfel" pflanzen. "Ich kann es mir auch nur schwer vorstellen, bin aber für die Idee dankbar, meinte der Bürgermeister zu den Grünanlagen in der Kernstadt, die von den Stadtteilen gepflegt werden. Er selbst hätte sich nicht getraut, diesen Vorschlag zu unterbreiten. Man einigte sich aber darauf, dass es darum geht, in der Kernstadt auf die Stadtteile zu verweisen.

Während der sehr ausgiebigen Diskussion kam Rosina Eckert (Forum Aktiv) auf die Gruppe Münnerstädter zu sprechen, die den Abbau der "Steingärten" unter anderem am Oberen Tor gefordert hatten. Sie müsse jetzt mal ganz brutal fragen, ob das so bleibt, bis das ISEK abgeschlossen ist. Da könne er auch brutal im Gegenzug sein, meinte der Bürgermeister. Denn die Stadt gebe viel Geld für das Konzept aus. Da könne man auch noch ein bisschen warten. Am Ende der Vorstellung gab es einen kräftigen Applaus für Stefan Richter, vor allem auch von der Gruppe, die den Abbau der Steingärten gefordert hatte.