Gut gekühlt war der Kloster Urstoff auf jeden Fall, den Florian Beudert und Daniel Müller - fotogen positioniert unter dem Globus - am Nordkap abgelichtet haben. Denn in Norwegen ist es mittlerweile schon knackig kalt und sehr winterlich. Die Kälte, aber auch Corona, haben die zwei Münnerstädter nicht abgeschreckt, die weite Fahrt in den hohen Norden auf sich zu nehmen. Die Flasche Klosterbier hatten sich beide für diesen markanten Punkt aufgehoben.

Corona hat in diesem Jahr viele Urlaubspläne zunichte gemacht. Keine fernen Ziele, keine Exotik unter Palmen. Auch Florian Beudert und Daniel Müller mussten ihren Traum einer einjährigen Reise um die Welt begraben. Weil aber die Arbeitgeber bereits die Auszeit abgesegnet hatten, machten sich beide dennoch in einer abgespeckten Version auf den Weg. "Wir probieren es mal", sagten sie sich. Nicht jedoch die Welt war das Ziel, sondern erst einmal Nordeuropa. Denn dort waren die Grenzen offen, als die beiden Münnerstädter ihre Tour Anfang Oktober begannen.

Die beiden sind unterwegs in einem selbst umgebauten Sprinter. Dort schlafen sie, dort kochen sie und dort verbringen sie die vielen Stunden der Dunkelheit, die sich in dieser Jahreszeit über Norwegen legt. "Wir spielen viel Schach", sagt Florian Beudert.

Einsamkeit in der Natur

Ihr mobiles Heim macht sie beweglich. Das ist wichtig in dieser Zeit. Sie können auf neue Corona-Beschränkungen oder -Lockerungen reagieren und sind nur selten auf Ferienunterkünfte angewiesen. Ein Ferienhaus hatten sie bisher zweimal gebucht, einmal war es nötig, um die fünftägige Quarantäne einzuhalten, die gefordert war, als sie aus Schweden eingereist waren.

Die Pandemie selbst bekommen sie in Norwegen aktuell weniger zu spüren, als das in Deutschland der Fall wäre. In den ersten Wochen sahen sie kaum Menschen mit Masken in den Orten und Städten, durch die sie kamen. Das ändere sich aber langsam, sagt Daniel Müller. Restaurants sind geöffnet, allerdings kürzer als normal.

Faszination Nordlicht

Aber Lokale in Norwegen besuchen die beiden ohnehin so gut wie nie. Die muss man sich leisten können. Was sie genießen, ist die Natur. "Berge, Wald", das ist mein Ding, sagt Florian Beudert beim Telefongespräch mit dieser Zeitung. Draußen sind sie in dieser Jahreszeit meistens unter sich. Auch bei ihren mehrtägigen Hüttenwanderungen, die sie in den norwegischen Nationalparks unternommen haben, trafen sie meist keine Menschenseele. Es sind Selbstversorgerhütten, die Wanderern Unterschlupf und Feuerholz bieten. Alles andere muss mitgebracht werden. Die Einsamkeit mag wohl auch an der fortgeschrittenen Jahreszeit liegen. Es wird schon empfindlich kalt. Die niedrigste Temperatur lag zwischenzeitlich bei minus 18 Grad. "Aber die Schlafsäcke sind warm", versichern beide. Dafür ist die Natur gewaltig; aber am meisten beeindrucken zur Zeit die Nordlichter, findet der 25-jährige Beudert. Die gab es bereits öfter zu sehen und jedes Mal sind die Münnerstädter aufs Neue fasziniert.

Die Münnerstädter waren jedoch auch dort alleine, wo sich normalerweise zahlreiche Touristen tummeln. Das Nordkap, der fast nördlichste Punkt Europas und ihrer Reise, gehörte ihnen alleine. "So was gibt es normalerweise nicht", erklärt Florian Beudert und empfand das als ziemliches Privileg.

Warten auf Finnland

Langsam, finden die Globetrotter, wäre es nun an der Zeit, die Reise fortzusetzen. Doch das erweist sich aktuell als nicht ganz einfach. Vor wenigen Tagen starteten die beiden jungen Männer einen Versuch nach Finnland auszureisen. An der Grenze wurden sie zurückgeschickt. Finnland lässt noch keine Reisenden ins Land. Jetzt hoffen Florian Beudert und Daniel Müller auf den 13. Dezember. Da könnte es eine Lockerung geben. Weihnachten würden sie gerne irgendwo in Finnland auf einer Skihütte verbringen. Snowboards haben sie im Stauraum ihres Sprinters dabei.

Solange heißt es abwarten und Schach spielen. Denn die Mitwinternacht grenzt die Freizeitmöglichkeiten stark ein. Wanderungen müssen genau geplant sein, um nicht in die Dunkelheit zu geraten, erklären sie.

Jetzt hoffen sie erst einmal, dass es mit Finnland klappt. Von dort wollen sie wieder südwärts fahren - sofern Corona es zulässt. Die Pandemie ist , ob die Münnerstädter wollen oder nicht, der tägliche Reisebegleiter, auch wenn sie Menschen eigentlich nur bei ihren kurzen Einkäufen begegnen. Die Covid-Einschränkungen bestimmen den Rhythmus und Verlauf der Reise ein ganzes Stück weit. Täglich wird gecheckt, was möglich ist oder nicht. Die wirkliche Leichtigkeit des Reisens gibt es heuer nicht. Das nehmen sie aber in Kauf.

Zeit haben die beiden Münnerstädter noch bis März. Wo es sie noch überall hin verschlägt, können sie momentan nicht abschätzen. Gerne in die baltischen Länder und von dort weiter, vielleicht sogar noch bis nach Griechenland. Wenn die Länder offen sind, sind auch sie offen für alles.