Das war es für die "Arche". Der Jugendtreff der Marianischen Congregation (MC) in den 1960er Jahren, der später in das Jugendhaus am Dicken Turm integriert wurde, wird abgerissen. Die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung wird das seit Jahren leer stehende Jugendhaus zum betreuten Wohnen umbauen. Obwohl die Stiftung intensiv nach einer Nutzung für die "Arche" gesucht hat, wurde keine gefunden, sagte Architekt Stefan Buttler vor Ort. Schließlich erteilten alle Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen. Wichtig dabei: Die Mauer, auf die die Arche aufgesetzt wurde, bleibt erhalten und soll sogar wieder verlängert werden.

Weil ohnehin zu Beginn der Bauausschuss-Sitzung ein Besichtigungstermin in der Mehrzweckhalle anstand, hatte Rosina Eckert (Forum Aktiv) kurzfristig darum gebeten, dass auch die Arche in Augenschein genommen wird. Architekt Stefan Buttler kam ebenfalls ganz kurzfristig hinzu, um mögliche Fragen zu beantworten.

Das ehemalige Jugendhaus soll kernsaniert und künftig dem Betreuten Wohnen Haus St. Michael angegliedert werden. Im Erdgeschoss bleibt der große Saal erhalten, das Treppenhaus ebenfalls. Im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen jeweils sieben Wohnungen, im Dachgeschoss noch einmal sechs. Geplant ist, die vorhandenen zwölf Dachgauben durch 15 etwas größere zu ersetzen. Außerdem erhalten das erste und zweite Obergeschoss Balkonanlagen im Innenhof (Westseite).

Da wäre eben noch der Abriss des Nordflügels, der "Arche". Rosina Eckert konnte den Unterlagen nicht entnehmen, ob die Mauer, auf die das Gebäude aufgesetzt wurde, erhalten bleibt. Das bejahte Stefan Buttler vor Ort ganz klar. Und nicht nur das. Bei dem letzten Umbau war ein Stück Mauer unmittelbar neben der Arche weggenommen worden. Die soll später teilweise wiedererrichtet werden, sagte der Architekt. "Die Steine sind noch da."

Dann kam er zum Gebäude selbst: Die "Arche" hat vier verschiedene Ebenen, ist also alles andere als barrierefrei. Für Jugendliche sei das Haus ideal, meinte er, aber eben nicht für Senioren. Die Verantwortlichen hätten es sich wirklich nicht leicht gemacht, seien alle Möglichkeiten durchgegangen, sogar als Sitz der Stiftungsverwaltung kam das Gebäude in Betracht. Martin Pfeuffer, stellvertretender Vorstand der Carl-von-Heß'schen Sozialstifung, sei ja ein Mürschter und habe alles versucht, betonte Stefan Buttler. Letztendlich sei aber keine Nutzung gefunden worden und das bedeutet: Abriss.

Weil die Treppe in der "Arche" noch mindestens zwei Jahre gebraucht wird , bleibt sie erhalten, wird eingehaust und mit einem Flachdach versehen. Wenn die Arbeiten im früheren Jugendhaus einen gewissen Punkt erreicht haben, werden sie gestoppt. Für etwa zwei Jahre ziehen dann die Bewohner des Juliusspital-Altbaus ein. In dieser Zeit wird das Stammhaus saniert. Wenn das erledigt ist, ziehen die Altenheimbewohner wieder zurück in den Altbau und der Umbau des ehemaligen Jugendhauses zum betreuten Wohnen wird vollendet.

Es könne durchaus sein, dass die Stiftung in fünf bis zehn Jahren das Gebäude erweitert, also dort einen Anbau errichtet, wo heute die "Arche" steht, sagte Stefan Buttler. Derzeit sei das aber kein Thema, weil die Stiftung gehalten sei, mit ihrem Geld zu haushalten. Jetzt steht erst einmal das ehemalige Jugendhaus an.

Es gib dabei aber noch ein paar Probleme: Unter anderem für die Balkone und die Gauben benötigt das Bauvorhaben Befreiungen von der Gestaltungssatzung (Altstadtsatzung). Deshalb hat die Stadtverwaltung die Sanierungsbeauftragten Schlicht Lamprecht Architekten um Stellungnahme gebeten. Bezüglich der Gauben und der Balkone könne eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden, bezüglich des Flachdachs am Anbau nicht, heißt es darin.

Bürgermeister Michael Kastl (CSU) erinnerte daran, dass der Bauausschuss mehrfach sein Einvernehmen bei Ausnahmen von der Gestaltungssatzung erteilt hat, wenn also beispielsweise bei Nachkriegsbauten Kunststoff- statt der geforderten Holzfenster eingebaut werden sollten. Er könne sich die Ausnahmen auch beim früheren Jugendhaus gut vorstellen. Nur sei es leider so, dass die Ausnahmen mehrfach von den Denkmalbehörden nicht mitgetragen wurden. "Ich wünsche mir da eine flexiblere Handhabung", sagt er. In der Regel wird es so gehandhabt: Wenn die Sanierungsbeauftragten Ausnahmen für zulässig halten, folgt dem auch der Bauausschuss. Das Flachdach wird allerdings für unzulässig erachtet. Hier hatte Stefan Buttler einen Kompromissvorschlag. Man sollte sich darüber noch einmal unterhalten, wenn die "Arche" abgerissen ist.

"Ich fand es super, dass wir eine Ortseinsicht hatten", sagte Britta Bildhauer (SPD) bei der Sitzung danach. Es sei ein Riesen-Projekt und sie habe nun verstanden, dass die "Arche" nicht erhalten werden könne. "Einen Tod müssen wir sterben", sagte sie.

Sie sei ja wie er im Beirat der Carl-von-Heß'schen Sozialstifung, sagte Michael Kastl dazu. Beide wüssten, wie viele Ideen gewälzt wurden, um die "Arche" zu erhalten. Vergebens. Dass die Bewohner des Juliusspitals während der Altbau-Sanierung ins Jugendhaus ziehen können, sei ideal. So bleibe auch das Personal vor Ort.

Sie sei bei der Ortseinsicht sehr erfreut gewesen, dass die Mauer erhalten bleibt und sogar erweitert wird, sagte Rosina Eckert dazu. Sie wollte nur noch wissen, wie man das Flachdach des Anbaus formell in den Beschluss einbringen kann. Die Verwaltung fand einen Weg. Das wird nach dem Abriss geregelt. In allen anderen Punkten sprach das Gremium dem Vorhaben einschließlich der Ausnahmen von der Gestaltungssatzung das Einvernehmen aus.