Die Entscheidung fiel am 13. März, es war ein Freitag. "Für das Wochenende war schönes Wetter vorausgesagt", erinnert sich Ursula Boehm, Stiftungsratspräsidentin des Tierheims Wannigsmühle und Vorsitzende des Kreistierschutzvereins Bad Kissingen. An so einem Wochenende kommen gerne einmal 50 bis 60 Tierfreunde, die mit den Hunden Gassi gehen wollen. Da kann es schon passieren, dass alle Hunde unterwegs sind und die Besucher sich ein wenig gedulden müssen. Eigentlich ein idealer Zustand, über den sich Ursula Boehm auch sehr freut. Nicht aber am 13. März, als schon absehbar war, wie hoch das Ansteckungsrisiko bei Corona ist. Also hat sie die Reißleine gezogen und das Tierheim ab 14. März dicht gemacht.

Dass es die richtige Entscheidung war, hat Ursula Boehm ein paar Tage später erfahren. Ein Tierheim in einer großen fränkischen Stadt hat das nämlich nicht getan. "Die sind von Besuchern überschwemmt worden." Da hatten nämlich schon die Kindergärten und Schulen geschlossen und die Leute viel Zeit. "Da sieht man mal wieder, wie unvernünftig die Leute sind."

Die frühe Schließung der Wannigsmühle hatte vor allem einen Grund: der Schutz der Mitarbeiter. "Wir haben keine Reservetruppe, unsere Personaldecke ist äußerst dünn gestrickt", betont die Tierheimleiterin mit Blick auf das hohe Infektionsrisiko bei Besucherverkehr. Und dann stelle sich die Frage, wer die Hunde, Katzen und Kleintiere versorgt. "Vor allem die Hunde, die nicht so einfach zu handhaben sind."

So ganz ohne Probleme lief die Schließung aber auch in der Wannigsmühle nicht ab. Vor allem an den ersten Tagen stand das Telefon nicht still. Aber es gibt keine Besuche, kein Spazierengehen mit den Hunden. Selbst auf die drei Stamm-Gassigeher muss das Tierheim verzichten. Aber deshalb müssen die Vierbeiner nicht den ganzen Tag im Zwinger verbringen. "Unser Personal ist mit vollem Einsatz dabei", betont Ursula Boehm. Jeder Hunde darf mindestens einmal am Tag raus. Der fehlende Publikumsverkehr schafft auch ein wenig Freiraum, die die Angestellten nutzen, um mit den Hunden rauszugehen.

Eine Vermittlung von Tieren ist derzeit nicht möglich, Fundtiere werden aufgenommen. Spürbar nachgelassen haben bereits die Futterspenden. Ursula Boehm bittet um vorherige Terminvereinbarung. Das Futter muss dann am Tor abgestellt werden. Momentan ist die Situation nicht tragisch, was gut ist, weil die Preise bereits anziehen, wie die Leiterin sagt. Die Garage ist noch gut gefüllt mit Paletten. "Das stammt teilweise noch von der Tierbescherung", sagt die Tierheimleiterin. Der wirtschaftliche Aufschwung in den letzten Jahren hat sich bemerkbar gemacht. Wenn es den Menschen gut geht, fällt auch immer etwas für die Tiere ab.

Bei dem Thema blickt Ursula Boehm sorgenvoll in die Zukunft. Denn die zu erwartende Rezension wird sich auf die Spendenbereitschaft auswirken. Und dabei sind im Tierheim dringend notwendige Investitionen geplant. Sie spürt das bereits. Denn nach dem 15. eines jeden Monats, wenn viele Menschen ihr Gehalt überwiesen bekommen, trudeln auch oft Spenden ein. Nach dem 15. März war das eher weniger der Fall. Die Krise treffe nicht nur den Kleinhandel und mittelständische Unternehmen, sagt sie. "Wir sind genauso betroffen."

Dabei steht das Tierheim bald wieder vor einer großen Herausforderung: die alljährlich im Frühjahr einsetzende Katzenschwemme. "Wir haben ganz begrenzte Kapazitäten." Immer wieder erreichen sie Anrufe, bei denen sie nur den Kopf schütteln kann. "Wir gehören nicht zum Krisenstab der Bayerischen Staatsregierung, wir sind selbst betroffen." Und wenn jemand sein Tier jetzt vorübergehend in der integrierten Tierpension unterbringen will, dann koste das auch was, wie sonst auch.

Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Corona auch von Tieren übertragen werden kann, oder die Tiere selbst erkranken könnten. "Wir halten uns da an das Robert-Koch-Institut." Und demnach gebe es weder eine Übertragung, noch eine Erkrankung der Tiere. Allerdings gab es schon Einzelfälle, bei denen Tierhalter versucht haben, Corona als Abgabegrund zu nutzen. "Das war aber ein vorgeschobener Grund", sagt Ursula Boehm, die bei gezielter Nachfrage gemerkt hat, dass der Abgabewunsch andere Ursachen hat.

Die Tierheimleiterin, ihre Mitarbeiter, die 32 Hunde, rund 70 vermittelbare Katzen (etwa 50 leben dort, können nicht vermittelt werden) und die 18 Kleintiere versuchen in der Wannigsmühle die Krise so gut wie möglich zu überstehen. "Wir hoffen sehr, dass sich die Lage bald wieder entspannt." Bis dahin bittet sie die Menschen, sich an seriöse Informationsquellen zu halten.