Es war der erste Kurs bei ihrem Bachelor-Studium European Public Health in den Niederlanden. Da ging es um Infektionskrankheiten, hauptsächlich um Tuberkulose. "Das hat mich so fasziniert, dass ich in Zukunft in der Infektionsforschung arbeiten wollte", sagt Saskia Glasauer. Sie hatte sich quasi infiziert. Und sie ist ihren Weg gegangen. Dem Bachelor folgte der Master in Epidemiologie und jetzt schreibt sie an ihrer Doktorarbeit. Dabei wirkt die 25-Jährige auch an einer Studie zur Corona-Pandemie mit. "Unsere Forschung zielt auf den milden Verlauf", sagt sie.

Saskia Glasauer ist in Münnerstadt aufgewachsen, hat das Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium besucht. Ihre Bachelorarbeit hat sie nach dem dreijährigen Studium in Holland bei der Europäischen Kommission geschrieben. Dann hat es sie an die Ludwig-Maximilian-Universität nach München gezogen, wo sie ein Masterstudium der Epidemiologie aufgenommen hat. "Epidemiologie bezieht sich nicht nur auf Infektionskrankheiten", sagt sie. Chronische Krankheiten und Krebsforschung gehören ebenso dazu. In München aber konnte sie sich auf Infektionsepidemiologie konzentrieren, deshalb ist sie in die Landeshauptstadt gegangen. Besonders spannend war für sie am Ende ihrer Studienzeit ein viermonatiges Praktikum am Robert-Koch-Institut, dem ein weiteres Praktikum folgte, in dem sie ihre Masterarbeit geschrieben hat.

Inzwischen promoviert sie an der medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). "Das war Zufall, passt aber perfekt." In ihrer Doktorarbeit wird sie sich mit Infektionskrankheiten befassen, hauptsächlich mit Antibiotikaresistenzen. Aber auch - ganz aktuell - mit Corona.

Saskia Glasauer erinnert an den Ausbruch von SARS im Jahr 2003. Da habe man gesehen, wie sich ein Virus durch unsere globalisierte Welt relativ schnell weltweit verbreiten kann. Auch damals brach die Krankheit in China aus und war ganz schnell in anderen Ländern. "Aber die Krankheit verbreitete bei weitem nicht so wie jetzt." Ganz persönlich findet sie deshalb die verhängten Einschränkungen als absolut richtig. "Die Maßnahmen dienten nur dazu, um Zeit zu gewinnen, damit wir nicht in so eine Situation wie in Italien und Spanien kommen", sagt sie. Dort gab es innerhalb von kurzer Zeit eine große Anzahl an Patienten, eben auch mit schwerem Verlauf, und es waren nicht genügend Behandlungskapazitäten vorhanden. "Wir sind in Deutschland bisher sehr, sehr gut weggekommen."

Und das soll auch so bleiben. So schnell werde es aber keinen Impfstoff geben, ist Saskia Glasauer überzeugt. Zu allen Viren, die in der Grippesaison zirkulieren, habe es bereits Forschungen gegeben. "Aber SARS-CoV-2 ist komplett anders, hat mit den anderen gar nichts zu tun." Deshalb müsse auch die Forschung neu ansetzen.

Da gebe es viele Bereiche. "Unsere Forschung zielt auf die milden Verläufe, für welche die Patienten nicht unbedingt den Arzt aufsuchen", sagt sie. Menschen mit einem schweren Verlauf werden in Krankenhäusern behandelt, deshalb wisse man recht viel darüber. Um aber ein allgemeines Bild von der Erkrankung zu bekommen, müsse man sich auch mit den milden Verläufen beschäftigen. "Es geht darum, ein Frühwarnsystem zu entwickeln, wenn sich bestimmte Symptome in einer Region häufen."

War die Studie zunächst auf Halle beschränkt, so ist sie inzwischen auch auf andere Städte ausgeweitet worden. "Jeder kann teilnehmen", erläutert Saskia Glasauer. Interessenten müssen eine Art Tagebuch führen, werden täglich gefragt, ob sie Symptome haben. "Wenn nicht, ist die Sache schon für den Tag erledigt." Weist ein Teilnehmer aber doch Symptome auf, folgen weitere Fragen. Über 900 Menschen nehmen schon an der Studie teil (www.medizin.uni-halle.de/covidsurv) .

So soll versucht werden, die Krankheit besser zu verstehen und frühzeitig zu erkennen, wenn sich die Zahlen erneut häufen. Durch die Lockerungen bei den Beschränkungen sei es durchaus möglich, dass sich die Krankheit wieder mehr verbreite.

Saskia Glasauer wird weiter an der Studie arbeiten und möchte noch ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln. Auf alle Fälle will sie weiterhin im Bereich der Infektionskrankheiten tätig sein. Langfristig gesehen wäre es ihr Wunsch, an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik zu arbeiten. Die Zeit im Robert-Koch-Institut beispielsweise hat ihr sehr gut gefallen.