Hunde müssen an die Leine! So war es bisher innerhalb von Ortschaften der Stadt Münnerstadt. Doch die abgelaufene Hundeverordnung aus dem Jahr 2001 war fehlerhaft. Denn eine Anleinpflicht kann nur für große Hunde und Kampfhunde angeordnet werden. "Eine allgemeine Anleinpflicht auch für kleine Hunde, wie sie in der bisherigen Hundehaltungsverordnung festgelegt war, ist rechtlich nicht möglich", so Marina Morber, die Leiterin des Bürgerservice, die auch für das Ordnungswesen der Stadt zuständig ist.

Und damit nicht genug: Der räumliche und zeitliche Gestaltungsbereich einer solchen Verordnung muss auf die örtlichen Verhältnisse abgestimmt und genau definiert werden, wobei auch dem Bewegungsbedürfnis der Hunde ausreichend Rechnung zu tragen ist. Im Klartext: Die Stadt kann auch nicht für große Hunde eine generelle Leinenpflicht für das gesamte Stadtgebiet erlassen, sondern beispielsweise lediglich für die innerörtlichen Bereiche. Allgemein gilt in Deutschland eine Leinenpflicht für Fußgängerzonen, Haupteinkaufsbereiche, öffentliche Parks, Spielplätze und auf allen Straßen und Plätzen mit hohem Publikumsverkehr.

Es geht auch ohneManche Gemeinden wie beispielsweise Bad Neustadt verzichten komplett auf eine Hundeverordnung. Dort beruft man sich auf die Straßenverkehrsordnung, wonach Hunde so geführt werden müssen, dass sie den Verkehr nicht beeinträchtigen oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden. "Wir hatten bisher eine Verordnung und ich möchte auch gerne wieder eine haben", sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) dazu. Die soll sich an der Mustersatzung des bayerischen Gemeindetages orientieren.

"Was nicht mit drin ist, ist eine mögliche Lösung für unser Hundekotproblem - das Hauptthema in unserem Stadtgebiet", nahm der Bürgermeister schon mal das Problem vorweg. Denn wenn man Bußgeldbescheide erteilen will, müsste man auch kontrollieren, dass der Hundekot beseitigt wird. Das werde die Aufgabe der Verwaltung und aller Bürger sein. Die Münnerstädter sollten Hundehalter ruhig ansprechen, die die Haufen einfach liegen lassen.

Wenn die Stadt eine neue Verordnung bekommt, dann müsse sie auch umgesetzt werden, meinte Leo Pfennig (Freie Wähler), der diesbezüglich an die Verwaltung appellierte. Er wollte aber gerne wissen, was die Ortssprecher dazu sagen. Der Windheimer Klaus Schebler (Neue Wege) will keine Unterschiede zwischen Stadt und Stadtteilen machen. Er sprach sich allerdings für eine generelle Leinenpflicht in den Orten aus. "Ich habe die Befürchtung, dass aonst alle kleinen Hunde frei herumlaufen." Leinenpflicht bei kleinen Hunden könne nur im Einzelfall verhängt werden, sagte Marina Morber dazu. Beispielsweise, wenn ein Hund auffällig geworden ist.

Der Großwenkheimer Arno Schlembach (CSU) möchte ebenfalls eine Satzung für das gesamte Stadtgebiet. Allerdings: "Ob ein Hund Dreck macht, hat nicht unbedingt etwas mit Leinenzwang zu tun. Da sind die Hundehalter verantwortlich", betonte er.

"Ich wäre für eine Leinenpflicht für alle Hunde", betonte Britta Bildhauer (SPD). Es gebe schon Ärger mit den Hinterlassenschaften, ein Leinenzwang nach Größe sorge für noch mehr Chaos. Und wenn die Leute nicht wissen, was gilt, dann lassen sie ihre Hunde rennen, ist sie überzeugt. "Ich verstehe das Anliegen von Frau Bildhauer, aber die gesetzliche Grundlage gibt es nicht her", sagte Leo Pfennig dazu.

Seit Corona habe die Zahl der Hunde zugenommen, der Trend gehe zum Viert- und Fünfthund, stellte Johannes Wolf (Grüne) fest. Auch er ist für eine grundsätzliche Leinenpflicht, die sich aber rechtlich wohl nicht durchsetzen lasse. Auf Nachfrage von Michael Kastl bestätigte Marina Morber die Zunahme von Hunden im Stadtgebiet. Sie wird nun die genaue Zahl ermitteln.

Offene Fragen abklärenWeil keine absolute Eile geboten sei, schlug Michael Kastl bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vor, offene Fragen noch einmal abzuklären und gegebenenfalls in die Musterverordnung mit aufzunehmen. Es könnten aber nur Dinge aufgenommen werden, die auch durchsetzbar sind.

Wenn eine generelle Leinenpflicht nicht möglich sei, dann könne man sie auch nicht in die Verordnung aufnehmen, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Der Stadtrat wird sich demnächst mit dem Thema befassen und eine neue Hundeverordnung beschließen.