"Die Lage in Windheim hat sich in keiner Weise entspannt, sondern eher noch verschärft." Mit diesen Worten verweist Windheims Ortsreferent Klaus Schebler (Neue Wege) auf die nach Ansicht der Windheimer problematische Verkehrssituation in der der Durchfahrtsstraße. Vor beinahe zwei Jahren hatte Klaus Schebler vier Anträge der Bürger zum Verkehr an den damaligen Bürgermeister Helmut Blank (CSU) weitergeleitet. Der habe ihm zugesichert, dass das Thema in den Stadtrat kommt, sagte Klaus Schebler in der jüngsten Ratssitzung. "Das ist bis heute nicht geschehen." Bürgermeister Michael Kastl meinte, dass die Überwachung des fließenden Verkehrs in einer der nächsten Stadtratssitzungen behandelt wird.

"Mir wurde aber immer wieder gesagt, dass die Verwaltung dabei ist, verschiedene Möglichkeiten für Geschwindigkeitsmessungen zu eruieren, was ich ihr auch glaube", so Klaus Schebler gegenüber unserer Zeitung. "Nachdem ein Artikel über Überwachung des ruhenden Verkehrs in der Presse war, ist die Windheimer Bevölkerung maßlos enttäuscht, weil bis heute keine Entscheidung über die Überwachung des fließenden Verkehrs getroffen wurde." Immer wieder habe der frühere Bürgermeister gesagt, dass die Bewohner anderer Stadtteile und der Kernstadt ebenfalls verstärkte Geschwindigkeitsmessungen fordern. "Es geht hier nicht um Abzocke der Bürger, sondern vielmehr um deren Sicherheit", betont Klaus Schebler. "Ich hoffe jetzt, dass Herr Bürgermeister Kastl den Antrag noch vor der Sommerpause in das Gremium bringt".

Bei einer Ortsversammlung vor zwei Jahren hatten die Anwesenden einen vier Punkte umfassenden Antrag beschlossen. "Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, hatten die Initiatoren Unterschriften im Ort gesammelt. Den Antrag mit 79 Unterschriften gab der Ortsreferent dann im Rathaus ab.

Die Windheimer wollen eine bauliche Straßenverengung am Ortseingang von Reichenbach kommend, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu reduzieren. Außerdem müsse dort ein sogenannter Geschwindigkeitstrichter vor Ortschaft aufgestellt werden, so dass Fahrzeuge gezwungen werden, die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer zu reduzieren. Im dritten Antrag wird der Bürgermeister gebeten, bei der Polizei zu veranlassen, mehr Radarkontrollen in diesem Bereich durchzuführen. Schließlich wird beantragt, die Stadt Münnerstadt solle Geschwindigkeitskontrollen von anderen Anbietern durchführen lassen, wie es in Nachbargemeinden bereits getan werde.

Die Überwachung des fließenden Verkehrs wird Thema bei einer der nächsten Stadtratssitzung sein. Es sei ja auch schon gestreift worden, als es um die Überwachung des ruhenden Verkehrs ging, sagt Michael Kastl. Er rät dringend davon ab, die Überwachung des fließenden Verkehrs einem Verein zu überlassen. Dann müsste nämlich die Stadt die Bußgelder einfordern und auch bei Straftatbeständen tätig werden.

Die Windheimer hatten ihren Antrag vor zwei Jahren so begründet: Es handele sich um eine abschüssige Straße, die von Autofahrern recht spät einsehbar sei. Aber gerade in diesem Bereich sei eine große Frequentierung durch Spaziergänger und Wanderer zu verzeichnen. "Noch wichtiger ist aber, dass sich dort in unmittelbarer Nähe auch die Schul- und Kindergartenbushaltestellen befinden." Mittlerweile habe der Verkehr in diesem Bereich sehr zugenommen, diese Straße werde unter anderem auch als Verbindung zur Autobahnauffahrt durch die Nachbargemeinden benutzt. Es falle immer öfter auf, dass gerade auch Schulbusse weder die Rechts-vor-links-Regelung beachten, noch die vorgegebene Geschwindigkeit auch nur annähernd einhalten. "Gerade was die Schülertransporte anbelangt, möchten wir darum bitten, dies der Polizei zu melden, damit sie die Busse kontrolliert", schreiben die Unterzeichner.

Ein Unfallschwerpunkt ist die Ortseinfahrt von Windheim nicht. "Die kenne ich alle im Landkreis", sagt Florian Heuring, zuständig für den Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Es sei richtig, dass an den Ortseingängen zu schnell gefahren werde, aber das sei ein generelles Problem. Viele Verkehrsteilnehmer fahren direkt an der Ortseingängen zu schnell, bremsen danach aber ab, so seine Erfahrung. Es sei auch oft ein Problem der Wahrnehmung. Ein hohes Verkehrsaufkommen verstärke den Eindruck, dass zu schnell gefahren wird, und ein Kleinwagen werde natürlich auch ganz anders wahrgenommen als ein 40-Tonner. In den letzten zwei Jahren hat die Polizei dort keine Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Bei der Bewertung solcher Probleme wie in Windheim greift die Polizei gerne auf die Daten zurück, die die Kommunen mit ihren Geschwindigkeitsmessgeräten erheben.

Und tatsächlich hat eines der Geräte der Stadt Münnerstadt für mehrere Wochen an der Ortseinfahrt von Windheim gestanden. "Die Nachbarn haben natürlich gesehen, was sie angezeigt haben", sagt Klaus Schebler. Mit 70 und sogar 80 Stundenkilometer seien manche Autofahrer in den Ort gerast. Er hofft, dass die Auswertung der Daten genauere Erkenntnisse bringt. Nach seiner Meinung wären eine bauliche Veränderung am Ortseingang und ein Geschwindigkeitstrichter (Herabsetzung der Geschwindigkeit vor dem Ortsschild) die besten Lösungen.

"Wir haben die Daten gerade ausgewertet", sagt Bürgermeister Michael Kastl dazu. "Ein Großteil der Autofahrer ist tatsächlich zu schnell unterwegs", sagt er. Deshalb werde sich die Stadt mit der Polizei in Verbindung setzen, um zu besprechen, wie das Problem aus der Welt geschafft werden kann. Solche Messgeräte messen nicht nur die Geschwindigkeit, sie zählen auch die Fahrzeuge. Nach einem ersten Überschlag dürfte deren Anzahl bei etwa 300 pro Tag liegen.

Warum sein Vorgänger den Antrag der Windheimer nicht behandelt hat, weiß Michael Kastl nicht. Er wird das Thema demnächst in den Stadtrat bringen. Die Überwachung des fließenden Verkehrs wird generell für das Stadtgebiet behandelt, die anderen drei Punkte des Antrags gesondert.