Münnerstadt
Großübung

Horrorszenario für die Einsatzkräfte

Feuerwehren und Rettungsdienste eilten zu einem angenommenen Unfall mit 17 Leicht- und Schwerverletzten. Simuliert worden ist ein Unglück auf der Autobahn.
Die Übung an der Straße zum ehemaligen Munitionslager der Bundeswehr im Bereich des "Langen Schiffs" in Münnerstadt hatte einige Herausforderungen sowohl für die Feuerwehrleute als auch die Rettungskräfte des BRK. Foto: Hanns Friedrich
Die Übung an der Straße zum ehemaligen Munitionslager der Bundeswehr im Bereich des "Langen Schiffs" in Münnerstadt hatte einige Herausforderungen sowohl für die Feuerwehrleute als auch die Rettungskräfte des BRK. Foto: Hanns Friedrich
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Wer am Samstagnachmittag im "langen Schiff" bei Münnerstadt unterwegs war, mag Schlimmes befürchtet haben. Da fuhren Rettungsfahrzeuge des BRK, Feuerwehrautos, Polizei, und auf der einen Straßenseite war ein großes weißes Zelt als Behandlungsplatz aufgebaut. Man sah Feuerwehrleute, die auf Tragen "Verletzte" zu den Autos brachten oder die mit einem geländegängigen Fahrzeug, dem ARGO, gefahren wurden. Alles zum Glück nur eine Großübung von Feuerwehr und Rettungsdienst. Angenommen wurde ein Unfall auf der Autobahn A 71, bei dem ein Bus gegen die Leitplanke gefahren war. Das hatte zur Folge, dass vier weitere Autos in ihn hinein fuhren. Das führte zu insgesamt 17 Leicht- und Schwerverletzten.

Unfall auf der A 71 simulieren

Kreisbrandmeister Alexander Frey, Kommandant der Feuerwehr Nüdlingen, hatte die Übung ausgearbeitet. Ihm ging es bei dem Szenario darum, einen Unfall auf der A 71 zu simulieren. Dabei sollten die Patienten von der Unfallstelle über den Außenbereich, also neben der Leitplanke und den Betonabsperrungen, abtransportiert werden. Dies konnte in dem Gelände zur Zufahrt des ehemaligen Munitionslagers der Bundeswehr gut nachgestellt werden, da hier die Straße zwischen zwei Mauern verläuft Somit wurden die Patienten über Leitern nach oben gehoben und von dort zu den Rettungsfahrzeugen getragen. Wichtig war es dem Kreisbrandmeister, die beengten Verhältnisse einer Autobahn deutlich zu machen. Das war dann auch der Grund, warum die Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes nicht direkt an die Unfallstelle fahren konnten. Das bedeutete für die Feuerwehrleute, dass sie die "Verletzten" auf der Trage von der Unfallstelle zu den mehr als einen Kilometer entfernten Rettungswagen tragen mussten. Eine recht anstrengende Aufgabe bei schwierigen Witterungsbedingungen.

Im Einsatz waren rund 120 Feuerwehrleute aus Münnerstadt, Oerlenbach, Nüdlingen, Reichenbach und Haard. Hinzu kam die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung. Angefordert wurde für den Patiententransport zusätzlich der ARGO, das geländegängige Fahrzeug der Schnelleinsatzgruppe Gelände, Infrastruktur, Logistik, Transport (G.I.L.T) des Bezirksverbandes Unterfranken, das in Bad Neustadt stationiert ist. Das BRK war mit insgesamt 60 Einsatzkräften und 25 Rettungsfahrzeugen vor Ort und übernahm die Versorgung der "Verletzten". Aufgebaut wurde dazu von den Schnelleinsatzgruppen Bad Kissingen und Münnerstadt an der Staatsstraße 2445 ein sogenannter Behandlungsplatz. Vor Ort waren weiterhin die Schnelleinsatzgruppe Betreuung aus Hammelburg und die SEG aus Mellrichstadt für den Abtransport der Patienten.

Rettungsschere im Einsatz

Auf die Feuerwehrleute kamen verschiedene Szenarien zu. So mussten eingeklemmte Fahrzeuginsassen mit der Rettungsschere aus ihrer misslichen Lage befreit und dabei an drei Fahrzeugen das Dach abgenommen werden. Ein Kleinstwagen, der direkt in die Tür des Busses gefahren war, wurde mit vereinten Kräften von dort weggezogen, so dass man in den Bus gelangen konnte. Hier war der Fahrer schwerst verletzt, außerdem waren zwei Businsassen mit dem Inhalt eines Feuerlöschers, der sich beim Aufprall entleert hatte, übersprüht. Dies würde im Ernstfall vor allem zu Atemproblemen führen und da es ein ätzender Stoff ist, würden auch die offenen Wunden besonders betroffen sein. Businsassen, die durch Sitze eingeklemmt waren, wurden befreit und dann ins Freie gebracht. Gerade mit einer Trage eine nicht ganz einfache Sache bei den beengten Verhältnissen in einem Bus.

Vor Ort war auch Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, der die Übung mit verfolgte. Dank sagte Kreisbrandrat Alexander Frey ihm ebenso wie der Firma Speyer und Hofmann, die die Fahrzeuge zur Verfügung stellte, zum Übungsplatz brachte und dort auch wieder abholte. Der Bus kam von der Firma Bömmel Bau, die diesen der Feuerwehr Nüdlingen für weitere Übungen überließ. Als Beobachter war Dr. Alexander Siebel vor Ort. Er ist Örtlicher Einsatzleiter für den Landkreis Bad Kissingen.

Realistische Übung

Bei der Abschlussbesprechung sprach Kreisbrandmeister Alexander Frey von einer Übung, die sehr gut abgelaufen sei. Dabei war es ihm wichtig, dass die Übung den Feuerwehren, die zum Einsatz gerufen wurden, weitgehend nicht bekannt war. Man könne also von einer realistischen Übung sprechen, bei der die anrückenden Fahrzeuge nicht bereits in der Nähe warteten, sondern an ihren jeweiligen Standorten alarmiert wurden. Dies stellte auch Dr. Alexander Siebel fest, der das Eintreffen der Fahrzeuge genau registrierte. 15 Minuten nach der Alarmierung war danach der erste Rettungswagen des BRK Bad Brückenau vor Ort, dessen Besatzung die vorläufige Einsatzleitung übernahm und die Lage erkundete. Es folgten die alarmierten Feuerwehren und die weiteren Rettungskräfte. Der Verkehr an der stark befahrenen Straße wurde einspurig von der Feuerwehr am Einsatzort vorbei geleitet