Viele Bürger aus Rannungen sind bereit, anderen zu helfen, viele würden Hilfe in irgendeiner Form gerne in Anspruch nehmen, vom Fahrdienst über Wanderungen und Ausflüge bis zur Hausaufgabenbetreuung. Wichtig sind ihnen in erster Linie die Geschäfte für den täglichen Bedarf im Dorf, ärztliche Versorgung, Angebote für Sport/Gymnastik und Geselligkeit. Kinderbetreuung oder die bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr rangieren erst weiter hinten. So könnte man die Ergebnisse der Bürgerbefragung zusammenfassen, die der Arbeitskreis "Innenentwicklung" unter der Leitung von Harald Klopf in den letzten Monaten durchgeführt hat.

Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger waren in den Pfarrsaal gekommen, um zu hören, was Raimund Heiny präsentierte. Der Diplombiologe und Kommunikationstrainer begleitet die Arbeit des Arbeitskreises "Innenentwicklung", der seit Mitte 2014 aktiv ist. Dieses Projekt war vom Landkreis Bad Kissingen ausgeschrieben worden und soll Anregungen für alle Gemeinden bringen. Rannungen wurde neben Elfershausen unter den sechs interessierten Gemeinden ausgewählt.

Überdurchschnittliche Teilnahme

"83 bis 84 Prozent Fragebogen-Rücklauf machen die Arbeit viel leichter. Normal sind bei sowas 20 bis 30 Prozent", so Raimund Heiny, der die Umfrage-Ergebnisse präsentierte. Die Frage "benötigen Sie aktuell Hilfe im Alltag?" beantworteten 83 Prozent mit nein, je vier Prozent sind pflegebedürftig oder haben einen Schwerbehindertenausweis.

"Aber 17 Prozent benötigen Hilfe, und das werden im Zuge der demographischen Entwicklung mehr", kommentierte Harald Klopf. Wie soll es im Alter weitergehen, wenn die Menschen zunehmend auf Unterstützung angewiesen sind? 80 Prozent von ihnen möchten weiter zuhause wohnen, 45 Prozent mit Unterstützung der Sozialstation. Nur neun Prozent denken an ein Alten- oder Pflegeheim. 85 Prozent der Befragten fühlen sich im sozialen Leben der Gemeinde eingebunden, die restlichen 15 Prozent "eher nicht".

"Bürgerhilfe lebt vom Austausch" heißt es auf dem in der Gemeinde ausgeteilten Fragebogen. "Etwas anbieten" wurde 544 Mal angekreuzt, "in Anspruch nehmen" jedoch 1044 Mal. Harald Klopf und Raimund Heiny sehen da kein Problem, da viele Angebote von mehreren Bürgern gleichzeitig angenommen werden könnten. Das gelte für den genannten Fahrdienst ebenso wie für geselliges Beisammensein, Wanderungen/Ausflüge und Hausaufgabenbetreuung. Mit dem ehrenamtlichen Engagement sieht es in Rannungen offenbar gut aus, denn 173 Bürger kreuzten an, dass sie ehrenamtlich in einem Verein engagiert sind.

Generationentreff geplant

Helfer und Hilfe-Suchende, müssen zusammengebracht werden. Deshalb will die Gemeinde eine Helfer-Datenbank einrichten. "Die Leute, die angekreuzt haben, dass sie Hilfe anbieten können , sollen sich bei uns melden" ergänzte Bürgermeister Fridolin Zehner.

"Unsere Einladung richtet sich auch an alle Jugendlichen, die sich vorstellen könnten ihr Taschengeld durch Hilfsdienste aufzubessern", hatte es auf der Einladung für die Info-Veranstaltung geheißen. "Wo sind die denn, in Rannungen wird offenbar zu viel Taschengeld bezahlt?", kommentierte eine Besucherin nach einem prüfenden Blick in die Runde. Mittelfristiges Thema sollen dann ein Generationentreff und eine Einrichtung für Tagespflege in der Gemeinde sein, heißt es in dem vorgelegten Papier.

"Es ist einfach zu sagen, ich hätte gern das und das", kritisierte ein Bürger und verwies darauf, dass der Turnverein viele Angebote aufgeben musste, weil keine Leute mehr da waren, die Verantwortung übernehmen wollten. Bevor man etwas macht, müsse man erst die Vereine fragen, meinte ein anderer.

Stefan Erhard und Fabian Hofmann, die im Sportverein bzw. in der Jungen Union engagiert sind, erklärten am Rande der Veranstaltung, dass es im Dorf zwar "eher wenig Veranstaltungen" gebe, die jungen Leute aber "gut vernetzt seien" und auf die Nachbardörfer ausweichen können. So tun sie sich mit Gleichaltrigen aus den Nachbardörfern zusammen, um Spielgemeinschaften und Kapellen zu gründen.