Da hat jemand eine Idee, von der er sich im schlechtesten Fall Gleichgültigkeit erhofft. Für Jörg Dotzel, Abteilungsleiter und Motor der Tennisabteilung das TSV Maßbach, kam es nach eigener Aussage schlimmer: "Du bist verrückt!" Das war vor gut zwei Jahren. Zum jetzigen Tag der Deutschen Einheit stand der unentwegte Tenniscrack in "seiner" Halle vor dem Netz und übergab das Werk der Abteilung, der Gemeinde, sowie den vielen Tennisfreunden und -freundinnen der Region.

Das Ergebnis ist ein Musterbeispiel der guten Zusammenarbeit von Kommunalpolitik und Vereinsleben. Jörg Dotzel beschreibt in seiner Ansprache umfangreich den Niedergang der Tennishallen, vor allem die in Schweinfurt, Bad Kissingen und Bad Königshofen. Immer weniger konnte am Abend und in der kalten Jahreszeit trainiert werden. Die Maßbacher Tennisabteilung jedoch, die zeitweise mal weniger als 100 Mitglieder zählte, war inzwischen auf über 150 Mitglieder, davon an die 100 Aktive, angewachsen. Die wöchentliche Veröffentlichung der Leistungstabellen in den Medien zeigt eine starke Vielseitigkeit im Wettbewerb nach Altersgruppen und Geschlecht bis hin zur Tennis-Landesliga.

Finanzielles Risiko gelöst

Für Jörg Dotzel und seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen war klar, den Aufwärtstrend aufrecht erhalten zu wollen. Und die Halle war nun die Idee. Ein Platz, voll überdacht, wäre schon eine gute Sache. Die erste Frage war das finanzielle Risiko. Das zu lösen, diente natürlich der Beruhigung der Vorstandsmitglieder und um deren Begeisterung zu schüren. Als Bürgermeister Matthias Klement, ein Maßbacher Tennisspieler von Kindheit an, auf eine Förderung von 55 Prozent durch den Freistaat in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landessport-Verband (BLSV) verwies, begann es zu rumoren. Der Kreis-BLSV, mit seinem Vorsitzenden Martin Wende, half nach Kräften. Daniel Schneider ist der stellvertretende Abteilungsleiter und wurde zu "Bauminister", wie Jörg Dotzel in der Dankesrede anerkennend vermerkte. Viele helfende Hände in der Abteilung sowie Handwerksfirmen aus Maßbach erklärten sich zur Mitwirkung bereit.

Wie soll die Halle beschaffen sein?

Doch zuerst mussten sich die Verantwortlichen über die Art des Bauwerkes im Klaren werden. Eine feste Halle war nicht finanzierbar, eine Traglufthalle wurde nicht genug gefördert und war außerdem zu aufwendig in der Handhabung. Doch das Nahe liegt manchmal goldrichtig. Die Firma Spantech ist europaweit als Planerin und Lieferantin für Leichtbauhallen tätig und hat ihren deutschen Sitz in Salz. Sie baut für alle möglichen Sportarten, jedoch war das angedachte Maßbacher Projekt erst das zweite für Tennis und das erste mit einer besonderen Bodenverankerung. Zuvor hätte man eine vorgesehene übliche Fundaments-Struktur nicht finanzieren können. Die endgültige Lösung der Bodenbefestigung durch die Firma Ortner sollte dann ab April 2021 für eine zügige Errichtung der Halle sorgen.

Namensrechte erworben

In den letzten Tagen vor der Inbetriebnahme konnten Karl und Matthias Schüller aus Maßbach die Heizung einbauen, die dann zur Eröffnungsfeier den vielen Gästen die angenehme Atmosphäre schaffte. Nach dem vielen Auf und Ab in der relativ kurzen Phase zwischen Idee und Fertigstellung war es für Jörg Dotzel ein sehr euphorischer Moment, sich bei den Helfern den Helferinnen und vor allem bei den Sponsoren zu bedanken. Natürlich waren die örtlichen Banken im Boot sowie insbesondere Vereinsmitglied Dr. Torsten Blaßdörfer und seine Frau, die die Namensrechte für die Halle "erkauften".

Die "Dr.-Blaßdörfer-Arena" sollte die Gefühlswelt des Abteilungsleiters jetzt wieder in ruhigere Bahnen leiten, denn mit dem Beginn der überdachten und ewig trockenen Spielzeit an der Centleite erhoffen sich alle Beteiligten einen neuen Aufschwung des Tennissports im Lauertal. Für Bürgermeister Matthias Klement (CSU) war das Projekt "eine mutige und richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft des Vereins, aber auch für die Marktgemeinde". Der Gemeinderat war dem Projekt in seinen Entscheidungen dazu immer entgegengekommen. Ob Klement selbst auf dem Platz spielen wird, möge sein Terminkalender entscheiden. Für den TSV -Vorsitzenden Thomas Schweizer ist es "ein Mehrwert für den Verein und die Gemeinde". Und Namensgeber Dr. Blaßdörfer fand in seinem Grußwort, dass "das ein historischer Tag für die Abteilung ist, der dem Tennissport die nötige Sicherheit für die Zukunft gibt".

Gewiss ist das ein starkes Leuchtturm-Projekt für die Region. Doch nicht umsonst hat Jörg Dotzel in seinen Ausführungen das Schicksal der inzwischen geschlossenen Tennishallen in der Umgebung aufgeführt. Ziemlich sicher, dass Verein und Abteilung aus den Fehlern lernen wollen.