Ihre Bekanntschaft ist aber noch älter als die Städtepartnerschaft. Bereits 1976 nahmen sie am Schüleraustausch der beiden Schulen teil und verbrachten damals auch viel Freizeit miteinander. Am Wochenende trafen sie sich wieder - Maria Knauff war Gastgeberin für Isabelle Henry und ihre Familie beim Besuch einer Delegation aus der Partnerstadt Stenay.

Maria Knauff und Isabelle Henry sind heute beide Lehrerinnen, Maria Knauff, die Münnerstädterin, unterrichtet in Bad Neustadt. Isabelle Henry in ihrer Heimatstadt Stenay. Isabelle Henry war Austauschschülerin bei der Familie Schuster und eine Freundin von Maria Knauffs damaliger Gastschülerin. Als am Freitag der Bus am Marktplatz einfuhr, wartete auch Dorothee Hamm, geb. Schuster, auf die Ankunft von Isabelle Henry. Dorothee Hamm lebt heute in Thüringen, nimmt also nicht am Partnerschaftsprogramm teil. Doch mit Isabelle Henry verbindet sie seit den Tagen des Schüleraustausches eine enge Freundschaft. Dorothee Hamm ist Patin von Isabelle Henrys Tochter Eloise. "Ich habe noch alle Briefe von Anfang an", erzählt Isabelle Henry in gutem Deutsch und erinnert sich an die Spaziergänge durch die kleinen Gässchen in Münnerstadt.

Isabelle Henry gehört zu den wenigen Ehemaligen des Schüleraustausches, die noch in Stenay geblieben sind, weiß Maria Knauff. Die meisten, die sie aus ihrer Jugend kennt, sind weggezogen. Auch hier zeigt sich, dass das französische Kleinstädtchen und Münnerstadt Partner mit ähnlichen Strukturen sind: Auch Münnerstadts Jugend zieht oft weg, weil anderswo attraktivere Arbeitsplätze warten.
Seit 2003 gibt es die Gastbesuche zwischen Stenay und Münnerstadt regelmäßig. In einem Jahr trifft man sich in Münnerstadt, in einem in Stenay. Das kleine Jubiläum heuer wird turnusgemäß in Münnerstadt begangen.

Ohne Freundeskreis geht es nicht

Der Freundeskreis Stenay übernimmt seit 2003 die Vorbereitung für die Stadt Münnerstadt, die eigentlicher Gastgeber ist. Der Freundeskreis, so Maria Knauff, kam aufgrund einer Initiative von Bürgermeister Eugen Albert zusammen und ist seither auf Münnerstädter Seite treibende Kraft der Städtepartnerschaft geworden. Die Münnerstädter Lehrerin schätzt die Partnerschaft, weil sie auch sieht, wie die Bemühungen Freundeskreise auf französischer und deutscher Seite Früchte tragen. "Das sind gewachsene Freundschaften", betont sie. Man spürt es beim Empfang am Bus. Hier treffen sich nicht Fremde, sondern gute Bekannte.

Neun französische Gäste kamen in diesem Jahr alleine bei Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr unter. Die Kontakte bestehen seit vielen Jahren. Die Feuerwehrleute organisieren gemeinsam das Frühstück für ihre Gäste. Auch die Jugend zieht mit. Katharina und Bettina Wolf sind 12 und 16 Jahre alt und verstehen sich gut mit den Kindern ihrer Gäste. Wenn nicht gerade Programm ist, nutzen sie die Zeit zum Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Das gehe auch ohne große Sprachkenntnisse, meint die 16-jährige Bettina.

Eier aus Stenay für die Zucht

Und es gibt immer nette Geschichten am Rande dieser Gastbesuche. Theo Körner aus Wermerichshausen stand am Bus, um eine Lieferung frischer Eier in Empfang zu nehmen. Sein Bekannter vom dortigen Verein musste seinen Besuch heuer leider absagen, erfüllte aber Körners Wunsch. Er schickte ihm 60 Eier von Maran-Hühnern, einer besonderen französischen Hühnersorte. Die Eier will Körner jetzt bei sich ausbrüten. Die Lieferung übernahm Stenays 2. Bürgermeister Daniel Leger. "Kein Problem", meinte er. Das zeigte sich auch bei einer ersten Stichprobe noch am Marktplatz. Die Eier hatten die Fahrt gut überstanden. Auf die Schnelle ließ sich am Freitag aber nicht klären, welche Nationalität die künftigen Hühnchen haben werden.

Bedauert wurde bei der Ankunft, dass Bürgermeister Helmut Blank oder ein anderer offizieller Vertreter der Stadt Münnerstadt nicht vor Ort war, um den 50 Gästen, darunter Stenays Bürgermeister Stephane Perrin und 2. Bürgermeister Daniel Leger, ein erstes "Grüß Gott" zu sagen.

Am Sonntag gab es einen offiziellen Empfang der Stadt Münnerstadt im Schloss. Hier würdigte Bürgermeister Helmut Blank den Einsatz der Bürger für die Städtepartnerschaft. "Dank des Engagements vieler Menschen aus jeweils ganz unterschiedlichen Kreisen, die die Partnerschaft zwischen Stenay und Münnerstadt zu ihrer ureigenen Sache gemacht haben, ist hier in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht worden." Die Freundschaften zwischen Bürgern von Stenay und Münnerstadt seien deshalb heute die selbstverständlichste Sache der Welt. "Wir wollen unser Möglichstes tun, damit das auch so bleibt", meinte Blank.
Zuvor hatten die Gäste aus Frankreich am Grab von Altbürgermeister Ferdl Betzer, einem Vater der Partnerschaft, ein Gebinde abgelegt.