Vier Kleinstädte aus ganz Deutschland wollen gemeinsam Ideen, Konzepte und Vorhaben zur Stadtentwicklung erlernen und erproben. Das sind Zwönitz im Erzgebirge, Demmin in der Mecklenburgischen Seenplatte, Bönen im Ruhrgebiet und Münnerstadt. Im Rahmen dieser Kleinstadtakademie besuchen sich die Verantwortlichen der Kleinstädte gegenseitig um die Stärken, aber auch die Schwächen der anderen kennen zu lernen. Jetzt war Münnerstadt als Gastgeber an der Reihe. Dabei tauschten sich Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl und Wolfgang Triebert, Bürgermeister von Zwönitz, über ein Klassenfoto aus, das Michael Kastl in der alten Schule in Wermerichshausen entdeckt hat.

Das alte Foto zeigt eine Schulklasse mit Lehrer. Jemand hat darunter geschrieben, dass es sich bei dem abgebildeten Lehrer um Michael Weigand handele. Ebenfalls nachträglich hinzugefügt ist die Jahreszahl 1870, allerdings mit einem Fragezeichen versehen. Auf dem Foto abgebildet ist auch, dass das Fotoatelier Daniel Weißgärber aus Zwönitz das Foto geschossen hat. Michael Kastl hat mit seinem Amtskollegen aus Zwönitz telefoniert, der hat im Archiv gestöbert und eine Überraschung mit nach Münnerstadt gebracht.

Demnach ist Daniel Weißgärber (1858 - 1940) im Jahr 1890 vom benachbarten Elterlein nach Zwönitz gezogen, wo er beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unternehmen vorfand. Also kann das Foto frühstens 1890 geschossen worden sein. Wolfgang Triebert hat sich schon seine Gedanken über das Foto und seine Geschichte gemacht, schließlich hat er mehr als zweieinhalb Stunden von Zwönitz nach Münnerstadt gebraucht. Und das mit dem Auto, im Jahr 1890 dürfte Daniel Weißgräber mit der Kutsche ein paar Tage gebraucht haben. Um Fotos von Schülern in Wermerichshausen zu schießen?

Wolfgang Triebert bringt eine andere Möglichkeit ins Spiel. Vielleicht handelt es sich ja um eine Schulklasse aus Zwönitz, denn die einzig wirklich gesicherte Information auf dem Bild ist die vom Fotografen. "Ich hatte mir erhofft, ich kann irgendwas erkennen", sagt Wolfgang Triebert. Aber Fehlanzeige. Er konnte nichts erkennen, was auf seine Heimatstadt deutet. "Wir haben das Bild abfotografiert und forschen weiter", sagt der Zwönitzer Bürgermeister. Michael Kastl, der das Foto durch Zufall entdeckt hatte, will ebenfalls weiter forschen. "Wer hätte gedacht, dass sich so ein Krimi daraus entwickelt", sagt er. Das Foto geht jetzt wieder zurück nach Wermerichshausen.