Nicolas Zenzen geht neuen Wege. Hat der Leiter des Münnerstädter Henneberg-Museums bisher ausschließlich Sonderausstellungen mit einem Bezug zu Münnerstadt und mit Objekten aus dem Museumsbestand organisiert, so nutzt er diesmal seine guten Kontakte nach Heidelberg, eine seiner früheren Wirkungsstätten. Vom Völkerkundemuseum der Von-Portheim-Stiftung hat er eine Serie persischer Buchmalereien des 18. Jahrhunderts kostenfrei ausgeliehen. Sie illustrieren das Versepos "Yusuf und Zulaikha" des Dichters Dschami, der im 15. Jahrhundert lebte. Diese Geschichte steht für die hingebungsvolle, wahre Liebe und hat einen Bezug zum Alten Testament und zum Koran. Wegen Corona verzichtet der Museumsleiter auf einer Vernissage, die Ausstellung kann vom 21. November bis 9. Januar an Samstagen, Sonnten und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr und von Dienstag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr im Deutschordensschloss besucht werden. Am 24, 25 und 31. Dezember sowie am 1. Januar ist das Museum geschlossen.

"Yusuf und Zulaikha ist eine der berühmtesten orientalischen Liebesgeschichten", sagt Michael Zenzen. Grundlage ist die biblische Josefsgeschichte aus dem Alten Testament: Josefs Brüder versuchen ihn zu ertränken, eine Karawane verkauft ihn nach Ägypten, wo er im Haus von Potiphar dient. Dessen Frau versucht ihn zu verführen, aber er verweigert sich, weshalb sie ihn der versuchten Vergewaltigung bezichtigt. Josef kommt ins Gefängnis, deutet die Träume der Mitgefangenen und schließlich des Pharaos und wird so zum Vizekönig. Am Ende der Geschichte versöhnt sich Josef mit seinen Brüdern.

Auch im Koran hat die Josefsgeschichte Einzug gehalten, allerdings in einer etwas anderen Form. Der Text im Koran ist kürzer gehalten als in der Bibel und ist mit anderen Details versehen.

Die persische Dichtung schließlich stellt das Geschehen um Yusuf und die Frau Potiphars ins Zentrum der Geschichte. Hier bekommt sie auch einen Namen: Zulaikha.

Ein unheimlich schöner Mann

Josef wird in der persischen Dichtung als unheimlich schöner Mann beschrieben. Auch hier versucht Zulaikha, der er im Traum erschienen ist, ihn zu verführen. Er bleibt standhaft, wobei sie ihm das Gewand zerreißt. Sie bezichtigt ihn der versuchten Vergewaltigung, doch ein Kind deckt die Wahrheit auf: Das Gewand ist hinten zerrissen, Yusuf also unschuldig. Und Zulaikha kommt ins Gerede und wird zum Gespött der anderen Frauen.

In dieser Erzählung wird aus der ehebrecherischen Frau Potiphars in der Bibel eine Frau, die für ihrer Liebe alles gibt. Zunächst wäscht sie ihren Ruf wieder rein, indem sie die Frauen, die über sie reden, zu sich einlädt. Als sie gerade Orangen schälen, betritt auf Geheiß Zulaikhas Yusuf den Raum und alle Frauen schneiden sich in den Finger. Sie sind abgelenkt, weil Yusuf so schön und unwiderstehlich ist. Es steht fest: Zulaikha konnte nichts für ihr Begehren, sie ist rehabilitiert.

Die Geschichte nimmt noch manch wundersame Wendung, wobei auch hier Yusuf der Großwesir des Pharaos wird. Und was die Liebe Zulaikhas betrifft: Die wird schließlich von Yusuf erwidert und nach vielen Wirren gibt es ein Happy End. Wie das aussieht- können die Besuchern des Henneberg-Museums ab dem 21. November erfahren.

Zum besseren Verständnis der bezaubernden Miniaturmalereien hat Nicolas Zenzen Texte verfasst und auf Banner drucken lassen. So können die Besucher in die Welt der persischen Erzählung eintauchen. Im Hennebergmuseum gilt die 2-G-Regelung, Besucher müssen geimpft oder genesen sein.