Es war eine schwere Geburt. Viermal hat sich der Stadtrat mit der Änderung der Friedhofsgebührensatzung befasst, bei der Sitzung am Montagabend beschlossen die Stadträte sie schließlich einstimmig. Während die grabspezifischen Kosten im Durchschnitt steigen, bleibt die jährliche Gebühr für Pflege und Unterhalt der Friedhöfe mit 50 Euro gleich. Die neue Gebührensatzung gilt für alle Stadtteile mit Ausnahme von Großwenkheim und Windheim. Sie tritt ab sofort in Kraft.

Zehn oder 30 Prozent?

Matthias Dotzler von Büro Pro Fide hatte Anfang Dezember die Benutzungsgebührenkalkulation für das Bestattungswesen vorgestellt. Allerdings gab es unterschiedliche Meinungen, wie viel man von den kalkulierten Gebühren abziehen sollte, weil Friedhöfe zu einem gewissen Teil auch einen Parkcharakter haben und damit der Allgemeinheit dienen. Zehn Prozent und 30 Prozent standen im Raum, allerdings fand sich für beides keine Mehrheit. Bei der Sitzung am 20. Dezember musste das Thema nochmal vertagt werden, weil es Unklarheiten bezüglich der jährlichen Nutzungsgebühr gab.

In Vorbereitung der Stadtratssitzung am Montag hatte es eine Fraktionssprechersitzung gegeben, damit alle Fraktionen auf dem gleichen Stand sind, sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Zwei Anträge waren zuvor eingegangen, einer von der CSU, ein weiterer von den Fraktionen Freie Wähler, SPD und Forum Aktiv. Daraus hatte die Verwaltung einen Vorschlag erarbeitet.

Keine Baumbestattung

Im Entwurf sollte die Baumbestattung neu in die Gebührensatzung aufgenommen werden, weil auf dem Friedhof in Wermerichshausen eigens dafür ein Baum gepflanzt worden ist. Die Baumbestattung ist aber wieder rausgenommen worden, so der Bürgermeister. Inzwischen sei der Platz unter dem Baum durch Pflaster so geteilt worden, dass Urnengräber entstanden, in der sich jeweils zwei Personen bestatten lassen können. Das entspricht einem ganz normalen Urnenfeld. "Sollte woanders ein Baum gepflanzt werden, dann fällt das unter naturnahe Urnenbestattung", sagte Michael Kastl.

Die neuen grabspezifischen Gebühren entsprechen einem Parkcharakter von etwa 20 Prozent. Bisher war man von zehn oder 30 Prozent ausgegangen, die die Einnahmen der Stadt schmälern. Das Problem dabei: Stadtrat Leo Pfennig (Freie Wähler) hatte zuvor mehrfach darauf hingewiesen, dass Friedhofsgebühren im Gegensatz zu Wasser und Abwasser nicht kostendeckend sein müssen. Michael Kastl hingegen verwies darauf, dass die Stadt Stabilisierungshilfe bezieht und deshalb weitgehend kostendeckend arbeiten muss. Mit den 20 Prozent Abzug ist offensichtlich ein Kompromiss gefunden worden.

Nach aktueller Rechtsprechung

Kurz ging der Bürgermeister noch auf weitere Besonderheiten ein. Für die Benutzung der Leichenhalle waren bisher 200 Euro fällig. Neu werden für die Nutzung des Leichenhauses 70 Euro pro Tag und für die Nutzung der Aussegnungshalle 110 Euro pro Fall berechnet. "Da gibt uns die Rechtsprechung auf, keine Pauschalen zu erheben", so Michael Kastl. Die neuen Gebühren entsprechen der aktuellen Rechtsprechung.

Diskussionsbedarf dazu gab es nicht, der Beschluss fiel einstimmig. Michael Kastl bedankte sich für die konstruktive Arbeit der Verwaltung und der Fraktionssprecher. "Eins ist klar", gab der Bürgermeister dem Stadtrat noch auf den Weg. "Wenn wir uns das nächste Mal darüber unterhalten, dann werden wir mit 100 Prozent rausgehen." Dann wird es keinen Abzug mehr geben.

Erdbestattungen (einmalige Gebühren): Für eine Grabkammer (Ruhefrist zwölf Jahre) werden jetzt 320 Euro fällig (zuvor 300 Euro), für eine Doppelgrabkammer 550 Euro (500 Euro). Eine Gruft (60 Jahre) mit bis zu vier Stellen kostet 3640 Euro (2500 Euro). Eine Gruft mit mehr als vier Stellen wird günstiger. Der Preis sinkt von 13 500 Euro auf 11 610 Euro. Für eine einstellige Wahlgrabstätte (25 Jahre) werden 610 Euro (500 Euro), für eine zweistellige 1180 Euro (800 Euro) fällig.

Aschen (einmalige Gebühren, Ruhefrist zehn Jahre): Eine Bestattung im Urnenfeld kostet jetzt 190 Euro (früher 100 Euro). Eine Unterscheidung zwischen einstelligen und zweistelligen Wahlgrabstätten gibt es nicht mehr. Für ein individuelles Urnenerdgrab werden jetzt 210 Euro berechnet (zuvor 100 Euro), für eine Bestattung in der Urnenwand 490 Euro (400 Euro). Geändert hat sich die Gebührenberechnung für die naturnahe Bestattung (Urnen im Erdreich ohne Grabmal). Bisher kostete das pauschal 800 Euro, wobei die jährliche Friedhofsgebühr von 50 Euro auf zehn Jahre bereits enthalten war. Jetzt werden einmalig 270 Euro berechnet, hinzu kommt die jährliche Friedhofsgebühr.

Zuschläge für Muschelkalkrabatten in Betonfundament, seitliche Platteneinfassungen und seitliche Hecken sind komplett gestrichen worden. Lediglich die Bereitstellung eines Grabmalfundaments kostet einmalig 100 Euro, eine Abdeckplatte zur Urnennische 240 Euro.

Friedhofsgebühr Die jährliche Friedhofsgebühr für die Gestaltung, den Unterhalt und die Sauberhaltung der Friedhöfe beträgt unabhängig von der Art der Grabstätte 50 Euro. tm