Schon als Kind ist Hellmut Petsch mit den Eltern zur Bildeiche gegangen. Schon damals hingen an der stattlichen Eiche Votivbilder. Die Familie habe dort bei ihren Spaziergängen eine kurze Rast eingelegt und gebetet, erzählt der Mitsiebziger. Die Bildeiche gibt es, solange sich die Münnerstädter zurück erinnern können. Wie lang sie aber noch in ihrer vollen Größe stehen wird, ist fraglich. Denn der Baum schwächelt. Die Äste tragen kaum mehr Laub. Und dort, wo noch Blätter wachsen, sprießen sie eher mager.
Rund 250 bis 300 Jahre ist die Bildeiche, eine Stileiche in der Gemarkung Gressertshof, wohl alt. Der Baum gehört den Freistaat, denn er liegt im Bereich des Staatswaldes. "Der Baum ist am Absterben"; diese Feststellung hat der Revierleiter für die Staatswälder rund um Münnerstadt, Gerhard Max, bei seinem letzten Kontrollgang vor wenigen Tagen gemacht.


Bank wurde versetzt

Zwischenzeitlich ist eine hölzerne Absperrung um den Baum erfolgt, damit die Spaziergänger auf dem nahe liegenden Wanderweg dem Baum nicht mehr zu nahe kommen, erklärt der stellvertretende Leiter des zuständigen Forstbetriebs Arnstein, Michael Grimm. Die Untere Naturschutzbehörde hält die Maßnahme für richtig, da sie Besucher abhält, direkt unter den Baum zu treten. Die Votivbilder können n daher nur noch mit einigem Abstand betrachtet werden.
Auch eine Bank, die der Rhönklub-Zweigverein Münnerstadt vor einigen Jahren aufgestellt hat, wurde nach Auskunft von Hellmut Petsch und Michael Grimm bereits versetzt, damit sie einen gewissen Sicherheitsabstand bietet.
1987 wurde die Bildeiche nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde zum Naturdenkmal erhoben. Bereits Ende 1985 hatte der Stadtrat in Münnerstadt beschlossen, diesen Status für die Bildeiche zu beantragen. Die Baumgröße spielte hierbei ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass der Baum seit Menschengedenken als Symbol tiefer Volksfrömmigkeit dient.
Zweimal im Jahr wird sie im Zuge einer allgemeinen Baumkontrolle inspiziert. Nach seiner jüngten Inspektion will sich Revierleiter Gerhard Max nun mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Bad Kissingen in Verbindung setzen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.


Sicherheit für Spaziergänger

Von dort weist man daraufhin, dass bei Naturdenkmälern lediglich Maßnahmen unternommen, die der Verkehrssicherheit dienen. Nicht vorgesehen seien Eingriffe, die einer Revitalisierung des Baumes dienen können. "Sie sind nicht zielführend", erklärt die Pressereferentin des Landkreises, Lena Pfister in einer schriftlichen Stellungnahme. Gerade dies bedauert Helllmut Petsch. Er war viele Jahre lang Naturschutzwächter, fühlt sich der Natur eng verbunden. Aber es tut ihm weh zu sehen, dass bei diesem Naturdenkmal keine Rückschnitte erfolgen sollen, die das Leben das Baumes vielleicht etwas verlängern könnten.
Der optische Eindruck, den auch der Spaziergänger vom Zustand der Bildeiche hat, wird auch von der Unteren Naturschutzbehörde bestätigt. "Am Baum wurden eine abnehmende Vitalität, eine starke Totholzbildung sowie ein Pilzbefall festgestellt", so Lena Pfister. Die Ursachen dafür sind unbekannt. Sowohl Standortfaktoren, als auch der Klimawandel oder das Alter des Baumes können Gründe hierfür sein. Wunsch der Unteren Naturschutzbehörde ist es, den Baum so lange wie möglich zu erhalten. So bedauerlich die Entwicklung ist, sie gehört zum Lebenskreislauf der Natur dazu. "Manchmal geht das Leben zu Ende", stellt Forstfachmann Michael Grimm fest.