Mit viel "Mürscht Helau" und Fröhlichkeit eröffnete am Samstag, nur zwölf Stunden nach den schlimmen Ereignissen in Paris, der Elferrat der Kolpingfamilie den Fasching 2015/16. "Der Elferrat hat sich schon überlegt, ob wir die Faschingseröffnung absagen sollen. Aber dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht", betonte Sitzungspräsident Andreas Albert gleich zu Beginn seiner Rede auf dem Marktplatz; "wir haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht". Er bekam dafür viel Applaus von den Zuschauern, die sich auf dem Platz eingefunden hatten. So startete denn der Fasching 2015/2016 genau wie in den letzten Jahren.
Wie jedes Jahr marschierten der Elferrat, die Elferratsgarde und die Stadtmusik, begleitet von viel närrischem Volk, vom Oberen Tor durch die Veit-Stoß-Straße bis zum Platz vor dem Rathaus-Eingang, wo weitere Zuschauer warteten. "Den Kummer sperren wir jetzt aus, die Narren dürfen nun wieder raus! Endlich ist es wieder soweit, auf in die fünfte Jahreszeit!" - So gab Andreas Albert die Richtung für die nächste Zeit vor. Dass die Narren auf Herbergssuche sind, sei bekannt: "Am Dicken Turm warfen die Augustiner die Jugend raus, und sperrten damit auch uns Narren aus... Ein neues Zuhause brauchten die Narren hier all, so wie Maria und Josef in Bethlehems Stall". Wie die himmlische Familie dort sei jetzt der Elferrat hier auf Herbergssuche.
Der Elferrat mache sich viele Gedanken, erzählte Albert. Das Jugendhaus steht nicht mehr zur Verfügung. Das Jugendzentrum sei zu klein. Die Alte Aula wäre geeignet, ist aber vermietet. Die Grundschule in der Schützenstraße habe keine Halle mit Bühne. Die Aula des Gymnasiums wäre geeignet, "doch da dürfen wir leider nicht rein; Alkohol darfst du dort nicht konsumieren, die Abiturienten könnte das stören beim Studieren," berichtete Albert von der Mürschter Herbergssuche. "Das BBZ eine große Bühne hat, ein Traum, wir waren sofort verliebt. Doch sind dem Landratsamt die Narren nicht allzu beliebt." Auch einen - sicher weniger ernst gemeinten - Vorschlag präsentierte Albert: "Die Narren würden das Hallenbad für einen Euro kaufen, das Becken ließen wir mit Beton voll laufen. Diese Sorgen hätte die Stadt dann los und unser Veranstaltungsort wäre famos".


Noch nicht alles klar

Wo finden die Veranstaltungen der Kolpingfamilie nun statt? "Ich mag noch keine Prognose wagen. Der Stadtrat wird sich gut beraten" - mehr verriet der Sitzungspräsident des Elferrates nicht. Ohne eine Halle wäre das Training der jungen Damen der Elferratsgarde umsonst gewesen.
Am Samstag begeisterten sie erst einmal auf dem Marktplatz die Zuschauer mit ihren Tänzen, während die Stadtkapelle die Faschingseröffnung musikalisch umrahmte.
Zum anschließenden Treffen im Bären-Saal war auch Klaus Mültner (Mellrichstadt), Beirat im Fasnacht-Verband Franken, gekommen. Er hatte nicht nur ein ganzes Schatzkästchen voller Orden für verdiente Mürschter Narren mitgebracht. Er überreichte dem Vorsitzenden der Kolpingfamilie, Albert Laudensack, eine Figur aus Porzellan. Sie soll daran erinnern, dass der Elferrat der Kolpingfamilie 44 Jahre besteht und den Fasching in der Stadt organisiert. Die Verbandsnadel erhielten Thomas Klemm, Julian Stürmer; die Ehrennadel in Silber ging an Sonja Bauer, Dieter Petsch, Pia Schlembach, Andrea Winkler, die Ehrennadel in Gold an Volker Schmitt. Den Verdienstorden bekamen Meinrad Götz, Andreas Albert.


Der Kümmerer sprach auf

Einer fehlte diesmal: Wilhelm Schmitt, der wegen einer Familienfeier nicht dabei sein konnte. Für ihn sprang Norbert Düring als "Kümmerer" in die Bresche. Wie schon Andreas Albert nahm er die Herbergssuche aufs Korn und berichtete, dass Bürgermeister Blank seinem Vorgänger Eugen Albert die Mehrzweckhalle angeboten habe, falls der Stadtrat zustimmt. Und er vergaß auch nicht, sich für seine Reime zu entschuldigen "falls jemand hier und jetzt gelitten unter des Dichters gesetztem Reim. An Fosernacht, da dörf des sein, auch wenn´s der Mann vom Verwaltungsgericht offensichtlich s´weng anners sicht."