Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will den Freistaat bis 2023 komplett barrierefrei machen. Der Münnerstädter Thomas Seuberling kann solche Pläne nur begrüßen. Der 39-jährige braucht den Rollstuhl und kämpft täglich mit den großen und kleinen Hürden, die seiner Mobilität im Wege stehen. In Münnerstadt gibt sehr viel zu tun, um das Städtchen wirklich Barriere frei zu machen. Das liegt nicht nur an der historischen Bausubstanz, die in früheren Jahrhunderten nicht danach gefragt hat, ob auch ein Rollstuhlfahrer das Haus erreichen kann. Es gibt auch genug Baufehler der Neuzeit, die es Thomas Seuberling schwer machen, seinen Alltag mit Rollstuhl zu bewältigen.

Kleine Anfänge sind dennoch schon gemacht. Thomas Seuberling lobt, dass das Rathaus barrierefrei zu erreichen ist. "Das funktioniert auch", sagt er. Bürgermeister Helmut Blank verweist darauf, dass es im Erdgeschoss jetzt sogar ein Beratungszimmer gebe. Doch für den Sitzungssaal des Rathauses gilt das schon wieder nicht mehr. Der ist nur über Treppen erreichbar.

Bürgermeister Helmut Blank begrüßt auf die Seehofer-Pläne. "Wenn das Konzept Seehofer kommt, dann gibt es vielleicht Fördergelder", meint Blank und sieht dann die Möglichkeit, weitere öffentliche Bereiche barrierefrei machen zu können: Musikschule, Bücherei, Alte Aula, Museum - überall sind nur Treppen. Das sei ein Problem der historischen Bausubstanz. "Die ist Freude und Last zugleich".
Für das Gebäude am Stenayer Platz, wo Teile der Stadtverwaltung, die Bücherei und die Alte Aula beheimatet sind, gab es Diskussionen über den Einbau eines Aufzuges. Gefehlt hat immer das Geld. Aus eigener finanzieller Kraft, das betont Blank, könne die Stadt völlige Barrierefreiheit nicht erreichen.


Trotzdem versuche die Stadt, etwas zu tun, meint Blank. Es seien aber nur punktuelle Verbesserungen.Derzeit ist ihm wichtig, Rollatorwege in der Innenstadt anzulegen, gerade dort, wo viel holpriges Pflaster liegt. Aktuell entsteht zwischen Stenayer Platz und Juliusspital ein solcher Weg. Auch die Finstere Gasse hat Blank im Auge, damit die Bewohner der beiden Altenheime die Innenstadt besser erreichen können. Die hohen Bordsteine sind ein weiteres Problem. In der Coburger Straße sind sie in Höhe des Mussikschulweges so hoch, dass Seuberling nicht von einer auf die andere Straßenseite wechseln kann.


Thomas Seuberling kann Blanks Aussagen bestätigen, wenn es um die hohen Bordsteinkanten in der Stadt oder das Pflaster geht. "Das sieht wunderschön aus", meint er, sei aber ein echtes Problem. Gut gelöst sei das am Anger. Dort gibt es gut befahrbare Plattenstreifen. Solche Wege wünscht er sich häufiger dort, wo Pflaster in der Innenstadt liegt. Ein großes Problem ist für Thomas Seuberling aber auch, dass die meisten Geschäfte in Münnerstadt nur über Treppen erreichbar sind. Und zu keinem Arzt kann er ins Sprechzimmer. Überall gibt es Treppen, ergänzt Thomas Seuberling. Für Helmut Blank ist klar, dass alle städtischen Initiativen nur dann etwas bringen, wenn auch von privater Seite oder der Geschäftswelt solche Barrieren aufgebrochen werden. Auch hier gibt es erste Ansätze. Im Rahmen ihres Umbaus hat die VR-Bank ihre Münnerstädter Geschäftsstelle so ausgestattet, dass der Zugang jetzt ohne Treppen möglich ist.

Oftmals muss Thomas Seuberling auch weite Umwege in Kauf nehmen, weil er mit seinem Elektroscooter einfach nicht weiter kommt.Im Jörgentorpark endet für ihn der Weg an der Teilschranke zur Friedhofstraße. Die versetzt angebrachten Balken kann ein Radfahrer vielleicht umfahren, aber ein Elektroscooter passt nicht durch.
Ein unüberwindbares Hindernis ist die Fußgängerunterführung am Bahnhof. Dort gibt es zwar eine Rampe. "Die ist aber viel zu steil", weiß Thomas Seuberling. Wenn er auf das dem Bahnhof gegenüberliegende Bahngleis will, muss er einen Umweg von rund 1,7 Kilometern in Kauf nehmen. In seinem Fall gehe das noch, meint er. Er habe das Privilig einen Elektroscooters fahren zu können. Wer aber nur einen Rollstuhl oder Rollator hat, schaffe den Umweg vermutlich gar nicht aus eigener Kraft. Dank des Scooters ist es ihm auch möglich selbständig einzukaufen. Er nutzt die Münnerstädter Einkaufsmärkte in der Peripherie der Altstadt. Die seien für ihn - bis auf manche Bordsteine - halbwegs gut zu erreichen und auch barrierefrei.
Auf einem Blick: Wo ist es gut, wo ist es schlecht in der Stadt?

Positive Beispiele
- Barriere freier Zugang zum Rathaus. Beratungszimmer im Erdgeschoss.
- Gehwegplatten am Anger.
- Barriere freie Zugänge einiger weniger Geschäfte und der Supermärkte.
- Rollstuhl-Rampe am Seiteneingang der Stadtpfarrkirche. Evangelische Kirche ist barierefrei erreichbar.
- Volksschule und Gymnasium sind barrierefrei.
- Geplanter Rollatorweg zwischen Stenayer Platz und Juliusspital-Altenheim.

Schlechte Beispiele
- Viele öffentliche Einrichtungen in historischen Gebäuden sind nur über Treppen erreichbar: Musikschule, Bücherei, Kelterhalle, Museum.
-Keine Apotheke, kein Arzt und nur wenige Geschäfte sind ohne Barrieren
- Hohe Bordsteinkanten.
- Der Kirchplatz ist für Rollstuhlfahrer nur sehr schwer zu erreichen, und damit auch die Rampe an der Stadtpfarrkirche.
- Die Schranke am Jörgentorpark blockiert Rollstuhlfahrern den Durchgang.
- Die Fußgängerunterführung am Bahnhof ist für Rollstuhl- und Rollatorfahrer nicht benutzbar. Sie ist viel zu steil.