Sie haben es geschafft: Das Münnerstädter BBZ ist mit den Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung sowie der Berufsfachschule für Sozialpflege in ein Modellversuch des Kultusministeriums aufgenommen worden. Damit zählt das BBZ seit diesem Schuljahr zu den fünf Schulen in Bayern, die ein Vorbereitungsjahr für Menschen mit und ohne Behinderung oder Beeinträchtigung anbieten können. Neun Schülerinnen und Schüler nutzen derzeit das Angebot, das im alten BBZ nicht umsetzbar gewesen wäre. Mit diesem Modellversuch wird ein Problem gelöst, mit dem die Schule bisher konfrontiert war.

Ein Gedankenfehler

Schon seit sieben Jahren hat das BBZ das Schulprofil Inklusion. "Das heißt, wir haben Mittel, Schüler mit Handicap besonders zu fördern", sagt Schulleiter Georg Gißler. Dazu gibt es am BBZ auch zwei Sonderpädagoginnen. "In dieser ganzen Idee war ein Gedankenfehler, der mit dem Modellversuch korrigiert werden soll", so der Schulleiter. Denn einerseits sollen Schüler mit Handicap gesondert gefördert werden, andererseits unterliegen sie der Berufsfachschulordnung. Und die besagt: "Bei nicht bestandener Probezeit ist keine weitere Ausbildung möglich", so Georg Gißler. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler mussten nach einem halben Jahr gehen.

Durch den Modellversuch werden Schüler mit besonderem Förderbedarf ein Jahr auf die eigentliche Ausbildung vorbereitet. Ziel ist es, sie danach an der Berufsfachschule für Versorgung und Ernährung (drei Jahre) oder an der Berufsfachschule für Sozialpflege (zwei Jahre) ganz normal weiter zu unterrichten. Das werden einige Schüler schaffen, anderer allerdings nicht. Aber auch diese jetzt werden lernzieldifferent weiter unterrichtet, wie es in der Fachsprache heißt. Das bedeutet, sie bekommen zwar keine Benotung, dafür aber eine Kompetenzbescheinigung mit ihren Fähigkeiten, mit denen sie sich dann auf dem ersten Arbeitsmarkt bewerben können, erläutert der Schulleiter.

"Das Ganze ist im neuen Gebäude ex-trem gut umsetzbar, weil wir mit dem Angebot der Großküche sehr praxisnah und auf hohem Niveau ausbilden können", betont Georg Gißler. Im alten BBZ wäre das unmöglich gewesen.17 Monate sind Kollegium und Schüler im neuen Gebäude. Alle haben sich sehr gut eingelebt und genießen die ausgezeichneten Ausstattung in den neuen Lehr- und Unterrichtsräumen, so der Schulleiter. "Insbesondere die Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung ist mit dem Raumdesign und den Arbeitsmöglichkeiten hoch zufrieden" so Fachbetreuerin Heidi Then. Neben den modernen Lehrküchen gibt es eine Großküche, in der für die zukünftigen Hauswirtschaftlerinnen alle Möglichkeiten gegeben seien, das Know-how für den späteren Berufseinstieg zu erwerben. Denn das Berufsbild der Hauswirtschaft habe sich gewandelt und sei den aktuellen Anforderungen angepasst. Neben den klassischen Arbeitsfeldern spielen auch große Anteile von Betreuungsaufgaben in der Ausbildung eine Rolle. Hauswirschaftlerinnen seien beispielsweise zunehmend in Kindertagesstätten zu finden, da immer öfter die Versorgung mit Essen selbst in die Hand genommen wird.

Moderne Großküche

Lange Zeit hatte es Corona unmöglich gemacht, am Mittwoch bot sich endlich die Möglichkeit , den Modellversuch, die zu erwartenden Betreuungsaufgaben der Berufsfachschüler und die moderne Großküche im BBZ für ein gemeinsames Projekt zu nutzen. Zusammen mit Fachbetreuerin Heidi Then und Lehrerin Melanie Geßner vom Inklusionsteam bereiteten Schüler der 12. Klasse zusammen mit Schülern der 10b (Modellversuch) ein zweites Frühstück als Osterbuffet vor. Eine Suppe, unterschiedliche Salate, Aufstriche und gefüllte Eier - für 30 Personen war das Frühstück geplant. Das besondere dabei: Die Schülerinnen bildeten neun Teams mit je einer Schülerin der 10. und der 12. Klasse. Die 12-Klässler übernahmen dabei Betreuungsaufgaben, was in den nahen Prüfungen auch abverlangt wird. Für die 10-Klässler war es ein Stück Ausbildung.

Spaß hatten sie jedenfalls eine Menge dabei, so beispielsweise Katrin Heinrichs (12a), mund Jule Michel (10b). "Wir machen alles gemeinsam", sagte Katrin Heinrichs. Sie seien ein gutes Team und beide Parteien haben etwas davon. Sie kümmerten sich um die gefüllten Eier und hatten zuvor schon Muffins gebacken.

Wiederholung geplant

Es sei das erste Mal, dass die in so einer großen Gruppe zusammen kochen, sagten die beiden Schülerinnen. Das letzte Mal jedenfalls wird es nicht gewesen sein. So etwas soll jetzt regelmäßig stattfinden, bekräftigte Georg Gißler, der sich zusammen mit seinem Team darauf freut, die moderne Lehrküche nach Corona endlich richtig nutzen zu können.