"Mürscht hat's Geld". Der Spruch aus dem Rhöner Kreis hat seine Gültigkeit schon vor langer Zeit verloren. In den letzten Jahrzehnten galt eher: "Mürscht hat's Geld nötig." Besonders dramatisch wurde die Situation vor 25 Jahren. Im Dezember 1996 beschäftigte sich der Stadtrat erstmals mit dem Haushalt für das Jahr 1997. Schon im Vorfeld war klar: Eigentlich geht gar nichts mehr.

Wald verkauft

Das Unwetter braute sich allmählich zusammen: Schon vor der Sitzung bestätigte Eugen Albert, der damals gerade einmal ein gutes halbes Jahr Bürgermeister war, dass die Stadt dringend Geld braucht. Deshalb hatte sich der Stadtrat auch dazu entschlossen, Wald zu verkaufen. Die 250 000 Mark konnte die Stadt gut gebrauchen. Gerüchte, dass die Kommune die Gehälter der Angestellten nicht mehr zahlen könne, bestätigte das Stadtoberhaupt damals nicht. Notfalls werde man dafür einen Kredit aufnehmen, sagte er.

Wie dramatisch die Situation tatsächlich war, zeigte sich dann bei der Stadtratssitzung, bei der der Bürgermeister und der Kämmerer Stefan Biedimpfl die Zahlen auf den Tisch legten. Stefan Bierdimpfl war damals ebenfalls erst ein paar Monate für die Finanzen der Stadt zuständig und hatte ein schweres Erbe übernommen. Schon von vorneherein war klar, dass die Stadt Kredite aufnehmen musste, um ihre Schulden zu bezahlen. Aber es kam noch dicker.

Im Jahr 1995 hatte sich ein Sollfehlbetrag von 700 000 Mark ergeben, der im Haushaltsjahr 1996 nicht ausgeglichen werden konnte. Im Jahr 1997 musste das Defizit ausgeglichen werden. Das ist so geregelt. Zusammen mit der absolut notwendigen Mindestzuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt von rund 1,4 Millionen Mark waren bereits mehr als zwei Millionen Mark gebunden. Aber es standen jede Menge Investitionen an. Weil das Geld bereits in den Jahren zuvor knapp gewesen war, hatte sich der Stadtrat verpflichtet, diese im Jahr 1997 zu tätigen. Dabei ging es vor allem um die Erschließung von Bau- und Gewerbegebieten, auch die Schindbergstraße war dringend sanierungsbedürftig.

Gerade die Investitionen in Gewerbegebiete hielt man damals für wichtig, weil die Gewerbesteuereinnahmen schon seit Jahren rückläufig waren, durch neue Baugebiete versprach man sich mehr Einwohner und damit einen höheren Anteil an Lohn- und Einkommenssteuern.

Ein Teil der finanziellen Probleme damals war hausgemacht. Denn in den Jahren zuvor waren massive Kasseneinnahmereste gebildet worden. Bürgermeister Eugen Albert sagte damals dazu wörtlich: "Mit den Jahresrechnungen der vergangenen Jahre wurde eine Systematik zum Ausgleich der Jahresrechnung in Münnerstadt gewählt, die dazu geführt hat, dass der Stadtrat bei seinen Haushaltsdiskussionen von einer falschen Finanzkraft ausging." Bürgermeister und Kämmerer kündigten damals an, einen Schlussstrich unter dieser Art Rechenakrobatik zu ziehen. Durch die Auflösung der Kasseneinnahmereste entstand ein Loch in Millionenhöhe.

Schon damals zeichnete sich ab, dass das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. War man von 38,5 Millionen Mark (knapp 20 Millionen Euro) Schulden im Jahr 2000 ausgegangen, so entwickelte sich der Schuldenstand ein paar Jahre später sogar auf über 27 Millionen Euro. Allerdings handelte es sich bei rund der Hälfte um so genannte rentierliche Schulden, also Kredite, die aus der Gebührenfinanzierung von Wasser und Abwasser stammten. Zu den negativen Höhepunkten zählte das Jahr 2010, in dem der damalige Bürgermeister Helmut Blank sich nicht in der Lage sah, überhaupt einen Haushalt aufzustellen.

Drei Gründe, warum es besser ist

Dass sich der Schuldenstand dann verringerte, hatte vor allem drei Gründe: Einerseits zahlten die Münnerstädter über ihre Wasser- und Kanalgebühren die rentierlichen Schulden zurück, zweitens ist über Jahre überhaupt nichts investiert worden, und drittens griff der Freistaat der finanzklammen Kommune mit Stabilisierungshilfen kräftig unter die Arme. Jetzt steigt der Schuldenstand zwar wieder an, dafür hat die Stadt aber große Investitionen getätigt, wie beispielsweise die Generalsanierung der Mehrzweckhalle. Und weitere stehen an.