"Oans, zwoa, gsuffa" - diese Art Biergaudi passt nicht in die Renaissance Aula, die altehrwürdige, die bestimmt auch schon rauschende Feste erlebt hatte. Das Feinsinnige in der Literatur durch die Jahrhunderte rings ums Bier, seinen Geschmack, seine Wirkung sowie mitunter politische Aussagen über die Kunst, es herzustellen, zu vermarkten oder gar Kämpfe auszufechten, das war Thema bei der "Literarischen Bier-Performance" im "Güldenen Krug". Die Bühnen-Kneipe mit Steh- und Sitztisch für die tatsächlich vorhandenen Flaschen und Krüge wurde von drei Personen besetzt, beziehungsweise bespielt. Von Wolfgang Hundegger, Berufsschaupieler im Rentnerstatus, Maria Knierzinger, gelernte Kinderpädagogin und seit 30 Jahren leidenschaftliche Darstellerin und Susanna Bihari, freie Schauspielerin, Lyrikerin und Mentorin neben dem Regisseur Ulf Dückelmann, des Kunst -und Theaterprojektes VIVID Freistadt transnational. Seit rund zehn Jahren widmet sich das Projekt, zusammen mit Partnern aus anderen europäischen Ländern, einem bestimmten Thema. Diesmal, eigentlich bereits im letzten Jahr, sollten Beiträge zu "Heimat: gestern - heute - morgen" beigesteuert werden.

Wie schon mehrfach berichtet, ist der Kulturmanager des Landkreises Bad Kissingen, Felix Gantner, auf das Münnerstädter else-Team um Mia Hochrein zugegangen. Der sehr agile Kern der Kreativgruppe hat zum Thema dann auch Initiativen entwickelt, die endlich und erfolgreich Anfang August in Freistadt im Mühlviertel uraufgeführt wurden. Jetzt im September und Oktober, sowie am 4. Dezember lassen sich die Ergebnisse auch in Münnerstadt besichtigen.

Den Auftakt in der Bierseligkeit einer Bühnen-Performance wollten dann doch viele "kulturdürstige" Gäste erleben, denn die Alte Aula stieß an ihre coronakonformen Kapazitäten. Es galt die 3-G-Regel. Schon eine Flasche Rhöner Bier in der Hand, war ein vertrauliches Beratungsgespräch mit "Helga Heimer" im moblien Reisebüro möglich. Die Fachfrau für auch intime Heimatangelegenheiten (Mia Hochrein) findet in der Auseinandersetzung mit den Wünschen ihrer Kunden Ansätze, um Heimat näher zu bringen oder neu zu erklären. Zumindest 3. Bürgermeister Axel Knauff zeigte sich bereit zu "einer Rundreise zu meinen Erinnerungen". Mehr davon wird in einer Neupräsentation am 4. Dezember zu erleben sein.

Susanna Bihari verwies in ihrer Erläuterung, dass Freistadt in Oberösterreich eine Bierstadt mit langer Tradition ist seit 1363 wird dort schon gebraut. Mit der "Braucommune" gibt es die größte Brauerei im Mühlviertel, das man ohne Übertreibung auch als Bierviertel bezeichnen kann. Davon konnten sich im letzten Jahr schon einige Münnerstädter überzeugen. Susanne Bihari stellte schon damals die "Trinkfestigkeit" der fränkischen Heimatgruppe fest. Die Freistadter konnten aber auch ganz gut mit den Biergefäßen umgehen. Fast lautlos ploppten die Kronkorken, die bräunlich-gelbe Lustbrühe rann in den Tonkrug und selbst das oft folgende genüssliche Rülpsen unterließen sie wegen der ach so sensiblen Vorträge zum Bier aus der Weltliteratur.

Dazu gehört das Gilgamesch Epos, die Geschichte aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, in dem vor über 4000 Jahren "aus Zufall" das erste Bier gebraut wurde. Im Mittelalter fand der süffige Hopfentrunk Gefallen bei Martin Luther und später bei dem Aufklärer Johann Wolfgang von Goethe. Die Weitverzweigung der Literatur in der Welt gab dem Biergenuss und der Lebensromantik, besser der Lebensrealität neuen Raum für Gefühlslagen, sehr häufig in derben Sprüchen generiert. Zu den mächtigsten Sprachkünstlern wurden dabei Jean Paul, Heinrich und vor allem Frank Kafka gezählt. Die Protagonistinnen auf der Bühne schafften es, durch Gestik und Sprache immer die Biersprache zu pointieren, den Herzenstrinker zu lautem Lachen zu veranlassen oder wenigstens Bierverweigerer zu einem Schmunzeln zu veranlassen.

In der deutschsprachigen Literatur soll es rund 70.000 Hinweise auf das Kultgetränk geben. Viele Schriftsteller, wenige Autorinnen haben sich zu Bier geäußert und doch sind die 518 Bierstellen nur der zweite Platz. Mit Abstand führt die Nennung in über 4000 Stellen der Wein. Sollte das am Stellenwert des Bieres, spätestens seit dem 19. Jahrhundert liegen, als das Getränk "das des armen Mannes" eingestuft wurde? Ein gewisser Berthold Sauerwald hatte sich solche Untersuchungen einfallen lassen.

Von der Aula-Bühne aus wurde auch Wissen abgefragt: Wieviel Gramm Alkohol schwimmt in einem Liter Bier? 40 Gramm, lautet die richtige Antwort. Welcher Staatsmann war kein Bierbrauer? Napoleon - logisch. Welches ist die derzeit stärkste Biertrinker-Nation? Deutschland, nein. Nicht mal auf den Podestplätzen. Es ist Freistadts Nachbar Tschechien. Und der Kulturbetrieb dort ist unter anderem mit dem böhmischen Budweis verbandelt. Na, es zählen halt die inneren Werte. Schade, dass das Münnerstädter Klosterbier fast schon ein Märchen ist.

Die Bier-Literaturreise geht noch nach Rottweil, einer weiteren Partnerstadt im "Heimat: gestern- heute- morgen"- Projekt. Im Oktober wird "frängisch gebabbelt" in Großwenkheim, in Althausen und Reichenbach und am 4. Dezember in Münnerstadt. Das ist der else Heimat- Finaltag, ob mit oder ohne Bier.