In Sachen Umgehungsstraße gehen die Meinungen zwischen dem Verkehrsministerium in München und dem Marktgemeinderat in Maßbach weit auseinander. In seiner Sitzung sprach sich der Rat gegen eine Umgehung im Bereich des alten Bahnhofsgeländes aus.
Grund für die Diskussion war ein Brief von Staatssekretär Gerhard Eck MdL vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr an Bürgermeister Matthias Klement. Der hatte sich nach den Möglichkeiten eines Kaufes des aufgelassenen Bahnhofsgebäudes am Ende der Alten Bahnhofstraße erkundigt, das dem Freistaat gehört.

Mehrere Interessenten

In der Sitzung teilte er mit, dass er mehrere Anfragen von Personen hat, die das Gebäude nutzen oder kaufen möchten. In seinem Antwortbrief zeigte Eck Verständnis dafür, dass die Marktgemeinde das seit langer Zeit leer stehende Bahnhofsgebäude einer Nutzung zuführen möchte. Doch Eck betonte in seinem Brief "gleichwohl ist auch der verkehrssichere und leistungsfähige Ausbau der St 2281 für die Anbindung der Region an die A 71 von großer Bedeutung. So ist die St 2281 ein wichtiger Zubringer zur A 71 Erfurt-Schweinfurt."
Jedoch sei diese Staatsstraße wegen schadhafter Fahrbahndecken, enger Kurvenradien und mehrerer Engstellen auch in der Ortsdurchfahrt von Maßbach erheblich in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt. Deshalb sei es langfristiges Planungsziel gewesen, die Ortsdurchfahrt Maßbach durch den Bau einer Umgebung zu entlasten und die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit der Straße zu verbessern. Die Ortsumgehung von Maßbach sei daher im Ausbauplan für die Staatsstraßen, in dem langfristige Ausbauziele dargestellt seien, in der zweiten Dringlichkeitsstufe enthalten. "Das aufgelassene Bahnhofsgebäude liegt dabei auf einer der möglichen Trassen für eine Ortsumgehung, deren Verlauf bereits im Flächennutzungsplan des Marktes ausgewiesen ist", heißt es in dem Schreiben und weiter: "Nach derzeitigem Kenntnisstand kann man davon ausgehen, dass eine ortsnahe Ortsumgehung von Maßbach nur im Bereich des ehemaligen Bahngeländes realisiert werden könnte. Das staatliche Bauamt Schweinfurt hat daher im Hinblick auf den Ausbauplan für die Staatsstraßen einem Verkauf des Bahnhofsgebäudes bisher nicht in Betracht gezogen".

Wichtige Entscheidung

Gegen den Willen der Bürger will der Freistaat offenbar nicht bauen. "Grundsätzlich liegt es nicht im Interesse des Freistaates Bayern, Ortsumgehungen zu verwirklichen, die von einer Gemeinde mehrheitlich abgelehnt werden", schreibt Staatssekretär Eck und bittet den Markt , sich nochmals mit der Angelegenheit zu befassen. Dies gelte insbesondere, da die Entscheidung für oder gegen eine Umgebung von erheblicher Tragweite für die langfristige Entwicklung von Maßbach sei. Je nachdem wie die Entscheidung ausfalle, "werden wir die Veräußerung bzw. die künftige Nutzung des Bahnhofsgebäudes neu bewerten".
Wenn das Bahnhofsgebäude verkauft wird, "ist eine mögliche Umgehung tot", meinte ein Gemeinderat. Eventuell werde sie, je nach der Entwicklung von Maßbach, aber gebraucht. "Das ist Irrsinn, aktuell brauchen wir sowieso keine Umgehung", hielt einer seiner Kollegen dagegen.

Gegen diese Trasse

Bürgermeister Klement erinnerte daran, dass es im Dorf schon eine Bürgerinitiative gegen die "Durchschneidung" des Dorfes durch eine Umgehung gegeben habe. Er meinte: "Wenn wir mal eine Umgehung brauchen, dann nicht hier". Das Maßbacher Gemeinderatsgremium beschloss, eine Ortsumgehung im Bereich des ehemaligen Bahngeländes abzulehnen, es ist allerdings nicht kategorisch gegen eine Umgehung an anderer Stelle.

Die Geschichte des Bahnhofs:

Schnelles Ende Der Bahnhof in der Alten Bahnhofstraße gehörte zur Bahnlinie Rottershausen-Poppenlauer-Maßbach-Rothausen-Stadtlauringen. Zur Geschiche der Bahnlinie ist in Wikipedia zu lesen: Die 17 km lange Lauertalbahn wurde im August 1900 eröffnet. Der Personenverkehr war stets schwach und beschränkte sich über Jahrzehnte hinweg auf drei Zugpaare am Tag. Nachdem bereits ab 1958 an Sonntagen eine Bahnbuslinie die Bedienung übernommen hatte, wurde der Personenverkehr auf der Schiene am 4. Oktober 1959 auch werktags eingestellt. Das frühe Ende ist vor allem auf die schon vor der Eröffnung jahrelang umstrittene Streckenführung zurückzuführen, die nicht dem Verkehrsbedürfnis entsprach. Ziel der meisten Reisenden war die Stadt Schweinfurt, die man seit 1948/49 leichter mit Omnibussen auf kürzerem Weg erreichen konnte. Der Güterverkehr endete kurz danach, am 1. April 1960.

Baudenkmal Die Strecke, auf der stets nur Dampflokomotiven fuhren, wurde im folgenden Winter abgebaut. Der Maßbacher Bahnhof selbst blieb stehen. Das 115 Jahre alte Gebäude wurde in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen. "Zweigeschossiger Walmdachbau mit Polygonalmauerwerk und Ziegelsteingliederung, historistisch, mit angrenzendem, eingeschossigen Güterschuppen, holzverschalt, mit Satteldach, 1900" heißt es da.

Speziell Modellbahn-Fans, die den Maßbacher Bahnhof in ihrer Modellbahn-Anlage haben wollen, können ihn in Kleinformat kaufen, je nach Größe für 46 bis 93 Euro. mbd