Einmal ist nicht genug. Mit "Nivard II" wird am Sonntag, 12. September, am Rindhof eine Kunstausstellung eröffnet, die einerseits an die sehr erfolgreiche Ausstellung "Nivard" im vergangenen Jahr anknüpfen will. Andererseits soll sie aber auch die ganze Vielfalt zeitgenössischer Kunst aufzeigen, weshalb Thomas Pfarr von der Galerie Pfarr im Münnerstädter Heimatspielhaus fünf anderen Künstler aus ganz Deutschland die Gelegenheit bietet, ihre Werke in dem wirklich besonderen Gebäude zu präsentieren. Die Materialien, mit denen Stefanie Brehm, Paul Diestel, Heike Kleinlein, Norbert Kleinlein und Kornelia Thümmel arbeiten, reichen von Holz über Metall zu Glas, Stein und Kunststoffen.

Als Galerist Thomas Pfarr letztes Jahr seine erste Kunstausstellung im Haus Nivard am Rindhof in Maria Bildhausen eröffnete, hat er selbst nicht geahnt, dass sie so erfolgreich wird. Schon die Vernissage wollten sich zahlreiche Kunstliebhaber nicht entgehen lassen. Und weil der Zuspruch so außergewöhnlich und das Feedback der Besucher so positiv war, hat er schon damals entschieden: Es wird eine Ausstellung "Nivard II" geben.

"Ich möchte Kunst am Rindhof präsentieren", sagt Thomas Pfarr. Rudolf Weigand aus Bad Königshofen, der den gesamten Golfplatz vor einigen Jahren gekauft hat und seit dem die Gebäude konsequent saniert, ist ein bekennender Kunstliebhaber. So ist mittlerweile ein ganzer Skulpturenpark mit Werken von Bernar Venet, Kurt Grimm und Beate Debus entstanden. Noch unsaniert ist das Haus Nivard, der Sommersitz des letzten Abtes von Maria Bildhausen, Nivard Schlimbach, wo er auch nach der Säkularisation seinen Lebensabend verbrachte.

"Der Reiz ist, dass das klassizistische Gebäude außen noch vollständig erhalten ist", sagt Thomas Pfarr. Im krassen Gegensatz steht dazu das Innere. Dort zeigen sich auf teils brutale Weise, wofür das Haus in den letzten 100 Jahren genutzt wurde: unter anderem als Wohnraum, Refektorium und als Großküche. Für Thomas Pfarr war und ist es eine Herausforderung , diese Räume zu gestalten.

"Die Auswahl der Künstler hat das Haus mitbestimmt, weil nicht alles geht", sagt er auf die Frage, nach welchen Kriterien er die Künstler ausgesucht hat. "Es gibt bizarre Situationen, die sehr speziell bespielt werden müssen." Für Thomas Pfarr ist wichtig: "Ich möchte auch diesmal die ganze Vielfalt der zeitgenössischen Kunst zeigen und die verschiedenen Materialien, mit denen gearbeitet wird."

So eine Kunstausstellung zu gestalten, die einzelnen Räume zu bespielen, kostet viel Zeit und Mühe. Schon seit Wochen laufen die Vorbereitungen. Die Künstler bringen eine Auswahl ihre Werke, gemeinsam mit Thomas Pfarr wählen sie die aus, die am besten zu den Gegebenheiten passen. Stefanie Brehm aus Rödersdorf bei Bamberg war die erste, die ihre Räume im Erdgeschoss und im Obergeschoss gestaltet hat. Die Künstlerin ist keine Unbekannte in Maria Bildhausen. Vor zwei Jahren stellte sie in Zusammenarbeit mit der Galerie Pfarr in der ehemaligen Bibliothek im Haus Maria im Kloster aus. Unter dem Titel "Dem Himmel nah" standen damals ihre Keramiksäulen im Mittelpunkt der Ausstellung. Schon damals hatte sie einige wenige ihrer Polyurethan-Arbeiten mitgebracht.

Im Haus Nivard wird die Polyurethan-Malerei im Mittelpunkt ihrer Ausstellung stehen. Den flüssigen Kunststoff aus zwei Komponenten gießt oder spritzt sie auf eine beschichtete Platte, wo er langsam aushärtet. Manchmal setzt sie eine gerade Linie. "Als Gegensatz zu der weich ausfließenden Form."

Die so entstandenen Gemälde kommen direkt an die Wand. "Wenn sie an der Wand sind, verschmelzen sie mit der Architektur, weil es keinen Bildträger braucht. Die Farbe ist direkt an der Wand", sagt sie. Weil aber in manchen Räumen, wie beispielsweise in der ehemaligen Großküche nur wenige brauchbare Wände zur Verfügung stehen, hat Thomas Pfarr zusammen mit seinem Bruder Alexander ein Labyrinth installiert, das die Installation der Arbeiten ermöglicht. Eine Arbeit von Stefanie Brehm wird direkt in einem Fenster installiert, eine scheinbar schwebende Figur deutet an, was sie noch alles aus Polyurethan zu schaffen vermag. Und auch einige ihrer kleineren Keramiksäulen werden installiert.

Viele andere dieser Kunstwerke sind ebenfalls ab 12. September in der Bamberger Stadtgalerie Villa Dessauer zu sehen, wo Stefanie Brehm um 11 Uhr eine Einzelausstellung eröffnet. Deshalb ist es auch noch nicht sicher, ob sie es bis 14 Uhr zur Vernissage nach Maria Bildhausen schafft. Das hat aber noch einen anderen sehr angenehmen Grund: Zur Vernissage in Bamberg bekommt sie den Volker-Hinniger Preis verliehen, ein Kunstpreis, den die Stadt Bamberg alle drei Jahre vergibt. So wird dann in Maria Bildhausen eine wirklich ausgezeichnete Künstlerin erwartet.

Außerdem wird Paul Diestel Holz und Bronzeplastiken ausstellen, die ganz nah an der Natur orientiert sind. Heike Kleinlein präsentiert Keramik, ihren Schwerpunkt legt sie auf archaische Klangschalen. Norbert Kleinlein zeigt Gemälde und Installationen - eine Hommage an Giorgo Morandi. Kornelia Thümmel stellt im Haus Nivard ihre Skulpturen aus.

Die Vernissage findet am Sonntag, 12. September, um 14 Uhr mit klassischer Live-Musik statt. "Alle Interessierten sind willkommen", sagt Thomas Pfarr. Nivard II ist bis Sonntag, 12. Oktober, immer von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.