Eng ging's zu im zur Narrhalla umfunktionierten FC-Sportheim. Bombenstimmung herrschte, begeisterte, kostümierte Zuschauer saßen unten, begeisternde Mitwirkende agierten oben auf der Bühne. In die Luft gingen die jungen genauso wie die langjährigen Narren, lautete doch das Motto: Reichenbach goes Ameriga! Viele waren mit dabei, wussten das Neueste und mehr, parodierten und brachten Sketche. Viele Beine wirbelten über die Bühne, Stimmung, Trubel, Heiterkeit bestimmten die beiden fünfstündigen Veranstaltungen.

Lebensweisheiten

Zum ersten Mal mit dabei war heuer auch der siebenjährige Michael Zufraß. Er durfte sogar seine Tanzgruppe beim Einzug anführen. "Schööö!" war's für ihn, und "... anstrengend, aber mit viel Spaß! Und des macht doch nix, dass ich ein oder zwei Fehler gemacht hab?" Außerdem habe ihm die Trainerin ja viel zu Naschen versprochen, für nach den Auftritten. Wichtig für den Jüngsten und Kleinsten der Tanzgarden: "Die brauchen mich doch! Andere Buben haben keinen Bock mehr, aber ich mach wieder mit!"

Was stand sonst noch an im FC-Narren-Luftschiff? Da gab es Komisches aus einer sonderbaren Bauernfamilie, das Publikum durfte bei einem Besucher-Casting die schönsten Verkleidungen "herausklatschen", in der heiteren Schulklasse gab es Lebensweisheiten wie: Wenn der Ochse isst, dann sagt man fressen - Wenn der Papa frisst, dann sagt man essen!"

Taxifahrt in New York

Zwei Reichenbacher "Kinder-Garden" wirbelten flott und modern über die Bühne, die Elferrats-Garde aus Münnerstadt - die gleich mit zwei sehr gekonnten Auftritten in verschiedenen, prächtigen Kostümen begeistert - ist ihnen ein großes Vorbild. "Wenn die Feuerwehr am Booch Wasser sauft !" Nicht nur mit diesem Versprecher sorgten die allwissenden Stammtischbrüder für stürmische Heiterkeit, denn sie hatten wieder vielerlei weltbewegendes aus Reichenbach zu berichten.

Eine Taxifahrt in New York mit überraschenden Erinnerungen des "Drivers" an seine Zeit in Deutschland sorgte ebenso für Brüller wie der Wechseltanz (Die Schönen und die Biester), bei dem echte, leichtfüßige "Girls" sozusagen gegen mächtige, aufgedonnerte Matronen antraten. Bestens kamen die Erinnerungen von Brunhilde und Otmar an, die von ihrer Silberhochzeit-Weltreise Haarsträubendes und Lebensweisheiten wie "Ich liebe dich!? Sowos söücht mer doch net zu sei eechene Fraa!" zum Besten gaben.

Schlusspunkt Männerballett

Eine köstliche Parodie auf die Kochsendungen von Alfred Biolek, die überaus realistisch dargestellten, sogar tödlichen Service-Unterschiede zwischen 1. und 2. Klasse im Flugzeug, die Darstellung und eine arg schräge Rede bei einer Wahlversammlung waren weitere närrische Beiträge. Den Schluss-Höhepunkt setzte eine Vorführung der Traumkörper des Männerballetts, die mit grandioser Körperbeherrschung, Eleganz und der natürlichen Schönheit der berühmt-berüchtigten Südsee-Insulaner den Saal endgültig zum Kochen brachten.

Verletzung beim Auftritt

Eine zugehörige Amazone ging allerdings dabei so ungestüm ans Werk, dass sie ihren Part schon nach zwei Minuten wegen einer dabei zugezogenen, schmerzhaften Verletzung abbrechen musste. Bei manchen geht die fosenöchterische Begeisterung eben bis zur Selbstverstümmelung.

Mit sehr viel Begeisterung und Aktivitäten ist seit vielen Jahren auch Stefan Raab dabei, jedes mal in gleich mehreren Rollen und Auftritten, so wie viele der Reichenbacher Akteure. "Wie lang ich schon zur Fastnacht aktiv mit dabei bin, weiß ich gar nicht genau ..," sagt der 43-jährige Allrounder, lacht und fügt an: "Aber so 25 Jahre können's schon sein!" Spaß mache es ihm einfach, auf der Bühne zu agieren, Menschen mit mehr oder weniger ernsthaftem Unsinn zu erfreuen. Eines allerdings wünscht er sich: "Es wäre schön, wenn sich mehr Akteure in Reichenbach finden würden. "Damit nicht immer nur die selben alles machen müssen. Helau!" Sprach's - und verschwand zum Umkleiden; sein nächster Auftritt wartete.