"Offensichtlich haben Sie sich wenn Sie Alkohol getrunken haben, nicht im Griff", brachte es die Richterin auf den Punkt. Vor Gericht stand ein junger Mann, der im angetrunkenen Zustand sowohl gegen ein junges Mädchen als auch gegen Polizeibeamte handgreiflich geworden war.

Das sah das Gericht nach der Beweisaufnahme als bewiesen an und verhängte wegen Beleidigung in Tatmehrheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Körperverletzung neun und vier Monate Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem muss der Angeklagte 2000 Euro in Raten an den Weissen Ring bezahlen und er darf ein Jahr lang keinen Alkohol mehr trinken. "Das heißt, die Polizei kann jederzeit einen Alkoholtest machen und beim Verstoß gegen die Auflagen, wird die Strafe vollzogen", machte die Richterin in ihrem Urteil deutlich wie kurz der Weg ins Gefängnis ist.

Nach einer Schlägerei im alkoholisierten Zustand war der Angeklagte erst im November 2019 wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Jugendarrest. Das hat offenbar wenig Eindruck hinterlassen. Bereits im Februar 2020 pöbelte er bei einer Faschingsveranstaltung in angetrunkenem Zustand - die Blutentnahme ergab einen Wert von 1,6 Promille - Polizeibeamte an. Er beschimpfte sie mit wilden Ausdrücken, obwohl die Polizisten eigentlich zunächst nichts von ihm wollten. Vielmehr waren sie wegen einer Körperverletzung hinzugerufen worden und wollten seinen Freund nach draußen begleiten. Doch das wollte der heute 22-Jährige mit aller Macht verhindern.

"Ich habe ihn erst mal links liegen lassen, die ganze Veranstaltung war sowieso relativ aufgeheizt und die Ordner völlig überfordert", schilderte der Polizist die Situation vor Gericht. Der Angeklagte habe aber nicht aufgehört, sei sogar Nasenspitze an Nasenspitze an ihn herangetreten und immer aggressiver geworden. Da startete der Beamte die Videoaufzeichnung, wies den jungen Mann auch darauf hin. Doch auch das half nicht. Als er dann versuchte, seinen Kumpel aus dem Polizeigriff des Kollegen zu befreien, packte der Polizist ihn von hinten und brachte ihn zu Boden. Dabei schlug der Angeklagte um sich, rammte dem Polizeibeamten den Ellbogen in den Bauch und schlug ihm die Brille von der Nase. Für die Richterin klar Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, auch wenn der Angeklagte sicher nicht gleich wusste, dass ein Polizist zupackt. Spätestens am Boden habe ihm das klar sein müssen und "auf dem Video ist klar zu sehen, wie er noch mal zuschlägt".

Auch die beiden Polizeikollegen bestätigten im Zeugenstand "Beleidigungen ohne Luft zu holen". Und: "Er war unheimlich aggressiv, man merkte, dass er alkoholisiert war, aber er hat definitiv gewusst, was er macht."

Richterin und Staatsanwalt hielten dem Angeklagten zugute, dass das Messer in seiner Jackentasche keine Rolle spielte - "das war da noch vom Faschingswagen", erklärte der Angeklagte - und er Reue zeigte. Er hatte sich später bei der Polizei entschuldigt. Und auch vor Gericht sage er: "Das war eine total überzogene Nummer von mir."

Angeklagter leugnet die Tat

Von der zweiten Anklage, wonach er vier Monate später bei einer Party in seinem Keller ein junges Mädchen geschlagen hatte, wollte er hingegen nichts wissen. Zwar sei er mit dem Mädchen, das mit einer Freundin bei ihm war, um etwas zu trinken, nach oben gegangen, um mit ihr zu sprechen und "wir hatten auch eine Diskussion über ihren Exfreund, aber die haben wir geklärt und dann war sie noch zwei Stunden da". Dazwischen habe er die beiden allerdings rausgeworfen, sie seien ins Dorf gelaufen und er habe sie zurückgeholt. Sein Kumpel, der die beiden Mädchen abgeholt hatte, habe sie danach sogar noch woanders hin gefahren. Dass er alkoholisiert war, gab er zu, wieviel er getrunken hatte, konnte er nicht sagen, aber "es war einiges".

In seiner Geschichte fehlten offenbar einige Details. Die Geschädigte berichtete völlig aufgelöst und unter Tränen, wie er mit ihr die Kellertreppe hochgegangen sei, um mit ihr unter vier Augen zu sprechen. Als sie gelacht habe, weil ihr Exfreund seinem Motorradclub beitreten wolle, sei er ausgerastet und habe behauptet, sie hätte seinen Club beleidigt. Er wollte, dass sie geht. Als sie in den Keller zurück wollte, um ihre Sachen zu holen, habe sie plötzlich einen Schlag gespürt. "Ich bin nach hinten gefallen, mit dem Kopf gegen die Wand und als sich aufgestanden bin, wollte er meinen Fuß packen, dabei habe ich etwas umgeworfen", erzählte sie vor Gericht. Ihre Freundin habe ihre Sachen mitgebracht und sie hätten sich ins Auto gesetzt, in der Hoffnung, der Freund würde sie heimfahren. Aber der Angeklagte habe sie rausgejagt, da seien sie ins Dorf gelaufen.

"Es gab kein Netz, wir konnten niemanden erreichen", schildert die 22-Jährige ihre aussichtslose Lage und warum sie, als er hinter ihnen her kam, trotz allem noch einmal mit in den Keller gegangen ist. "Ich hatte Angst und hab' so getan, als wäre nichts; er hat gesagt 'sei froh, dass ich dir nicht den Kiefer gebrochen habe'." Erst als er schlafend mit dem Kopf auf dem Tisch lag und seinen Krug fallen ließ, hätte der Freund sie heimgefahren.

Bilder und Videos als Beweis

Die Freundin hatte von dem Vorfall selbst nichts mitbekommen, weil sie im Keller war, Musik spielte und die Tür geschlossen war. Auch Verletzungen waren ihr nicht aufgefallen, aber die Geschädigte "war völlig aufgelöst und eingeschüchtert". Die Freundin habe ihr erzählt, dass er sie geschlagen habe.

"Ich habe ihn schon aufbrausend erlebt, aber nicht gedacht, dass er schlagen würde", sagte die Zeugin vor Gericht. Sie räumte allerdings ein, dass der Empfang dort zwar schlecht sei, sie aber ihre Mutter hätte anrufen können, wenn ihre Freundin nicht mehr mit gewollt hätte. Beim zweiten Besuch im Keller hätten sie Bilder gemacht und Videos. Die lagen jetzt mit einem ärztlichen Attest über HWS, Prellungen und eine aufgeplatzte Lippe dem Gericht vor.

Weder Staatsanwalt noch Richterin hatten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geschädigten. Sie sei immer noch aufgelöst gewesen, das ärztliche Attest spreche für sich und es habe auch keinen Grund gegeben, warum die Zeugin sich den Angriff hätte ausdenken sollen.

Die Richterin sah keinen Anlass, den Strafrahmen zu mildern, zumal der 22-Jährige bereits sieben Einträge im Strafregister hatte und einschlägig vorbelastet war.

"Wenn Sie Alkohol trinken, fallen bei Ihnen irgendwelche Schalter", sagte sie in der Urteilsbegründung.