Seit der Jahrtausendwende wurde die Bad Kissinger Bildungs- und Begegnungsstätte Heiligenhof in mehreren Bauabschnitten mehrfach erweitert und modernisiert. Zuletzt wurde jetzt das Haupthaus generalsaniert. In diesen 15 Jahren investierte die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk als Träger der Einrichtung etwa zehn Millionen Euro, teilweise gefördert vom Freistaat Bayern.
"Das ist eine ordentliche Summe, war aber notwendig", versichert Geschäftsführer Steffen Hörtler. Am Beispiel der nun abgeschlossenen Sanierung des fast hundert Jahre alten Haupthauses macht er es deutlich: Seit der letzten Modernisierung in den Siebzigern war nicht viel gemacht worden. "Der Zustand im Haus war unhaltbar."


Brandschutz: Schließung drohte

Der Brandschutz war unzureichend, im Winter froren Wasser und Heizung ein, Fußböden und Türen wiesen deutliche Gebrauchsspuren auf und für die Mehrbettzimmer gab es nur Duschräume und Gemeinschaftstoiletten auf den Fluren. Damit lief der Heiligenhof trotz seines anerkannt guten Bildungsangebots und ausgezeichneter Küche bald Gefahr, "als Anbieter aus dem Bildungsmarkt gekippt zu werden", so der Geschäftsführer.
Schon das Fehlen ausreichenden Brandschutzes hätte in nicht allzu ferner Zeit die Schließung des Hauptgebäudes erfordert, ist Hörtler überzeugt. "Dann hätten wir zumachen können." Dies wäre nicht nur für den Träger ein gewaltiger Verlust gewesen, sondern auch für die Stadt Bad Kissingen. Immerhin bringt der Heiligenhof jährlich etwa 40 000 Übernachtungen, davon die Hälfte Kinder und Jugendliche, die anderen 50 Prozent kurtaxpflichtige Erwachsene.
Zudem ist er die einzige Jugendherberge der Kreisstadt. Ideelle Bedeutung für das bayerische Staatsbad hat der Heiligenhof als anerkanntes Zentrum für politische Bildung und Verständigung zwischen West- und Osteuropa sowie als Zentrum für politische Bildung im Rahmen der Lehrerausbildung. Darüber hinaus bietet die Bildungsstätte auch den Kissingern interessante Vortrags- und Seminarprogramme wie kürzlich zum Kriegsgeschehen 1866 oder zum 200. Geburtstag Bismarcks.
Um die drohende Schließung des Heiligenhofs zu verhindern, war bereits 2013 in einem ersten Bauabschnitt für eine Million Euro die umfassende energetische Sanierung des Haupthauses durchgeführt worden, vom Freistaat Bayern mit 340 000 Euro unterstützt. Ein Blockheizkraftwerk wurde gebaut, auf dem Dach eine Solaranlage zur Wasser-Erwärmung installiert. Selbst die Kühlaggregate der Küche stehen dort oben. Hörtler: "Ich wollte die Optik des Hauses nicht verschandeln."


Mehr Platz

Im zweiten Bauabschnitt zwischen Oktober und März wurde nun für 2,5 Millionen Euro die Innensanierung und Neuausstattung bei laufendem Betrieb vorgenommen, diesmal mit einer Million vom Freistaat Bayern und 200 000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung gefördert. Durch den südlichen Anbau einer Fensterachse wurde die Straßenfront des Gebäudes symmetrisch - mit jeweils vier Achsen beidseitig des Eingangs. Im Erdgeschoss ergab sich durch den Anbau mehr Platz für die Verwaltung und in beiden Obergeschossen für vier zusätzliche Zimmer.
Jetzt verfügt das Haupthaus über 27 Mehrbettzimmer (104 Betten), alle mit Dusche/WC. Das neue Treppenhaus brachte im Erdgeschoss mehr Platz für die Rezeption und einen zusätzlichen Gruppenraum (40 Plätze). Noch drei weitere Gruppenräume wurden geschaffen. Sogar der Speisesaal im Erdgeschoss ist jetzt multifunktional ausgebaut und kann im Notfall als Seminarraum (40 Plätze) genutzt werden.


Schnelleres Internet erforderlich

Die größte Baustelle war die Küche mit ihren Nebenräumen im Untergeschoss, das vollständig entkernt werden musste. Zwischenwände wurden versetzt, neue Raumeinheiten geschaffen und nach den Anforderungen eines modernen Arbeitsplatzes ausgestattet. Bis Juli soll für 20 000 Euro der Pkw-Parkplatz an der Zufahrtsstraße erweitert und gepflastert, bis September für 100 000 Euro ein Busparkplatz gebaut werden. Jetzt wartet Heiligenhof noch auf die von der Stadt versprochene Ausbesserung der löchrigen Zufahrtsstraße und auf schnelles Internet. "Heute kommt jeder Tagungsteilnehmer mit Smartphone und Tablet."