Kaufen ist bei Dingen, die man nur einmalig oder selten braucht, oft keine gute Idee. Sie stehen herum und verstauben.

Durchschnittlich 417 ungenutzte Artikel gibt es in hiesigen Haushalten. Würde Deutschlands Durchschnittsbürger seine ungenutzten Gegenstände verkaufen, würden dabei etwa 2025 Euro je Haushalt zusammenkommen. Das zeigt die diesjährige "Circular Economy Studie", die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von eBay-Kleinanzeigen mit wissenschaftlicher Begleitung des Wuppertal Instituts organisiert hat.

"Zukunftshaus" vermietet Dinge

Daher wäre es sinnvoll, wenn man sich den Dörrautomat, die Stichsäge oder das Fensterreinigungs-Equipment bei Bedarf in der Nähe leiht und zurückbringt, wenn man sie nicht mehr braucht. In Würzburg geht das. Dort hat im Oktober das "Zukunftshaus" in der Innenstadt eröffnet. Es ermöglicht nachhaltiges Einkaufen, Reparieren, Tauschen und Mieten.

"Ob das auch in einer Kleinstadt auf dem Land klappt, kann ich nicht sagen", sagt Matthias Pieper, Vorstand der hinter dem Laden stehenden Genossenschaft. Die Miete sei auf dem Land zwar günstiger, aber es hänge davon ab, ob die Menschen bereit seien, Dinge zu mieten, statt sie zu kaufen. "Das ist eine starke Verhaltensänderung." Es bräuchte außerdem einen Raum, gespendete Gegenstände zum Leihen und eine ehrenamtliche Gruppe, die sich kümmere, zählt Pieper weitere Mindestvoraussetzungen auf.

Auch im Zukunftshaus in Würzburg sei das Vermieten der rund 250 Gegenstände nur ein Teil des Gesamtkonzeptes. Vor allem der Verkauf von nachhaltigen Produkten trage die anderen Bereiche Reparieren, Tauschen und Mieten erst mit. "Dadurch kann ein ganz anderer Umsatz erzieht werden als allein durch Vermietung."

Das Versprechen des Zukunftshauses: "Wir verkaufen das nachhaltigste Produkt, das wir gefunden haben." Das Team habe lange recherchiert, um die Artikel auszuwählen und dabei etwa auf Fragen geachtet wie: "Wo wird ein Produkt hergestellt? Wie ist der Lieferweg? Ist es reparierbar und mit grüner Energie gefertigt?" Etwas Vergleichbares wie in Würzburg gibt es im Landkreis Bad Kissingen nicht.

nebenan.de oder Ebay-Kleinanzeigen

Apps wie nebenan.de oder Ebay-Kleinanzeigen ließen sich zwar theoretisch alternativ dazu nutzen, um ungenutzte Dinge an andere weiterzugeben. Sucht man dort in den Apps aber für den Landkreis Bad Kissingen finden sich - anders als in größeren Städten wie Bamberg oder Würzburg - kaum Menschen, die sich beteiligen. Das macht die Nutzung der Apps unattraktiv.

Die Gemeinden verleihen in der Regel nicht. "Das ist gewerblich gar nicht zulässig als Kommune und wirft auch Haftungsfragen auf", schreibt Thomas Hack, Pressesprecher für die Stadt Bad Kissingen. Ähnlich äußert sich Oerlenbachs Bürgermeister Nico Rogge. Zum einen sei es rechtlich strittig, ob das für eine Kommune zulässig sei, zum anderen müsste das Ganze auch verwaltet werden, sagt er. Ein hoher Kosten- und Zeitaufwand.

Verleih durch Vereine

  • Im Jugend-und Kulturzentrum in Bad Kissingen werden Spielsachen verliehen. In den Weihnachtsferien können dort etwa Brett- und Kartenspiele, Konsolenspiele für Playstation, Xbox und Switch geliehen werden.
  • Über das Kommunalunternehmen des Landkreises Bad Kissingen kann ein Geschirrmobil (privat und gewerblich) ausgeliehen werden, weitere Informationen gibt es hier: abfall-scout.de/privat-geschirrmobil

Außerdem vermieten im Landkreis einige Vereine ihr Equipment untereinander oder an ihre Vereinsmitglieder.

  • Für Vereine und Verbände besteht die Möglichkeit, Materialien über den Kreisjugendring in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Jugendarbeit für Zeltlager, Spielefeste oder Fortbildungsveranstaltungen auszuleihen, teilt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes Bad Kissingen mit.
  • Die Dorfgemeinschaft Zeitlofs GbR verleiht Festzeltgarnituren, berichtet Bürgermeister Matthias Hauke für den Markt Zeitlofs. Einen Kühlanhänger verleihe der Feuerwehrverein in Zeitlofs auf Spendenbasis, die "Grombühler" in Zeitlofs einen WC-Wagen. Beim Feuerwehrverein Rupboden können man sich neben einem Festzelt weitere Festutensilien leihen.
  • Im Markt Oberthulba gibt es verschiedene Vereine, die entweder nur den Mitgliedern oder den Einwohner der jeweiligen Ortschaft verschiedene Gegenstände und Maschinen (z.B. Jagdgenossen - Holzspalter, Vereine - Festzeltbänke, Gartenbauvereine - Hochentaster) ausleihen. Eine Sammelliste gibt es hier im Rathaus nicht, teilt Nicole Wehner von der Geschäftsleitung mit.

Gartengeräte

Bei den "Eigenheimern Poppenlauer" sei der Verleih von Gartengeräten seit Jahrzehnten üblich, berichtet Vorstand Werner Menegoni. Größere Geräte wie etwa ein Gartenvertikutierer seien sehr gefragt. Diese können sich nur Mitglieder ausleihen. Auf der Homepage des Vereins stehen die Mietpreise: Ein Elektro-Vertikutierer kostet drei Euro, die Gartenleiter einen Euro. Sollte ein Gerät defekt sein, entstehen für die Mitglieder keine direkten Kosten. Der Verein hat eine Versicherung, falls durch die Geräte ein Schaden verursacht würde.

Bohrhammer, Heißluft-Pistole oder Teppichreiniger beim Baumarkt

Auch bei Unternehmen wie dem Baumarkt "Hellweg" in Bad Kissingen kann man sich Bohrhammer, eine Heißluft-Pistole oder einen Teppichreiniger ausleihen - je nach Bedarf ein paar Stunden, einen Tag, übers Wochenende oder eine ganze Woche.

Ob sich das finanziell lohnt, lässt sich berechnen, wenn man den Kaufpreis des Gerätes kennt. Bei einem Teppichreiniger kann es durchaus sinnvoll sein, sich diesen übers Wochenende für etwas mehr als 20 Euro zu mieten, anstatt diesen für über 200 Euro zu kaufen. Oft gilt jedoch: Je länger ein Kunde ein gemietetes Gerät behält, desto näher kommt er meist dem Kaufpreis - und steht dann nach Ablauf der Miete ohne Gegenwert da.