Die Baufirma Otto Heil ist eine Traditionsfirma. Allerdings: Uninnovativ ist dort niemand. Das zeigte sich bei einem Pressetermin am Donnerstagnachmittag, bei dem Dorothee Bär (Staatsministerin für Digitalisierung, CSU) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sowie Lokalkolorit der Christ-Sozialen vor Ort waren. Grund war die Einführung des digitalen Bauhofs. Ziel des Konzepts ist, interne Bürokratie abzubauen.

"Die Entwicklung dafür startete vor einem Jahr gemeinsam mit der Telekom", teilte Peter Heil, einer der beiden Geschäftsführer mit. Werkzeuge oder Schalenelemente die wir auf der Baustelle brauchen mussten bislang umständlich mit Lieferscheinen bearbeitet werden. Das gehört bald gänzlich der Vergangenheit an. Das gesetzte Ziel ist, dass bis zum Ende diesen Jahres keine Lieferscheine mehr notwendig sind.

"Wir haben die Teile mit Sendern versehen", erklärte Joachim Feller aus dem Führungsteam der Firma. Diese sind mit einer App auf dem Smartphone synchronisiert. "Läuft ein Bauleiter mit angeschaltetem Betriebshandy dann an dem Gerät vorbei, nimmt die App es automatisch auf." Ein Scannen eines QR-Codes ist nicht notwendig. Die App übermittelt die Informationen, dass das Bauteil oder Gerät auf der Baustelle vor Ort ist dann an eine Plattform. "Jeder der Zugriff hat - also beispielsweise die Buchhaltung, der Polier oder Bauleiter - weiß dann, was alles auf der Baustelle vor Ort ist." Er fügte an: "Die Zettelwirtschaft fällt damit weg."

Zudem sind in der App Zusatzinformationen hinterlegt - etwa Betriebsbanleitungen oder Unfallverhütungsvorschriften. Ähnliche Konzepte gibt es bereits von zwei Bau-Maschinenherstellern. Diese arbeiten jedoch nur mit ihren eigenen Produkten. "Unser System ist herstellerunabhängig."

Im Fokus sind dabei nicht nur große Elemente, sondern auch kleinere Werkzeuge wie Winkelschleifer oder Bohrmaschinen. Der Ministerpräsident zollte dem Konzept seine Anerkennung: "Da kommt nichts weg." Einzige Einschränkung sei laut Feller die Wirtschaftlichkeit. "Ein solcher Sender kostet etwa 30 bis 40 Euro. Bei einem Gerät, das billiger ist, macht eine Installation wenig Sinn." Mittlerweile ist die Telekom als Partner bereits an der Vermarktung des Systems.

Bär wollte wissen, wie es gelang, dass die Mitarbeiter mit der neuen Technik arbeiten. "Anfangs dachten die Mitarbeiter manchmal, dass es sich um Fremdkörper handelt. Dann haben sie es mit dem Hammer abgeschlagen." Das sorgte beim Ministerpräsidenten für Staunen: "Sie haben das einfach so eingeführt ohne etwas zu sagen?" Heil fügte an: "Wir haben die Leute dann geschult. Das System ist dann schnell auf große Akzeptanz gestoßen. Auch weil es von selbst arbeitet."

Bei Oerlenbachs Bürgermeister Nico Rogge stieß das Konzept auf Begeisterung. "Wir sind stolz auf die Leistung dahinter." Weil er den Ministerpräsidenten gleich vor Ort hatte, übergab er ihm noch die Patenschaft für das derzeit entstehende Insektenhotel.