Die ganz jungen Musikfans haben am Freitag den Kissinger Sommer eröffnet. Während am Vormittag im Regentenbau der Probenbetrieb beginnt, versammeln sich 300 Kinder aus der Sinnberg-Grundschule auf dem Marienplatz in Bad Kissingen.
Es herrscht großer Trubel und lautes Geschrei - bis Musikpädagogin Michaela Weißenberger zwei Plastikflaschen über ihrem Kopf im Viervierteltakt gegeneinander schlägt.
Sofort teilen sich die Kinder in acht Gruppen auf; eine folgt Weißenberger, die anderen Gruppen verteilen sich auf verschiedene Routen durch die Bad Kissinger Innenstadt. "Musik kennt keine Grenzen" singen sie am heißen Freitagvormittag vor Cafébesuchern und Verkäuferinnen, und den Refrain: "Kis-ja-kis-ja Kissinger Sommer ... Mach mit!"
"Die Idee kam von Erna Buscham vom Kissinger-Sommer-Büro, und wir waren sofort begeistert", sagt Weißenberger, die bei einer privaten Musikschule angestellt ist und einmal pro Woche in die Sinnberg-Grundschule kommt, um den Kindern "elementare Musik" näherzubringen. "WiM" ("Wir Musizieren") nennt sich das Konzept. "Die Schüler dürfen alle Instrumente ausprobieren", erklärt Weißenberger, "und viel läuft nonverbal, einfach über die Rhythmik." Das Takt-Klopfen mit Flaschen beispielsweise nutzen auf Intention von Weißenberger nun die meisten Lehrer, um die Klasse zu Beginn einer Stunde zu beruhigen.
Und als sich die 300 Kinder am Ende vor dem Regentenbau versammeln ist zu spüren, wie der Takt tatsächlich Ordnung und Ruhe stiftet, bevor alle gemeinsam noch einmal anheben "Musik erfüllt die Herzen ... international", begleitet am Klavier von ihrem Schulleiter Karl-Heinz Deublein.
Die Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger kam ebenfalls, um die Schüler singen zu hören, bedankte sich herzlich und verwies auf die Grenzenlosigkeit des Festes: Für Jung wie Alt gebe es das passende Programm.
Nachdem der Sternenmarsch zu Ende war, belohnte Mauro Zampolli vom Eiscafé Rialto alle 300 jungen Sängerinnen und Sänger mit einem Eis. Lena und Jasmin aus der 4a haben einen Sitzplatz im Schatten ergattert und lassen es sich schmecken. Lena übt oft zu Hause: "Ich singe immer mit meiner kleinen Schwester ,Hoppe, hoppe, Reiter‘", erzählt sie. Jasmin singt auch gerne, allerdings nicht unbedingt klassisch: "Ich mag am liebsten Rock", sagt sie bestimmt. Den Kissinger Sommer möchte sie trotzdem gerne mit ihren Eltern besuchen.
Mittlerweile herrscht im Regentenbau schon überall der übliche Betrieb, auch wenn die Münchner Philharmoniker nach Proben in München erst kurz vor dem Eröffnungskonzert anreisten und es sich durch den anstehenden Intendantenwechsel um ein besonderes Festival handelt.


Reger Probenbetrieb

Letzte Dekorationen waren anzubringen, Stände aufzubauen, vor allem aber kam der Probenbetrieb für die Konzerte schon in die Gänge. So spielte sich schon am Vormittag der 17-jährige Amerikaner Clayton Stephenson für sein "Präludium" ein, um dann seinen Jetlag aus den Knochen zu schlafen. Am Nachmittag trafen sich Fazil Say und Nicolas Altstaedt, um ihre Matinee am Samstag vorzubereiten. Das Festival hatte vom Regentenbau Besitz ergriffen.