Matthias Adrian, Betreiber der Lifte am Arnsberg, klingt (noch) optimistisch: "Wir starten den Betrieb, sobald die Regierung uns erlaubt aufzumachen." Dieser Zeitpunkt - er wird nicht vor dem 20. Dezember sein. Mindestens bis dahin bleiben die Skilifte und Abfahrtspisten an Arns- und Kreuzberg Corona-bedingt zu. Und es könnte noch länger dauern. Bei den Langlaufloipen sieht die Lage ganz anders aus.

Die seit 1. Dezember gültige Neunte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung untersagt "den Betrieb von Freizeitparks und vergleichbaren ortsfesten Freizeiteinrichtungen". Dazu zählen Lifte. "Freizeitaktivitäten dürfen gewerblich weder unter freiem Himmel noch in geschlossenen Räumen angeboten werden", heißt es. Individualsport an frischer Luft - das betrifft Langlauf und Skitouren - bleibt erlaubt.

Weitere Verordnung im Anmarsch?

Adrian rechnet stark damit, dass nach dem 20. Dezember eine weitere Verordnung kommt. Dennoch bereiten er und seine Mitarbeiter alles für die Saison vor. Sie erledigen Wartungsarbeiten an Stützen und Liftmotoren. Und sie hängen restliche Schleppbügel an die Seile.

Ein Hygienekonzept musste Adrian bisher nicht beim Gesundheitsamt Rhön-Grabfeld vorweisen. Was nicht heißt, dass er keines schriftlich niedergelegt hätte. Sollten die Lifte wieder öffnen dürfen, will der Betreiber überall die 1,5 Meter Abstand gewährleisten. Dabei blickt er besonders auf die Wartebereiche vor den Liften, die Kasse und öffentliche WCs. Am Parkplatz will er bald ein Schild mit Hygieneregeln aufstellen.

Öffnung fällt wohl ins Wasser

Adrian hat sich entscheiden, allen Liftnutzern verpflichtend Mund-Nase-Schutz aufzuerlegen, Handschuhe sowieso. "Wir können ja am Lift nicht feststellen, ob die Menschen aus einem Haushalt stammen oder nicht." Die Gefahr, dass sich ausgeatmete Aerosole bei der Auffahrt unkontrolliert verteilen, sieht der Bischofsheimer nicht. Die Bügel hängen 22,5 Meter auseinander. Sitzgondeln oder Kabinen haben die Arnsberglifte nicht.

Der Liftbetreiber hofft zwar, dass über Weihnachten ordentlich Schnee fällt und dann die Wintersportler kommen. Ob es viele werden, lasse sich "ganz schwer einschätzen". Einerseits würden viele Einheimische in Deutschland bleiben und nicht etwa ein bis zwei Tage in die Alpen fahren. Andererseits sagt Adrian angesichts einer drohenden Verlängerung des Lockdowns über die Feiertage. "Die Öffnung fällt wohl ins Wasser."

Betreiber der Kreuzberglifte wartet ab

Die Hinweisschilder mit den Hygieneregeln hat Thomas Fuß, Betreiber der Kreuzberglifte, bereits in Auftrag gegeben. Fuß will abwarten, was die Politiker entscheiden und die Vorschriften dann umsetzen. Auch wenn er nicht ganz nachvollziehen kann, warum die Leute zwar Bus und Bahn fahren dürfen, nicht aber Skilift. "Im Schlepplift selber steckt sich keiner an."

Ob der Lockdown 2021 verlängert wird, ob ihm Beschränkungen im Ausland mehr Besucher an die vielleicht offenen Lifte spülen, wie die Schneelage sein wird - Thomas Fuß will es nicht bewerten. Für einen Liftbetrieb rund um Weihnachten sieht er schwarz. Ob danach geöffnet werde, hänge davon ab, wie diszipliniert sich die Leute an den Feiertagen verhielten.

Wirtschaftliche Folgen

Der Stillstand an den Liften trifft den Bischofsheimer. Denn der Betrieb generiert Teile seines Einkommens; den Rest steuert eine Landwirtschaft bei. Vergangenen Winter verbuchte Fuß eineinhalb Lifttage. Nun hofft er auf die Impfungen.

Keinen einzigen Lifttag gab es im Winter 2019/20 für Matthias Adrian. Er sieht die Arnsberglifte zwar als Hobby. "Das hat uns aber in den vergangenen Jahren durch den Unterhalt der Infrastruktur viel Geld gekostet." Ansonsten lebt der Bischofsheimer von einer Elektrofirma und einem Campingplatz.

In Hessen gelten vergleichbare Regelungen wie in Bayern.

Ski- und Rodelarena auf der Wasserkuppe

Auch die Ski- und Rodelarena auf der Wasserkuppe bleibt nach jetzigem Stand als Freizeitanlage bis mindestens 20. Dezember dicht. Phillip Maethner, Marketingverantwortlicher des Betreibers Wiegand Erlebnisberge GmbH, hofft auf Öffnung noch in dieser Saison. "Wir sind vorbereitet." Dass die derzeitige Situation für den Betreiber wirtschaftlich nicht förderlich sei, liege auf der Hand, so Maethner. Er findet es traurig, dass das Erlebnis Schnee den Familien und Kindern entzogen ist.

Nicht eingeschränkt ist der individuelle Betrieb auf den Rhöner Loipen. Das Landratsamt Bad Kissingen meldet: "Die Trassen wurden gemäht, freigeschnitten und entsprechende Schilder aufgestellt. Das Loipenspurgerät ist einsatzbereit." Allein an Kreuzberg, in den Schwarzen Bergen und Langer Rhön stehen 161 Pistenkilometer zur Verfügung. Genug Platz also. Warteschlangen wie an den Liften befürchtet keiner.

Gedränge und Überlastung

Trotzdem glaubt Steffen Korell, Bürgermeister im hessischen Gersfeld, an Überlastung und Gedränge. Nicht im weitläufigen Loipenzentrum am Roten Moor, für dessen Betrieb seine Stadt und der Landkreis Fulda zuständig sind. Aber auf dem Parkplatz am benachbarten Nabu-Zentrum. Der ist schon an "normalen" Feiertagen und Wochenenden überlastet. "Die Saison wird uns wegen der zu erwartenden Massen an Menschen vor Herausforderungen stellen." Der logistische Kollaps drohe.

Korell klärt gerade mit dem Landkreis ab, was am Loipenzentrum geht und was nicht. Es wird wohl bald öffnen, auch wenn der Mangel an Schnee noch kein Loipenspuren zulässt. Der Gersfelder appelliert an die Sportler, Abstand zu halten.

Nicht neben der Spur laufen

Klaus Spitzl, Geschäftsführer des Naturparks Bayerische Rhön, möchte lieber keinen Ansturm von Langläufern voraussagen. Das hält er für zu spekulativ. Er gibt zu bedenken, dass nordischer Skisport Ausrüstung, Fitness und Können erfordern. Nicht jeder besitze das. Spitzl appelliert an die Besucher vor allem der Langen Rhön, auf den vorgegebenen Routen zu bleiben.

Dort herrsche Wegegebot; die Ruhegebiete für die Wildtiere seien zu schützen. Es stecke jedes Jahr viel Arbeit in der Ausweisung der Loipen. Man müsse nicht querfeldein fahren. So passt das Motto der Naturschützer auch auf die Corona-Situation: "Sei nicht neben der Spur."