Im März besteht die Pfarrbücherei in Aschach seit 30 Jahren. Gefeiert wird aber erst am 4. Oktober mit mehreren Lesungen für Jung und Alt. Von Beginn an waren Leiterin Barbara Seufert und Thea Hartl als ehrenamtliche Bibliothekarinnen dabei. Vor 15 Jahren kam die damalige Lehramtsanwärterin Silke Hehn als Dritte hinzu.
Am 3. März 1985 öffnete die Katholische Öffentliche Bücherei Aschach, wie die Pfarrbücherei offiziell heißt, zum ersten Mal im damaligen alten Pfarrheim ihre Türen. Den Raum musste sie sich noch mit dem Kirchenchor und der Jugendgruppe teilen. Erst drei Jahre später konnte man ins neue Pfarrheim umziehen.

Mit gerade mal 400 Bücher aus dem Altbestand der längst verwaisten Volksbücherei gingen Seufert und Hartl an den Start. Nicht alle entsprachen dem Zeitgeschmack. Es waren überwiegend religiöse Titel oder Heimatromane von Ludwig Ganghofer. "Bücher, die niemand mehr ausleihen wollte", erinnert sich Thea Hartl an diese Anfangszeit.

Unbrauchbares aussortiert

Der unbrauchbare Buchbestand wurde bald aussortiert und mit bescheidenen Finanzmitteln wurden ein paar Neuausgaben angeschafft. "Den Ganghofer mussten wir aber noch ein paar Jahre mitschleppen", schmunzelt Seufert, obwohl erwachsene Leser damals nicht die wichtigste Kundengruppe waren. "Es kamen schon immer mehr Kinder und Jugendliche." Für die Mädchen waren "Trotzkopf" und "Nesthäkchen" angesagt, für die Jungs noch immer Karl Mays Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand. Zum Jahresende 1985 verzeichnete die Pfarrbücherei einen Bestand von 477 Büchern, 77 Lesern und 508 Entleihungen.

30 Jahre später konnte Seufert das Jahr 2014 mit knapp 2550 Entleihungen als erfolgreichstes seit Gründung der Pfarrbücherei melden, sogar mit einem sprunghaften Anstieg von fast 25 Prozent zum Vorjahr. Noch immer ist der Medienbestand schwerpunktmäßig auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Der ursprüngliche Bildungsauftrag, weshalb die Pfarrbücherei einst von Ortspfarrer Hugo Link gegründet worden war, ist also noch immer gegeben, auch wenn dies nicht mehr so offensichtlich ist und der heutige Medienbestand aus 2600 Büchern und 60 Hörbüchern ebenso wie die 90 Spiele eher der Unterhaltung der Entleiher dienen soll und sich nicht von dem öffentlichen Büchereien unterscheidet. "Die Bücherei ist für Menschen, die sich nicht so viele Bücher leisten können oder wollen", sieht Hartl als Aufgabe.

Viele Angebote für die Kinder

"Uns ist aber noch immer die Leseförderung der Vorschulkinder und Grundschüler wichtig", versichert Seufert. Die Pfarrbücherei steht deshalb im regen Austausch mit den Bockleter Kindergärten. Auch die monatlichen Vorlesestunden in der Bücherei und bestimmte Aktionen wie "Bad Bocklet greift zum Buch" oder der bundesweite Vorlesetag sollen die Kleinen für Bücher begeistern. Damit liegt Seufert auf der offiziellen Linie der katholischen Kirche: "Lesefähigkeit ist die Voraussetzung zur Denk- und Sprachfähigkeit und damit auch die Voraussetzung zu einem gelingenden Leben", heißt es im Praxishandbuch für katholische Büchereien.

Gängige Unterhaltungsliteratur

Um diesem Bildungsauftrag gerecht zu werden, bedient sich auch die Pfarrbücherei heute gängiger Unterhaltungsliteratur, sieht man von den 600 Sachbüchern im Bestand einmal ab. "Früher wurden Sach- und Kochbücher oder Bastelanleitungen nachgefragt", weiß Hartl noch. Solche Bücher sind durch das Internet längst überflüssig geworden. Heute sind aktuelle Romane, vor allem Thriller und Fantasy angesagt, gelegentlich auch Regionalkrimis. Seufert: "Thriller werden von Männern und Frauen gleichermaßen gelesen." Frauen sind bei der erwachsenen Kundschaft zwar weit in der Überzahl, aber "echte Liebesromane werden nur noch selten gesucht".

Etwa 1500 Euro hat die Bibliotheksleiterin jährlich für Neuanschaffungen zur Verfügung. Die Summe setzt sich aus Entleihgebühren, Zuschüssen der Kirchengemeinde und des Rathauses sowie gelegentlicher Unterstützung durch Sponsoren zusammen. Welche Bücher gefragt sind, weiß Seufert aus eigener Recherche und aktueller Nachfrage ihrer Leser. "Neue Leser bringen neue Impulse." Bestellt wird dann über die Diözese, die alle Neuanschaffungen gleich in Plastik eingeschweißt und mit Entleihkarte liefert. Zusätzlich wird mit den Pfarrbüchereien in Steinach und Garitz getauscht. Manchmal hat Seufert auch Glück und bekommt Neuerscheinungen direkt von den Verlagen kostenlos. Denn jedes Jahr schreibt sie Bettelbriefe an etwa 20 Verlage.

"Ganz schön stark"

Barbara Seufert, Thea Hartl und Silke Hehn dürfen stolz auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Pfarrbücherei Aschach sein: Heute gehören 167 Entleiher zu ihren Kunden, davon 107 Kinder, 52 Leser zwischen 13 und 59 Jahren sowie acht Leser über 60 Jahre. Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Selbstbewusst beschreibt sich die Pfarrbücherei Aschach deshalb so: "Wir sind nicht die Größten, aber trotzdem ganz schön stark."