Die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr besteht an zwölf Monaten, 52 Wochen, 365 Tagen und 8 760 Stunden im Jahr. Schriftführerin Sandra Albert bemühte die Statistik bei der jüngsten Generalversammlung der Bad Kissinger Wehr, um den Umfang der Leistung zu verdeutlichen, die eine Feuerwehr abliefern muss. Dazu gehört noch mehr: Technik, Ausrüstung und Einsatzspektrum haben sich in den Jahren stark verändert, ließ sie wissen. Reichten früher einfache Hilfsmittel wie Eimer, Leiter und Reißhaken, so ist eine Feuerwehr heute eine zum Teil hochspezialisierte und gut ausgerüstete Truppe, "die Feuerwehr ist heute schon lange nicht mehr nur zum Löschen da".


Ein Aufzug steckte fest

Für Kommandant und Stadtbrandinspektor Harald Albert war dieser Satz seiner Schriftführerin das Stichwort zum vorerst jüngsten Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kissingen: Am Freitagvormittag war ein Aufzug steckengeblieben. Eigentlich eine Bagatelle, denn in jedem Aufzug ist die Hersteller-, bzw. Wartungsfirma vermerkt. Von dort bekam der Anrufer jedoch die Mitteilung "Sie haben bereits seit drei Jahren keinen Wartungsvertrag mehr mit uns, rufen Sie die Feuerwehr". Die Feuerwehr kam.
Zu Hilfe gerufen wurde die Kernstadtwehr im vergangen Jahr 218 Mal und rückte mit Blaulicht und Martinshorn aus. So war es nicht verwunderlich, dass Sandra Albert bereits vorab erwähnt hatte, dass das Geräusch der Sirene, oder des Martinshorns eines Einsatzfahrzeuges für jene, die auf Hilfe warten, ein schönes Geräusch ist. "Denn sie wissen, nun kommt Hilfe". Bei diesen 218 Einsätzen ging es zu insgesamt 30 Brandfälle, vom Brand einer Mülltonne in der Kurhausstraße bis hin zum Großbrand eines Sägewerkes in Untererthal. 114 Mal rückte die Wehr zu technischen Hilfeleistungen aus, wobei die Raum- und Wohnungsöffnung bei akuter Gefahr mit 24 Einsätzen einer der häufigsten Einsatzgründe war. Ebenfalls zu 24 zum Teil sehr schweren Verkehrsunfällen musste die Wehr ausrücken und Verletzte und Tote aus den Fahrzeugen bergen.
Über 50 Mal rückte nur ein kleiner Teil der Wehr aus, da Brandmeldeanlagen anschlugen, oder auch zweimal ein böswilliger Alarm ausgelöst wurde. Zu diesen 218 Einsätzen, die fast ausschließlich über die integrierte Rettungsleitstelle in Schweinfurt koordiniert wurden, kamen weitere 140 angekündigte Sicherheitswachen bei Großveranstaltungen im Theater, Regentenbau, Luitpoldpark, Eishalle und beim Rakoczyfest. Insgesamt also 358 Einsatze, oder grob gerechnet ein Einsatz pro Tag, so Harald Albert.


180 Mitglieder

Und weil er es gerade mit Zahlen hatte: 180 Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Bad Kissingen, davon sind 66 aktive Feuerwehrdienstleistende und sieben Feuerwehranwärter. Von den 66 Aktiven waren zu dieser Generalversammlung 96 Prozent gekommen. Eindringlich mahnte Albert, dass es "bei der Größe der Wehr und ihrer vielfältigen Aufgaben" nötig sei, um auch in Zukunft die Einsatzbereitschaft weiter zu gewährleisten, einen weiteren Mann vom städtischen Servicebetrieb zur Feuerwehr abzustellen". Mit dieser Einstellung müssten die Weichen für die Zukunft der Kissinger Wehr gestellt werden. Und so "müsse dieser Mann aus den Reihen der Feuerwehr kommen und er müsse bereit sein, neben der Arbeit als Gerätewart, Führungsaufgaben und Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz zu übernehmen".
Er selbst, Harald Albert, sei an seiner äußersten Belastungsgrenze mit seiner Regelarbeitszeit und zusätzlichen 25 Stunden pro Woche "freiwilliger Arbeitszeit für die Feuerwehr" angekommen. "Es geht nicht mehr, es muss Unterstützung kommen", so der Tenor des Kommandanten, der dieses Thema nun schon seit Jahren anspricht.


Kissinger Wehr ist führend

Michael Wolf, Stadtbrandmeister und stellvertretender Kommandant, erklärte ergänzend, dass so gut wie fast jeden Werktag irgendwelche Übungen, Schulungen oder Unterweisungen für die Aktiven durchgeführt wurden. Zudem habe es viele Veranstaltungen gegeben, bei denen die Feuerwehr präsent, aber gar nicht zu sehen war. Großen Raum nahm in den Schulungen der neue Digitalfunk ein und somit sind die Kissinger Feuerwehren hier einmal mehr führend.


"Wir sind stolz auf euch"

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) betonte, dass "der Besuch von 96 Prozent der Aktiven zur Truppe passe". Vor allem aber eines stellte das Stadtoberhaupt klar: "Ohne Feuerwehren gäbe es auch keine Kultur in der Stadt". Die Feuerwehren, und hier schloss er die Stadtteile mit ein, seien ein Standortfaktor, denn "wie sollten wir Rehapatienten und Kurgäste aufnehmen, wenn wir keine Sicherheit bieten könnten", sagte er. Ausdrücklich wies er darauf hin: "Wir, also alle 31 Stadträte, sind stolz auf euch 'positiv Verrückte', die ihr einen Großteil eurer Freizeit dieser Vereinigung opfert".
Für die Kreisbrandinspektion sprach Steffen Kiesel ein kurzes Dankeschön und für die anderen "Blaulichtorganisationen" traten Erster Polizeihauptkommissar Christian Pörtner (Polizeiinspektion Bad Kissingen) und Dr. Alexander Siebel (Rotes Kreuz) ans Rednerpult. Eine besondere Ehre für Oberbürgermeister Kay Blankenburg war nicht nur, dass er das Ehrenabzeichen in Silber für besondere Verdienste um die Feuerwehr der Stadt Bad Kissingen erhielt, sondern auch, dass er die beiden Führungskräfte Michael Wolf und Harald Albert zum Brandmeister, bzw. Hauptbrandmeister befördern konnte. "Es ist mir nicht nur eine Freude, sondern eine Ehre diesen beiden Urgesteinen diese Auszeichnung überreichen zu dürfen, denn, dies sei mehr als eine Vollzeitstelle, die die beiden hier ehrenamtlich besetzten".