"Mo Li Hua" ist ein bekanntes chinesisches Volkslied. Dieses Lied, das die Schönheit der Jasminblüte bewundert, klingt perfekt auf der deutschen Veeh-Harfe. In den kommenden zwei Wochen werden die Mitglieder der Veeh-Harfengruppe das Stück einstudieren. "Mo Li Hua" wird eines der Lieder sein, das die Gruppe zur Eröffnung und zum Abschluss ihrer China-Reise spielen wird.

Festival für Menschen

Die
Veeh-Harfengruppe der Nüdlinger Lebenshilfe-Werkstatt startet am 18. Oktober zu einer Konzertreise ins Reich der Mitte. Dort nehmen die Akteure am Festival "Makellos" teil. Es ist ein Kultur-Festival für Menschen mit und ohne Behinderung. Dass die Nüdlinger Veeh-Harfengruppe überhaupt nach China reisen kann, hat sie ihrer eigenen Beharrlichkeit und Energie, aber auch vielen Unterstützern zu verdanken.
Als im Herbst 2013 die Einladung zum Festival kam, sei der erste Gedanke gewesen: "Schade, zu weit weg", erinnert sich Sonja Eußner. Doch Rosemarie Schmitt konnte ihre Mitspielerinnen überzeugen, dass man es wagen sollte. "Peking klingt gut", fand auch der Werkstattleiter Martin Denninger und machte den Initiatorinnen Mut, sich an die Planung heranzuwagen; allerdings hatte er anfangs auch ein paar unruhige Nächte, ob alles klappt, gesteht er ein.

Nachhaltiges Erlebnis

Die Veeh-Harfengruppe kennt das Makellos-Festival von vorherigen Treffen. Die Teilnahme sei ein besonderes Erlebnis für alle, findet Rosemarie Schmitt, die mit ihrem Sohn Florian die Reise antreten wird. Das erste Festival fand in Osterburken und das zweite in Fribourg (Schweiz) statt. An beide Veranstaltungen haben die Mitglieder der Gruppe nur beste Erinnerungen. "Die Achtsamkeit geht unter die Haut", sagt Rosemarie Schmitt. Deshalb freuen sich die Männer und Frauen der Nüdlinger Veeh-Harfengruppe darauf, wieder Freunde zu treffen.
Das bestätigt Alexander, einer der behinderten Musikanten in der Gruppe. Er hofft, dass er Bekannte treffen wird, die er in Fribourg kennen gelernt hat. Damit das klappt, stecken seit Januar die Verantwortlichen in der Vorbereitung. Wichtigster Punkt: Die Reise muss finanzierbar sein. Für die Nichtbehinderten Gruppenmitglieder war klar, dass sie ihre Reise selbst bezahlen. Den Behinderten ist das nicht möglich. "Da wird schon der Reisepass für 69 Euro schwierig", sagt Sonja Eußner.

Unterstützung

Zwischenzeitlich jedoch steht die Finanzierung - auch dank einer großen Spende der "Aktion Mensch". 5000 Euro wurden der Lebenshilfe speziell für dieses Projekt zuerkannt. Die "Aktion Mensch" hat in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Inklusion gerichtet. Die Arbeit der Veeh-Harfengruppe und auch das Makellos-Festival sind Beispiele dafür. "Musik ist Therapie", findet Rosemarie Schmitt. Die leisen, zarten Töne der Veeh-Harfe bringen nicht nur die Seelen der behinderten Musiker zum Klingen. Auch für die Nichtbehinderten sind die Proben und gemeinsamen Auftritte Balsam. "Hier muss man sich nicht verstellen und kann sein, wer man ist", betont Sabine Hegenhan.

Spende eines Kommunionkindes

Zusätzlich zur Spende von Aktion "Mensch" helfen zahlreiche Zuwendungen aus der Region mit, dass aus dem Traum der China-Reise jetzt Wirklichkeit wird. Sehr berührt hat Rosemarie Schmitt die Spende eines Premicher Kommunionkindes. Als das Mädchen von seiner Mutter von der China-Reise gehört hatte, spendete es 20 Euro seines Kommuniongeldes.
"Auch die Gruppe war sehr fleißig", ergänzt Sonja Eußner. Mehr als 20 Auftritte hatten die Veeh-Harfenspieler seit Januar. Und so langsam steigt das Reisefieber, bekennt Sabine Hegenhan. Seit Montag wissen die Teilnehmer, dass sie im chinesischen Staatstheater auftreten werden. Ein weiteres Konzert ist in der "Bejing Royal School", ein weiteres in einem Hotel geplant. Das erste Konzert wollen sie mit dem Stück "Freude schöner Götter Funken beginnen" und mit "Nehmt Abschied Brüder ungewiss" will sich die Gruppe verabschieden. So viel steht schon fest.

Zwölf Tage unterwegs

Doch noch immer gibt es organisatorische Fragen zu klären. Seit Monaten steht die Werkstatt in Nüdlingen im Kontakt mit den chinesischen Veranstaltern. "Wir glauben, dass es ein Erlebnis wird, und dass es uns nachhaltig prägt", meint Rosemarie Schmitt. Sabine Hegenhan hat derweil Essstäbchen mitgebracht, damit sich jeder schon mal auf das ungewohnte Essbesteck einstellen kann. Von Jürgen Heckelmann aus Waldfenster haben sich die Teilnehmerinnen die wichtigsten Verhaltensregeln erklären lassen. In den nächsten Tagen möchte sich die Veeh-Harfengruppe noch chinesische Visitenkarten drucken lassen, um den Gastgebern damit den persönlichen Respekt zu bekunden. An viele Kleinigkeiten muss man denken.

Ein "Leuchtturm" ist dabei

In China wird die Veeh-Harfengruppe mit fünf behinderten und fünf nichtbehinderten Musikern vertreten sein. Stellvertretender Werkstattleiter Gerd Bieber fliegt mit - "unser Leuchtturm", scherzt Rosemarie Schmitt angesichts der stattlichen Größe von Gerd Bieber. Die ersten Tage der zwölftägigen Tour stehen ganz im Zeichen des Festivals. Am Ende bleibt dann noch ein wenig Zeit, die vielen Sehenswürdigkeiten Pekings und die große Chinesische Mauer zu sehen.