Es ist gesund, gut für den Klimaschutz, es kostet nichts und man muss nicht lange nach einem Parkplatz suchen: Radfahren bietet viele Vorteile. "Es ist ein allgemeiner Trend geworden, das Rad zu benutzen", sagt Polizeikommissar Florian Heuring.

Immer beliebter werden sogenannte Pedelecs. Das sind Fahrräder mit elektrischer Unterstützung beim Treten bis 25 km/h und einer maximalen Leistung von 250 Watt. Umgangssprachlich werden sie oft als E-Bikes bezeichnet.

Heuring ist Sachbearbeiter für Verkehr der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Er ist für den Landkreis zuständig und kennt die neusten Zahlen, wie viele Radunfälle es im Jahr 2019 gab.

Für den Bereich der Fahrradfahrer (ohne Motor) gibt es für den Dienstbereich der Polizei Bad Kissingen gute Nachrichten. In der Verkehrsbilanz für das Jahr 2019 heißt es: Die Anzahl der Radfahrunfälle und der dadurch verletzten Personen ging um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Dies gilt für den Dienstbereich der Polizei Bad Kissingen, die für Bad Kissingen und die umliegenden Gemeinden wie Maßbach, Burkardroth oder Bad Bocklet zuständig ist.

Verheerende Entwicklung in Bad Brückenau

Der regionale Vergleich zeigt, die Entwicklung ist nicht überall im Landkreis so positiv: "Verheerend" sei sie laut der Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Die Zahl der Fahrrad- und Pedelecunfälle habe sich verzehnfacht. 2019 musste die Polizei Bad Brückenau 20 Unfälle aufnehmen. Es gab elf Leichtverletzte und neun Schwerverletzte.

"Von schwer verletzt spricht man meist, wenn die Person eine Nacht im Krankenhaus verbringen muss." Leicht verletzt umfasse meist Schürfwunden und leichte Prellungen, erklärt Heuring.

Eine Verzehnfachung der Unfälle, das klingt dramatisch. Dennoch lassen sich die Zahlen einordnen, wenn man sich die Zahlen aus 2018 ansieht. Damals gab es nur zwei Unfälle, die in die Bad Brückenauer Statistik eingingen.

Auch in Hammelburg mehr Unfälle

Im Bereich der Dienststelle Hammelburg krachte es ähnlich häufig wie in Bad Brückenau: Die Anzahl der gemeldeten Fahrradunfälle (normales Rad und Pedelec) ist von 14 auf 19 Unfälle gestiegen.

Zum Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Hammelburg gehört die Stadt Hammelburg, Elfershausen, Euerdorf, Oberthulba, Sulzthal sowie Aura a.d. Saale, Fuchsstadt, Ramsthal und Wartmannsroth.

Obwohl die Unfallzahlen in Bad Brückenau und Hammelburg im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind - und in Bad Kissingen gefallen - kommt es im Dienstbereich der Polizei Bad Kissingen zu den meisten Unfällen.Besondere Straßenkreuzungen oder Orte, an denen überdurchschnittlich viele Unfälle stattfinden, hat die Polizei nicht festgestellt. "Jedoch waren fast alle Unfälle im Stadtgebiet von Bad Kissingen", teilt Heuring mit.

Insgesamt gab es 40 Radunfälle (normales Rad und Pedelec). Bei 25 Verkehrsunfällen fuhr der Fahrer mit einem Rad ohne elektrische Unterstützung. Elf Personen seien schwer, zwölf leicht und zwei gar nicht verletzt worden, so Heuring.

Oftmals eigene Fahrfehler

Bei der Hälfte der Unfälle stürzte der Radfahrer aufgrund eines eigenen Fahrfehlers, andere Verkehrsteilnehmer waren nicht beteiligt. Eine Besonderheit: "Ein Radfahrer stürzte, weil er einem Feldhasen ausweichen musste", teilt Heuring mit.

Mehr Unfälle mit Pedelecs

Eine weitere wichtige Entwicklung wird an den Zahlen deutlich: Der Anteil der Unfälle mit Pedelecs ist in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen, berichtet Heuring. Waren im Jahr 2015 noch zwei Unfälle mit Beteiligung eines Pedelecs zu verzeichnen, stieg die Zahl im Jahr 2018 auf 14. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 15 Unfälle registriert, wobei sieben Personen schwer und sechs Personen leicht verletzt wurden. In Bereich der PI Bad Brückenau waren sieben Mal Pedelec-Fahrer an den insgesamt 20 Unfällen beteiligt. Die PI Hammelburg erfasste vier Pedelec-Unfälle.

Viele ältere Menschen beteiligt

"Auffällig ist das Alter der Unfallbeteiligten", sagt Heuring. Bei 13 Unfällen in Bad Kissingen war der Pedelec-Fahrer über 55 Jahre alt. Das Problem: Die Unfälle ließen sich vermeiden, denn es zeigt sich, dass bei elf Unfällen der Fahrer stürzte, weil er selbst - ohne Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer - einen Fehler machte.

Heuring nennt als Beispiel etwa einen Unfall, bei dem eine Radfahrerin am Berg die Vorderbremse betätigte. Über die starke Bremswirkung war sie überrascht und stürzte.

Bei einem anderen Unfall stellte die Polizei im Rahmen der Unfallaufnahme fest, dass der Pedelec-Fahrer Alkohol getrunken hatte. Der Fahrer war mit 1,69 Promille vom Rad gestürzt.

Zu oft ohne Helm unterwegs

Bei fast der Hälfte der in Bad Kissingen erfassten Radunfälle (Fahrrad und Pedelec) trug der Fahrer keinen Helm. In Deutschland besteht keine Helmpflicht. Dennoch sagt Heuring: "Das Wichtigste ist der Helm!" Fahrradunfälle ohne Helm endeten meist mit deutlich schlimmeren Folgen - nicht nur bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw.