Wegen Versäumnissen in der Vergangenheit dauern die notwendigen Untersuchungen für die geplante Sanierung des Kindergartens in Großwenkheim wesentlich länger als ursprünglich geplant. Deshalb wird der Baustart nicht vor Beginn nächsten Jahres erfolgen können, wie Architekt Christian Küster in einem Aktenvermerk der Stadt Münnerstadt mitgeteilt hat. Daraus resultierend ergibt sich eine Kostenerhöhung um 40 Prozent, die Sanierung wird also voraussichtlich mit 1,4 statt einer Million Euro zu Buche schlagen. Auch beim alten Rathaus, wo die Kinder während der Sanierung betreut werden, gibt es Nachholbedarf.

Die Kinderbetreuung ist der Stadt Münnerstadt schon seit einigen Jahren lieb und teuer. Erst bekam der Münnerstädter Kindergarten eine Krippe, es folgten entsprechende Umbauten in Brünn und Reichenbach. In Großwenkheim, wo man mangels Kindern zwischenzeitlich schon über eine Schließung nachgedacht hatte, ist der Bedarf so groß, dass dort nun auch saniert und umgebaut wird, wodurch Platz für eine zweite Gruppe entsteht und damit Kleinkinder betreut werden können.

Architekt Christian Küster (Kitzingen), der schon die Umbauten in Brünn und Reichenbach in der Hand hatte, stellte vor einiger Zeit dem Stadtrat das Vorhaben vor, das Geld ist im Haushalt eingestellt, die Sanierung hätte bald beginnen können. Bürgermeister Michael Kastl musste nun dem Gremium mitteilen, dass eine "extreme Kostenerhöhung" ins Haus steht. Die ist hauptsächlich auf eine Zeitverzögerung zurückzuführen. Der Grund: Früher wurden die Kinder im Erdgeschoss betreut, die Wohnung darüber war der Schwester vorbehalten, die die Kleinen hütete. Später wurde versäumt, für das Obergeschoss eine Nutzungsänderung zu beantragen.

Bei den Vorbereitungen für die Sanierung ist das aufgefallen. Die Anforderungen an Betreuungsräume eines Kindergartens sind natürlich anders als bei einer Wohnung. Die Statik sei ausreichend, informierte der Bürgermeister, der Brandschutz sei das Problem. Weil entsprechende Untersuchungen teilweise in den Ferien gemacht werden müssen, wenn keine Kinder da sind, ist mit einem Baubeginn nicht vor nächstes Jahr zu rechnen. Durch die extremen Preiserhöhungen in der Baubranche entstehen die enormen Mehrkosten.

Bei Neubauten seien die Preise genauso gestiegen, führte der Bürgermeister bei der jüngsten Stadtratssitzung ins Feld. Der Großwenkheimer Kindergarten sei ein ortsbildprägendes Gebäude, deshalb sollte man trotz der Preissteigerung bei dem Vorhaben bleiben, was die Stadträte genauso sahen. Arno Schlembach verwies noch darauf, dass mit den gestiegenen Baukosten auch der Anteil der Fördermittel steigt. Damit war das Thema erledigt. "Das war der eine Punkt", sagte Michael Kastl und ging zum nächsten Problem über.

Während des Umbaus des Kindergartens werden die Kinder im ehemaligen Rathaus betreut. Das Gebäude war ab 2010 für die Feuerwehr hergerichtet worden, 2013 verkaufte die Stadt das sehr nah stehende Nachbarhaus. Auch da wurde etwas versäumt. "Wir müssen eine gewisse Brandschutzqualität zum Nachbargebäude herstellen", sagte der Bürgermeister. Vier Möglichkeiten standen zur Auswahl, die preisgünstigste Variante war eine Nachbesserung an den Fenstern für 13.050 Euro. Dafür entschied sich der Stadtrat. Johannes Röß meinte, dass das alles zwar ernüchternd gewesen sei, aber jetzt werde Ordnung geschaffen. "Man stößt immer wieder auf solche Dinge." Geklärt werden musste dann nur noch, wie die jeweiligen Kosten im Haushalt dargestellt werden.

Kommentar

von Thomas Malz

Augen zu und durch

400.000 Euro Mehrkosten für den Umbau und die Sanierung des Kindergartens. Das ist schon eine heftige Summe. Und das mehr oder weniger nur, weil irgendjemand irgendwann gewaltig geschlafen hat. Und nun? Man könnte sich jetzt natürlich trefflich darüber streiten, wer, wann gehörigen Mist gebaut hat, und ich bin mir ziemlich sicher, dass genau das noch vor wenigen Jahren passiert wäre. Mit welchem Ergebnis? Es wäre Porzellan zerschlagen worden, es hätte Streit gegeben und am Ende wäre doch nichts dabei herausgekommen, außer dass es noch länger gedauert hätte und damit noch teurer geworden wäre. Früher sind manche Dinge einfach anders geregelt worden. Das ist nicht schön, aber es ist eben so. Eigentlich ist es ganz einfach: In Großwenkheim werden Krippen- und Kindergartenplätze gebraucht und das Gebäude muss ohnehin dringend saniert werden. Also wird umgebaut, auch wenn es jetzt 1,4 Millionen Euro kostet. "Augen zu und durch" heißt in diesem Fall die Devise. Mit ihrem einstimmigen Beschluss haben die Stadträte gezeigt, dass sie auch bei unangenehmen Dingen die Sache im Blick behalten.