Seit 1. Oktober steht das Kurhausbad leer, und der Freistaat sucht nach einer Verwendung für das denkmalgeschützte Gebäude. Dabei hat München auch die Stadt Bad Kissingen um Vorschläge gebeten - und zwar schon bis Jahresende. Also schrieb der Stadtrat in seiner letzten Sitzung des Jahres 2014 einen Wunschzettel, den die Stadt Finanzminister Markus Söder unter den Weihnachtsbaum legt.

Denkmalschutz hat Vorrang

"Das Konzept sollte interessant für Gäste und Bürger sein und den Denkmalschutz berücksichtigen", verwies Wirtschaftsförderer Michael Wieden auf Grundsätze seines Konzeptes (siehe Info-Kasten). Die Stadt solle "möglichst keine Fliese anrühren" habe er als Vorgabe vom Freistaat bekommen. Während die Mittelgänge der Badekabinen durchweg erhalten werden müssten, könnten die Trennwände versetzt werden.
Ein Ziel Wiedens ist, möglichst viel Bausubstanz neu zu nutzen: Das jetzige Tauchbecken solle ein Kneipp-Becken werden, der Moor-Keller wird zum Maschinenraum und im Untergeschoss könne er sich Bars vorstellen: "Das wäre mit Sicherheit einzigartig", sieht er die gefliesten Wände als Chance. Für einen Teilbereich schlug er ein Lichtcafé vor, in dem nach skandinavischem Vorbild im Winter und an trüben Tagen das Defizit an natürlichem Licht ausgeglichen wird.
"Für uns wie für den Freistaat Bayern ist das Zentrum für Telemedizin gesetzt", betonte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Sein Stellvertreter Anton Schick (DBK) sah das Zentrum als "halb-öffentlichen Anker-Mieter". Trotzdem gab es Diskussionen darüber, ob es bereits im Erdgeschosses beginnen müüse. Verteift wurde das Thema aber nicht, weil sich alle Redner einig waren, dass es vorerst nur um ein Grobkonzept geht. Blankenburg: "Jetzt ist erst einmal der Freistaat am Zug."
"Wir wollen etwas rund um die Medizin und rund um die Tradition unseres Ortes", nannte Schick als Grundsatz. Deshalb wurde ins Konzept aufgenommen, dass die Stadt in dem zentral gelegenen Gebäude kein weiteres Behördenzentrum wie im Luitpoldbad wünscht. Ergänzt wurden auch die Ideen, Wannen-Bäder zu ermöglichen, weil die Heilwasserleitung im Haus liegt, und einem potentiellen Hotel-Investor eine bauliche Verbindung vorzuschlagen.

Einrichtung soll Gäste anlocken

Neben der Heilwasser-Schauabfüllung vermisste Wolfgang Lutz (CSU) einen weiteren Aspekt: "Bad Kissingen ist ja nicht nur durch das Wasser groß geworden, man sollte das Salz nicht ganz vergessen." Sigismund von Dobschütz (Freie Wähler) plädierte für Kochkurse, weil es im Kurhausbad früher Diät-Kochkurse gegeben habe. Bernd Czelustek (SPD) unterstützte die Idee, einen Gesundheitslotsen oder "Spa-Coach" dort einzuquartieren. Michael Heppes (CSU) war wichtig, dass keine Konkurrenz zur Innenstadt entsteht: "Wir wollen dort Appetit auf Bad Kissingen machen."

Entstehung Architekt Max Littmann, unter anderem bekannt durch das Münchner Hofbräuhaus, hat ab dem Jahr 1912 zunächst ein großes neues Badehaus auf dem heutigen Parkplatz Tattersall geplant. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand ein kleineres Bad im Zuge der Modernisierung des Kurhaushotels. Am 1. Mai 1927 wurde das Kurhausbad als eines der modernsten Badehäuser Europas mit über 100 Badekabinen eingeweiht. Zu den Besonderheiten gehören bleiverglaste Fenster im Treppenhaus, Terrakotta-Verkleidungen im Foyer, Innenwände aus Nymphenburger Porzellan und Schmuckfliesen von Villeroy & Boch.

Fläche Das Kurhausbad hat eine Gesamtfläche von 4140 Quadratmetern auf vier Etagen. 275 Quadratmeter nehmen Treppen und Eingangsbereich ein, die eigentliche Nutzfläche verteilt sich auf jeweils 430 Quadratmeter pro Etage im Nord- und 465 Quadratmeter im Südflügel. Hinzu kommt über der Eingangshalle ein 150 Quadratmeter großer Raum, der für Konferenzen genutzt werden soll.
Konzept Im Nordflügel sollen nach dem Vorschlag von Wirtschaftsförderer Michael Wieden im Untergeschoss die Technik und in den drei Geschossen darüber das Zentrum für Telemedizin eingerichtet werden. Im Südflügel sieht das Konzept im Untergeschoss eine Heilwasser-Schauabfüllung, ein Kneipp-Becken und zwei Bars vor. In den Stockwerken darüber könnten Praxisräume, ein Info-Point für die Weltkulturerbe-Bewerbung, Büros und ein gastronomischer Betrieb entstehen.