Alles ein bisschen anders. Den Bühnenaufbau müssen die Künstler selbst besorgen, als Lagerarbeiter verkleidet, schleppen sie erst Koffer um Koffer auf die Bühne, beginnen dabei einen Dialog mit dem Publikum, animieren die Kinder zum Mitmachen. Im Nu ist ein lustiges Frage- und Antwortspiel im Gange, der Pianist entpuppt sich auch als Zauberkünstler, um wie zufällig zu fragen: "Kennt ihr Johann Sebastian Bach?", setzt sich an den Flügel und spielt so ganz nebenbei das Präludium Nr. 1 aus dem "Wohltemperierten Klavier" des Meisters. Für viele der Kinder sicher eine erste Annäherung an die klassische Musik.

Es geht lustig weiter, für ein Quartett hat's nicht gereicht, nimmt man halt "nur" ein Streichtrio, dafür werden wundersame Rhythmusinstrumente vorgestellt. Eine Kiste als Trommel, auf der man sitzen kann, oder klingende bunte Plastikrohre. Nicht nur die Kinder staunen, welchen Beat die Cajón drauf hat und wie eindringlich das Didgeridoo blasen kann.

Schubert mit vollem Körpereinsatz

Dann aber erobern die Puppen Klaus und Maus die Kofferkulisse, erzählen sich dies und das rund um die Musik und ziehen die Besucher mit allerlei Witzchen in den Bann. Die Erwachsenen schmunzeln, die Kinder jubeln, wie Maus sich von der Musik geradezu hinreißen lässt, während Klaus zu Franz Schuberts B-Dur Streichtrio ganz cool im Takt mit wippt. Und wenn sie dann noch das Andante con moto aus der A-Dur Suite von Jean Sibelius akrobatisch untermalen und zum Abschluss den "Klaus und Maus Song" vom Filmkomponisten Daniel Freundlieb völlig losgelöst dirigieren, gibt es für die Kids kein Halten mehr.

Aber auch für die Erwachsenen war Hintersinniges und Amüsantes in die Story eingewoben und dazu gab es schöne, fein gespielte Musik. Also auch für die "Generation Mozart, Bach und Co" ein Erlebnis.

Klassik aber Kindern nahezubringen, ist eine herausfordernde Aufgabe auch für Intendanten eines Festivals. Alexander Steinbeis hat mit dem Education Projekt und der Puppenphilharmonie aufgezeigt, dass ihm die Vermittlung der Klassik an junges und ganz junges Publikum am Herzen liegt. Wenn es so professionell gemacht ist, wie es Konzertregisseurin Bernadett Kis und Puppenspielerin Sandy Schwermer mit ihren "musizierenden Puppen" konzipiert haben, kann es gelingen.

Diese außergewöhnliche Mischung war es auch, die die Familie Kraus aus Roth in der Rhön - vier Erwachsene und drei Kinder - veranlasste, den Geburtstag von Oma mal anders zu feiern und das Konzert zu besuchen. Bereichert mit einem schönen Konzerterlebnis machten sie sich nicht etwa gleich wieder auf den Weg nach Hause, sondern gingen noch in ein Bad Kissinger Café. So ist das Festival doch gedacht, oder?