Sogar höher als vom Staatsanwalt gefordert fiel am Donnerstag nach vierstündiger Verhandlung das Urteil am Bad Kissinger Schöffengericht gegen einen jungen Handwerker aus dem Landkreis aus. Der 27-Jährige war geständig, in den Jahren 2013 bis 2015 kinderpornographische Bilddateien in Internet-Foren getauscht zu haben. Das Gericht unter Vorsitz von Matthias Göbhardt verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf
Bewährung, außerdem zu einer Geldstrafe von 3000 Euro zugunsten einer regionalen Einrichtung zum Schutz misshandelter Kinder sowie zur Zahlung der Gutachterkosten von 6000 Euro und der Gerichtskosten.


Angst vor Beziehung

Sichtlich peinlich war es dem jungen Handwerker, sich im Gerichtssaal offenbaren zu müssen. Mit zitternden Händen, unter dem Tisch verborgen, gab er die Trennung von seiner Freundin als Grund für sein Fehlverhalten an. Sie hatte dem damals 25-Jährigen den Laufpass gegeben mit dem Vorwurf, er sei nicht beziehungsfähig und ziehe ihr die Arbeit vor. Aus Angst vor einer neuen Beziehung meldete sich der Junghandwerker im Internet bei Erotik-Foren an und landete so bei einem Skype-Chat, in dem pornographische Fotos jeder Art getauscht wurden. "Ich dachte, ich schau mir das mal an", schilderte der Angeklagte sein damaliges Verhalten.
Doch unter dem anfangs üblichen Pornomaterial waren vereinzelt auch Dateien beigemischt, die der Beschuldigte eindeutig als Kinderpornographie hätte erkennen müssen, dessen Besitz und Versand strafbar ist, so der Vorwurf des Gerichts. "Es war kein kurzzeitiger Ausrutscher", warfen ihm Staatsanwalt und Richter vor. Immerhin hatte der Handwerker innerhalb von zwei Jahren insgesamt 35 000 Dateien im Netz heruntergeladen, davon 1870 Fotos und mehr als 70 Videos, die Kinder unter 14 Jahren bei allen Arten des Geschlechtsverkehrs mit Erwachsenen zeigten. Dies hatte die als Gutachterin eingesetzte IT-Forensikerin nach Prüfung des beschlagnahmten Computers, externer Festplatten und einiger CDs herausgefunden.


Unkontrolliert Bilder gesammelt

"Es war anfangs etwas Neues, Fremdes", suchte der Angeklagte nach einer Entschuldigung. Mit der Zeit sei der Dateientausch zu unkontrollierter Sammelleidenschaft geworden. "Ich war selbst erschrocken, als mir der Kriminalbeamte nach der Hausdurchsuchung die Gesamtzahl meiner Dateien nannte."
Mehrmals erwähnte der Angeklagte diesen Polizisten, "der mir erst die Augen geöffnet und mich zum Nachdenken gebracht hat". Er selbst habe sich nichts bei seinem Verhalten gedacht. "Ich wollte nur die Bilder haben." Er sei gewiss kein Pädophiler, sondern nur an gleichaltrigen Frauen interessiert. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", versuchte er vor Gericht eine Entschuldigung. "Der Kriminalbeamte hat mich über die Hintergründe der Kinderpornographie aufgeklärt. Ich bin ihm dankbar dafür." Nach diesem Gespräch habe er sich monatelang gefragt, "was mich damals geritten hat".
Aufgeflogen war der Fall erst 2015 nach Meldung eines in den Vereinigten Staaten eingesetzten Kontrollsystems gegen Kinderpornografie im Internet. Vorher hatte es keine Anzeige oder auch nur Verdachtsmomente gegen den jungen Mann gegeben. Überhaupt lebte der Handwerker in jeder Weise unauffällig, hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen und war täglich seiner Arbeit nachgegangen. "Ich liebe meinen Job."


Geordnetes Umfeld

Nicht zuletzt das geordnete soziale Umfeld des Angeklagten, der inzwischen eine neue Freundin hat, sein geregeltes Leben und das vollumfängliche Geständnis waren Gründe für den Staatsanwalt, nur eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu fordern nebst einer Geldstrafe von 3000 Euro sowie die Anordnung von drei psychotherapeutischen Beratungsgesprächen. Der Verteidiger versuchte in seinem Plädoyer die Bewährungsstrafe auf ein Jahr zu mindern.
Vorsitzender Richter Göbhardt und seine zwei Schöffen machten es sich nicht leicht. Trotz eindeutiger Sachlage brauchten sie eine halbe Stunde, um das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß am Ende um zwei Monate zu erhöhen und die Zahl der Beratungsgespräche auf fünf aufzustocken. Göbhardt: "Dem Gericht blieb gar nichts anderes übrig."


Abschreckungseffekt

Ausschlaggebend für das erhöhte Strafmaß sei die Vielzahl und die gewaltverherrlichende Qualität der Bilddateien gewesen. "Sie haben schwer gefehlt", warf Göbhardt dem Angeklagten vor. "Es war Unrecht, auch wenn es nur Bilder waren." Vom Strafmaß erhoffte sich das Gericht einen Abschreckungseffekt. Göbhardt: "Hinter jedem Bild steht ein unschuldiges Kind. Die Seele eines Kindes wird gebrochen." Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.