10 000 Euro. So groß ist das Loch, das die Kidro aus eigener Kraft Jahr für Jahr stopfen muss. Mobilfunkverträge für Streetworker und Suchttherapeuten, Benzin- und Wartungskosten, Fahrzeuginspektionen, neue Küchengeräte für die Wärmestube. "Laufende Kosten können wir nur noch relativ schwer decken", sagt Kidro-Geschäftsführer Thomas Heinrich.
Kommen dann noch unvorhergesehene Ausgaben hinzu, etwa als vor kurzem der Computerserver in die Knie ging, wird die Geldnot akut. Ein neuer Server war für den Verein für niedrigschwellige Hilfen nicht finanzierbar. Ein lokaler Computerdienstleister hat kurzfristig ausgeholfen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die Wärmestube in der Maxstraße, in der sich Bedürftige günstig mit einer warmen Mahlzeit versorgen können. In der beengten Küche steht eine alte Gefriertruhe, die zwar relativ wenig Stauraum bietet, dafür aber sehr sperrig ist und viel Platz wegnimmt. Wärmestubenleiter Claus Poppe benötigt von der Auslastung her drei Gefrierschränke, deren Anschaffung der Verein sich allerdings nicht leisten kann. Mittlerweile wurde immerhin ein Gerät von einem Elektrobetrieb aus Garitz gesponsert. "Wir sind schon immer für soziale Projekte offen", sagt Inhaber Jochen Gärtner. Ein Unternehmen profitiere von der Gesellschaft und habe deshalb den Auftrag, wieder etwas zurückzugeben.

Um unter anderem die beiden fehlenden Gefrierschränke finanzieren zu können, veranstaltet die Kidro am Wochenende einen zweitägigen Adventsflohmarkt im Sparkassenpavillon, auf dem Spielsachen, Bücher, Dekorartikel aber auch Möbel aus dem Möbellager "Sofa" angeboten werden. Der Erlös geht an den Verein.


Alte Geldquellen brechen weg

Dass die Kidro finanziell nicht gerade üppig ausgestattet ist, ist nicht neu. Dass immer mehr etablierte Einnahmequellen wegbrechen, dagegen schon. Wohlfahrtsverbände, die den Verein bisher finanziell stark unterstützt haben, ziehen sich zurück, weil bei ihnen selbst das Geld knapp wird. Der Sozialausschuss des Stadtrats ist deshalb vor einem Jahr eingesprungen und hat beschlossen, eine Finanzierungslücke bei den Personalkosten in Höhe von 8290 Euro zu übernehmen.

Die Stadt unterstützt den gemeinnützigen Verein aktuell jährlich mit rund 96 000 Euro. "Die Arbeit, die der Verein leistet, wird von uns sehr hoch anerkannt", sagt Rathaussprecher Thomas Hack. Die Zuschüsse seien für die Stadt erhebliche Mittel, gerade im Hinblick darauf, dass sich Bad Kissingen im Zuge der Haushaltskonsolidierung ein striktes Sparprogramm auferlegt hat.


Spenden verschieben sich

Ein weiteres großes Problem für die Kidro: Laut Geschäftsführer Thomas Heinrich fällt es zunehmend schwerer, Sachgüter und finanzielle Hilfen zu erhalten. "Obwohl wir viel Werbung machen, gehen die Spenden zurück. Ich weiß nicht, wie ich die Leute noch erreichen soll", klagt er. Ihm gingen allmählich die Argumente aus, mit denen er um Unterstützung werben soll.

Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Heinrich vermutet zum einen eine allgemein sinkende Spendenbereitschaft. Zum anderen ist der Spendenbedarf aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen aber gewachsen, so dass unterm Strich bei einem einzelnen Verein oder Verband weniger ankommt.

Die Kidro ist gezwungen, sich nach neuen Unterstützern umzusehen. "Wir müssen ständig unsere Antennen ausfahren, um die Kosten zu decken", sagt die Vereinsvorsitzende Eva Matthies. Sie könne sich vorstellen, in Zukunft auf überregional tätige Sozialorganisationen wie Aktion Mensch zuzugehen. Heinrich hat zudem die Idee, bei Pharmakonzernen und Therapieeinrichtungen um Unterstützung zu werben. Das liege nahe bei der Arbeit, die die Kidro in Sachen Drogenhilfe leiste.


Adventsbasar gegen klamme Kassen


Flohmarkt
Der Adventsbasar der Kidro findet samstags und sonntags, 28./29. November, im Sparkassenpavillon in der Von-Hessing-Straße statt. Geöffnet ist von 9 bis 17 Uhr.

Finanzierung Die Fixkosten des Vereins für Miete, Personal und Verwaltung belaufen sich auf rund 230 000 Euro. Sie werden von Stadt und Landkreis Bad Kissingen sowie vom Jobcenter übernommen. Bei den laufenden Kosten, etwa für Fahrzeuge, Inspektionen, Handyverträge bleibt ein Loch von rund 10 000 Euro, das der Verein über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Sponsoren und Aktionen erwirtschaftet. In Härtefällen hat die Kidro die Möglichkeit, Mittel bei Stadt und Landkreis zu beantragen. Ob sie genehmigt werden, steht unter Haushaltsvorbehalt.