Die Kundin schiebt ihren vollen Einkaufswagen an zwei Frauen in neongelben Streikwesten vorbei. Sie nickt den beiden aufmunternd zu und sagt: "Recht habt ihr." Das spiegle, so sagen die Kaufland-Angestellten, die Haltung der Kunden wieder. "Sie meinen, dass wir Recht haben, mehr Geld für unsere Arbeit zu fordern", sagt Jutta Kral, eine der Streikenden. Gestern legte sie die Arbeit nieder. Es geht um einen Euro brutto mehr pro Stunde.


Weniger Personal bei gleicher Arbeit

"Auf meinem Konto bleiben 1100 Euro", sagt Jutta Kral. Zuwenig für 110 Stunden, meinen die Frauen. Eine andere sagt: "Das Personal wird weniger, die Aufgaben bleiben aber die selben, also lastet mehr Druck auf uns." Bei Kaufland Bad Kissingen arbeiten 85 Menschen, 21 haben sich gestern entschieden, die Arbeit niederzulegen. Sie erhielten Unterstützung von Kollegen vom Kaufland Schweinfurt.
Den Streik organisiert hat die Gewerkschaft Verdi. "Kaufland expandiert und hübscht mit viel Geld seine Filialen auf - die Beschäftigten bleiben auf der Strecke", so bringt Verdi-Sekretär Peter König die Situation der Beschäftigten aus seiner Sicht auf den Punkt.


"Kaufland verwendet noch Tarifverträge"

König ist vor Ort, er verteilt vor dem Kaufland Transparente und Applaus-Material. "Wir fordern 163 Euro Brutto im Monat mehr, bei Azubis pauschal 100 Euro, damit die Ausbildung interessant bleibt." Dazu setzt sich Verdi dafür ein, dass Tarifverträge im Handel als allgemein verbindlich angesehen werden. König: "Im Handel sind nur noch 43 Prozent der Unternehmen tarifgebunden. Damit wird der Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen." Wobei Peter König betont: "Kaufland wendet noch den Tarifvertrag an."


Streik auch am Samstag

Eine Zeit lang demonstrierten die Streikenden den Haupteingang von Kaufland und hielten Transparente wie "Habe Arbeit, brauche Geld" in die Höhe. Und dann stimmten sie ab: Auch am heutigen Samstag wird der Streik fortgesetzt.