Bad Kissingen
Veranstaltungsreihe

Jüdische Kulturtage in Bad Kissingen: ein Fazit

Von Musik bis Vorträgen ist in diesem Jahr im Landkreis einiges geboten, was sich um das Judentum dreht. Wie eine Buchhändlerin dazu beiträgt und was die Verantwortlichen über den bisherigen Verlauf sagen.
Die Ausstellung "Mehr als Steine" zeigt Synagogen als Zeichen jüdischen Lebens in Unterfranken.  Archivfoto: Sigismund von Dobschütz
Die Ausstellung "Mehr als Steine" zeigt Synagogen als Zeichen jüdischen Lebens in Unterfranken. Archivfoto: Sigismund von Dobschütz

Für Claudia Bollenbacher von der Bad Kissinger Buchhandlung Seitenweise ist es das erste Mal, dass sie etwas zu den Jüdischen Kulturtagen beisteuert. 2018 hatte sie den Laden in der Ludwigstraße eröffnet und nun drei der Veranstaltungen ermöglicht. Die Jüdischen Kulturtage Bad Kissingen ist eine Veranstaltungsreihe der Stadt und des Landkreises Bad Kissingen, mit weiteren regionalen Beteiligten. In diesem Jahr laufen sie vom 31. März bis zum 28. Oktober. "Mit den jüdischen Kulturtagen erinnern wir uns als Region und als Stadt an das jüdische Leben in unserer Region", sagte Bad Kissingens OB Dirk Vogel dazu. Es gibt Konzerte, Führungen, Ausstellungen und Vorträge.

Claudia Bollenbacher ist der Kultur als Theaterwissenschaftlerin sehr verbunden. "Wir hatten schon zwei Veranstaltungen: Die erste war ein Vortrag über die jüdische Operette mit Stefan Frey vom Bayerischen Rundfunk. Und wir hatten Alice Brauner, das war super. Da waren 80 Leute da." Bei der Lesung mit Gesang trug Brauner aus ihrem Buch über ihre jüdischen Eltern vor. Ihre dritte ist eine der letzten Veranstaltungen der Reihe. Ein Vortrag mit Lesung am 28. Oktober von Nicole Henneberg.

Er wird sich um die Jüdin Gabriele Tergit drehen. "Frau Henneberg ist ihre Wiederentdeckerin. Tergit war eine Journalistin in den 30ern, hat viele Gerichtsreportagen geschrieben - in einer Zeit, wo es nicht üblich war, dass Frauen große Reportagen schreiben." Sie habe auch Essays und Romane geschrieben. "Sie musste manchmal Pseudonyme benutzen, auch männliche Namen." Nachdem Tergit aus Deutschland vertrieben worden war, hatte man sie komplett vergessen. Henneberg bringt derzeit ihre Werke neu heraus.

"Nach zwei Pandemiejahren nicht einfach"

Zusammen mit Hans-Jürgen Beck, der für das Programm verantwortlich ist, hatte Bollenbacher die Vortragenden herausgesucht. Henneberg und Brauner kennt sie durch ihre gut gekauften Bücher. Für die drei Vortragenden zahlt Bollenbacher Honorar, Anreise und Unterkunft, organisiert einen Ort und alles weitere.

Zwar setze die Pandemie ihrem Laden zu. "Ich habe es nach zwei Pandemiejahren als Buchhändlerin nicht einfach: Wir haben eine Buchpreisbindung. Aber wir müssen auch Miete und Personal zahlen, da ist nicht mehr so viel Reserve." Doch als Hans-Jürgen Beck damals fragte, ob sie bei den noch für 2020 geplanten Jüdischen Kulturtagen teilnehmen wolle, hatte sie zugesagt. Trotz der Bedingungen durch die Pandemie wollte sie für die verschobene Veranstaltungsreihe 2022 ihren Teil beisteuern. "Ich finde es nur schade, dass viele die Jüdischen Kulturtage gar nicht kennen. Obwohl sie hochkarätig besetzt sind." Viele würden nur durch Zufall darauf stoßen. "Das Programm ist von Herrn Beck so toll, liebevoll und abwechslungsreich zusammengestellt, dass das total schade ist."

Dass Hans-Jürgen Beck mit ganzem Herzen für das Programm sorgt, wird deutlich, wenn er darüber spricht. Warum jede und jeder etwas für sich findet, wird schnell klar: "Die Veranstaltungen sind ganz unterschiedlich ausgerichtet. Manche gehen gerne in Konzerte, da hatten wir die Bayerische Staatsoper, oder das Trio Folkadu. Am 18. September kommt noch etwas zu Süßkind von Trimberg, was sicherlich besonders wird. Da gibt es Minnesang und einen Vortrag", sagt Beck. Bei den reinen Vorträgen sei es ähnlich bunt: Es gibt etwas über jüdische Musik, Kultur, Geschichte, Kunst, oder zu großen Persönlichkeiten. Wer sich für jüdische Spuren in der Region interessiere, könne bei Führungen in verschiedenen Orten teilnehmen. "Es werden ganz unterschiedliche Akzente gesetzt. Wir hatten sogar etwas über Fußball in Theresienstadt."

Bis zum Herbst erwarten Interessierte noch allerlei Veranstaltungen. Das Klaviertrio Würzburg werde am 9. September speziell für das Event einen spannenden Abend gestalten. Auch der Operettenabend vom Theater Würzburg am 12. September werde interessant. Mit der Fotoausstellung zur Landkreispartnerschaft mit Tamar vom 19. September bis 28. Oktober gibt es etwas zum Ansehen.

Es läuft "überraschend gut"

Einen Rückblick gibt Projektleiter der Stadt Bad Kissingen, Michael Balk: "Die Veranstaltungen laufen überraschend gut. Wir dachten erst, dass wir wegen Corona, der Hitze oder Krankheit weniger schaffen." Auch über den langen Zeitraum der Reihe waren sie unsicher. Aber: "Bisher sind nur positive Rückmeldungen eingegangen. Highlights sind immer die Führungen, die sind gut gebucht." Auch Konzerte, wie das des Trios Folkadu oder das Event Rocking Blues und Boogie-Woogie zogen viele Gäste an.

Daneben erwähnt Balk hochkarätige Vortragende wie Christian Ude, der ehemalige Münchner Oberbürgermeister und Ludwig Spaenle, Bayerns Beauftragter gegen Antisemitismus und sein Pendant des Bundes, Felix Klein. Neben Stammgästen gebe es viele spontane Besucherinnen und Besucher, auch Kurgäste seien anzutreffen. Was ihm und den Vortragenden auffällt: "Es gibt hier ein sehr interessiertes Publikum. Viele sind auch thematisch sehr eingearbeitet, stellen interessante Fragen."